darin, welche bereits zur Zeit jener folgenreichen That hiergestanden haben sollen, und unter den zahlreichen Porträten,welche ihre Wände schmücken, hängen auch, gerade über derEingangsthüre, jene der beiden hinabgestürzten Statthalter.Bekannt ist, daß der lebensgefährliche Sturz für die Gestürz-ten selbst gar keine nachtheilige Folgen hatte und, ganz richtigsagt die Inschrift einer der zwei Pyramiden, welche zum Ge-dächtnisse ihrer wahrhaft wunderbaren Rettung an der Stelledes Walles, wo sie hinabgestürzt waren, errichtet wurden, vonMartinitz: „Ita Iiegue noxam seimit, mgjara I-MIM snrrexil."(„So litt er nicht nur keinen Schaden, sondern stand größervon seinem Sturze auf.") Slawata und Martinitz wurdenfür ihre Treue, deren Märtyrer sie waren, mit Würden undEhren belohnt, und, ihr Geheimschreiber Fabricius in denAdelstand mit dem bedeutsamen Prädikat „von Hohcnfall" er-hoben. — Außer den genannten Sälen wird den Besuchernder Hofburg auch ein kleiner Saal gezeigt, der wegen der darinhängenden Portraite vieler böhmischen Könige historisches In-teresse hat. — Aus der zuletzt geschilderten Abtheilung der k. k.Hofburg führt ein gedeckter Gang in die Metropolitankirche.Bevor wir aber bei der Beschreibung derselben etwas verwei-len, wollen wir die Leser noch mit einigen andern zur kaiser-lichen Burg gehörenden Merkwürdigkeiten bekannt machen.
Durch einen Thorweg unter dem spanischen Saale gelangtman über die Staubbrücke (die jetzt eigentlich nur ein überden Hirschgraben führender Damm ist) in den kaiserlichenSchloßgarten. Dieser war seiner Zeit einer der schönstenGärten Deutschlands, in ihm blühten die ersten Tulpen, dieder kaiserliche Gesandte bei der Pforte, Augen von Busbeck,aus Konstantinopel mitgebracht hatte. Kaiser Rudolf II, ließdie seltensten Blume» und Bäume aus Spanien, Italien, Asienhieher anpflanzen, ckegte Behältnisse für seltene Thiere *) darinan, und ließ den Garten mit kunstreichen Bildsäulen schmücken.Von allen diesen Herrlichkeiten ist aber dem Schloßgartcn mitwenigen Ausnahmen (darunter ein schönes Erzbassin) nichtsgeblieben; theils die Zeit, theils preußische Kugeln im Jahre1757 haben das Meiste zertrümmert. Auch ein Opernhaus,welches noch Kaiser Karl VI. in diesem Garten hatte erbauenlassen, ging bei der genannten Belagerung in Flammen auf.Nicht so litt das Ferdinandeische Lustschloß, das an denSchloßgartcn angränzt: ein schönes von zierlichen Säulenarka-den umgebenes Gebäude, das noch heutzutage — wahrscheinlichseiner hohen Lage und seltsamen Gestalt wegen — von Vielenfür des Astronomen Tycho de Brahe Observatorium gehaltenwird, (welches in der Gegend des Czernjn'schen Palastes lag).Ferdinand I. hatte dieses Lusthaus durch den italienischen Bau-meister Ferrabosko de Lagno erbauen lassen. Die Wölbungender Bogen sind mit kunstreichen Hautrcliefs und in Stein ge-hauenen Arabesken geschmückt; auch die Brustwehr der oberen,ungedeckten Galerie, die ehemals mit Cedcrnholz getäfelt war,zeichnet sich durch ihre schöne Arbeit aus. Wegen der hcrrli-
*) In dem Löwenzwinger dieses Gartens soll das Faktum sich ereig-net haben, welches Schiller den Stoff zu seiner Ballade: „DerHandschuh", gab.
chen Aussicht, welche dies Gebäude bei seiner hohen, freien Lagebietet, ist es auch unter dem Namen Ferdinandcisches Belve-derc bekannt. Gegenwärtig wird dies ehemalige Lustschloß alsArtillerie - Geschütz - Depot verwendet.
Wie bereits bemerkt, ist der Schloßgartcn mit seinen an-gränzenden Theilen von der Burg durch den Hirschgrabengetrennt, eine ziemlich tiefe, buschbewachsene Schlucht, in welcherehemals die böhmischen Könige und auch Kaiser Rudolf II. Hir-sche hielten. In der Tiefe der Schlucht rauscht der Bruskabach,der bei den alten Chronisten oft als ein reißendes Wasser ge-nannt wird, und von dessen Wasserfällcn (die er ehemals im Hirsch-graben gebildet haben mochte, und die altslawisch Porog oder Pragheißen) Einige den Namen unserer Hauptstadt herleiten wollen.
Wir übergehen nun zur Schilderung des zweiten Haupt-gebäudes: der Metropolitankirche zu St. Veit.
Aeneas Sylvius, der sonst eben kein Lobredncr Böhmensist, erzählt in seiner Geschichte dieses Landes, daß in Hinsichtansehnlicher Kirchcngebäude sich kein Land Europas mit Böh-men messen könne. Wir müssen, die herrlichen Münster undDome in Spanien, England und Deutschland beachtend, diesesLob für die Gegenwart ermäßigen, werden aber bei aller Be-scheidenheit doch behaupten können, daß, wäre der Präger Domzur Vollendung gediehen, er vielleicht keinem Münster in dengenannten Ländern nachgestanden hätte. Kaiser Karl IV., derden Prager Dom") (noch während der Regierung seines Va-ters) im Jahre 1334 begonnen und die Leitung den Baukünst-lern Mathias von Arras und Peter Arleri übergeben hatte,erlebte die Vollendung dieses Baues nicht. Sein Sohn undNachfolger setzte den Bau nur einige Jahre (bis 1386) fort.Der große, unheilvolle Brand vom S. Juni 1531 ließ von dem,was unter Karl IV. gebaut worden war, nichts als das Ge-mäuer stehen, von dem, was Wenzel IV. zugebaut hatte, blie-ben, weil es nur von Holz war, blos Kohlen und Asche übrig.Die Glocken auf den Thürmen zerschmolzen, und einer derThürme stürzte zusammen und ward nie wieder aufgebaut. DieIdee zum Weitcrbau der Kirche, die wenigstens das Doppelteihrer gegenwärtigen Länge hatte erhalten sollen, wurde öfteraufgenommen und unter Kaiser Leopold I. (1673) wurden auchdie Hauptmauern und die innern Pfeiler begonnen. Aber diefortwährenden Kriege unterbrachen den Bau, so daß man vondemselben nichts gewann, als einiges Gemäuer, das noch heuteruincnartig im Vorhofe der Domkirche steht. In neuester Zeitwurde der Ausbau der Domkirche wieder projektirt, und eswerden auch Voranstalten getroffen, um die Nealisirung desProjektes möglich zu machen. Möchte der Fortbau des KölnerDomes, an dessen Vollendung jetzt ganz Deutschland energi-schen Antheil nimmt, in Böhmen thätige Nacheiferung finden!
Wie die Kirche gegenwärtig ist, wird ihre Vorderfrontedurch eine Nothmaucr gebildet, die keinen andern Schmuck hat,als ein 75 Fuß hohes, sehr mittelmäßiges Freskogemälde, dasI72V von Schor gemalt, nach den vielfachen Beschädigungenaber, welche die Kirche im Jahre 1757 durch die preußische
An der Stelle einer schon von Wenzel dem Heiligen begonnenenund später oft umgebauten St. Veitskirche.