sten Gebäude, theils weil einen großen Theil des Raumes derHirschgraben, Gärten und Fortifikationswerke einnehmen —nur 1W Häuser. Die Zahl der Bewohner des Hradschinsbelief sich im Jahre 184t> auf 4358. Der Name Hradschinist abzuleiten von dem böhmischen Worte Hrad, die Burg, näm-lich die Hofburg.
Mit dieser, als dem wichtigsten und imposantesten Gebäudedes Hradschins, müssen wir billigerweise beginnen. Schon dieHerzoge Böhmens hatten eine Burg auf dem Hradschin erbaut,die, auf dem östlichen Vorsprunge des Schloßberges, wo jetztdas Oberstburggrafenamt, stehend, unter dem Namen „die St.Wenzelsburg" bekannt war. König Wenzel I. und PrzempslOtakar II, befestigten dieselbe mit Wällen, Gräben, Mauernund zahlreichen Thürmen, von welchen letztern ein Sturm diemeisten niederwarf und die königliche Wohnung bedeutend be-schädigte. Nachdem im Jahre 1316 eine heftige Feuersbrunstbeinahe die ganze Burg in Trümmer verwandelt hatte, bauteKarl IV,, der bekanntlich am französischen Hofe erzogen wor-den war, ein neues Schloß nach Art des königlichen Louvre zuParis. Aber da nach seinem Tode die Könige theils auf ihrenBurgen lebten, theils sich in ihrem Königshofe auf der Alt-stadt aufhielten, gerieth das Hradschiner Schloß durch Nach-lässigkeit und durch die Verwüstungen der Hnssiten allmälich inVerfall, bis endlich neuerdings Wladislaw II. 1184 seineWohnung auf dem Hradschin aufschlug, und eine neue Burg,etwas westlich von der alten, erbauen ließ. Diesen Bau leiteteBenesch von Laun, ein angesehener Baukünstler jener Zeit, vondem mehre herrliche Bauwerke unseres Vaterlandes herrühren.(Er starb 1531.)
Der große Brand im Jahre 1541 verwandelte beinahedie ganze Burg in Schutt und Asche, blos der Huldigungssaalund dessen angränzender Flügel blieben von dem Wladislaw'-schen Baue stehe». Erst nach diesem Brande wurde von KaiserFerdinand I, und König Mathias die heutige Hofburg gebaut,und Maria Theresia ließ in den Jahren 175« bis 1774 durch An-selm Luragho den Ausbau derselben vollenden. Diese letztge-bauten Theile der kaiserlichen Hofburg erblicken wir auf demBilde, welches uns „die Residenz in Prag" von der Westseitedarstellt.
Das von Bildhauerarbeiten (von Platzer) unterbrocheneEisengittcr, das wir auf der genannten Ansicht sehen, schließtden ersten Burghof vom Hradschiner Platze ab. Von seinendrei Thoren ist das mittlere nur bei der Anwesenheit der kai-serlichen Familie oder bei feierlichen Gelegenheiten geöffnet.Der rechte Flügel der Hofburg enthält, soweit er auf demBilde sichtbar ist, in langer imposanter Reihe die Privatgemä-cher I. I. M. M. des Kaisers und der Kaiserin; alle sindhöchst geschmackvoll möblirt und bieten eine prachtvolle Aussichtüber Prag. Die meisten derselben sind mit kostbaren Gemäl-den der berühmtesten Meister und mit wohlgetroffenen Porträtsmehrer Glieder des Kaiserhauses geschmückt. Die Haupttreppezu den k. k. Privatgcmächern führt rechts aus dem (auf unseremBilde sichtbaren) Portale, welches, wie eine Inschrift darüberbesagt, unter Mathias 1614 von Scamozzi erbaut wurde.Durch dieses Portale gelangt man auf den zweiten Burghof,
dessen Mitte ein reich gearbeiteter kolossaler Springbrunnen vonHeidelberger (1681) ziert. Auf diesem zweiten Hofe steht auchdie kais. Hauskapelle, und im nördlichen Trakt des Burggebäu-des zwei große, prachtvolle Säle, der Deutsche und derSpanische, beide von Ferdinand I. erbaut. In dem erster»ward unter Rudolf II. die königliche Kunst- und Schatzkammeraufbewahrt, damals bekanntlich eine der bedeutendsten in ganzEuropa. Nach dem Tode dieses kunstliebenden Kaisers soll seineSchatzkammer an Kunstgegenständen, Perlen und Edelgesteineinen Werth von siebzehn (!) Millionen Gulden gehabt haben.Der größte Theil dieser Schätze ging im dreißigjährigen Kriegefür Prag verloren. Fünfzig Wägen voll dieser Kostbarkeitenließ Churfürst Johann Georg von Sachsen 1633 nach Dresdenführen und im I. 1648 schleppten die Schweden nebst anderenSchätzen auch das Beste aus der ausgezeichneten Gemäldesamm-lung nach Stockholm. Dort wurden den schönsten GemäldenKöpfe, Hände und Füße ausgeschnitten, auf Tapeten geklebt,und das Uebrige dazu gemalt. Was diesem Vandalismus inSchweden entgangen war, nahm Königin Christine nach ihrerThronentsagung mit nach Rom. Von dem, was nach demAbzüge der Schweden aus Prag noch von der NudolfischenSammlung in Böhmens Hauptstadt geblieben war, ging späterVieles nach Wien; Vieles ward im siebenjährigen Kriege vonPreußen und Franzosen verschleppt oder zerstört; der Rest ver-lor sich in einzelnen Kabinetell und Galerien. — Der spani-sche Saal, noch größer als der deutsche, war der Schauplatzzahlreicher Hoffeste, deren auch in unseren Tagen manche äußerstglanzvolle in diesen beiden Sälen gefeiert wurden.
Den Trakt der k. k. Burg, welcher den dritten Burghofbegränzt, bewohnte in dem Winter 1831 auf 1833 Karl X.mit seiner kleinen Suite. Aus diesem Theile gelangt mandurch den sogenannten Kaisergang in einen prachtvollen, riesigenSaal, der, bald nach seinem Erbauer, dem König Wladislaw II,,der Wladislaw'sche Saal, bald auch der Huldigungssaalgenannt wird, weil in demselben die böhmischen, mährischenund schlesischen Stände dem Könige von Böhmen bei seinemRegierungsantritt den Huldigungseid leisten. Der Saal hateine Länge von 316 und eine Breite von 6» Fuß, und istaußer diesen ungeheuren Raumverhältnissen auch wegen derKühnheit seiner kunstreichen Wölbung merkwürdig. I» früherenZeiten wurden in diesem Saale Schauspiele aufgeführt, ja sogarauch Turniere zu Pferde gehalten. An den Huldigungssaalstößt der Landtagssaal, in welchem gegenwärtig die jähr-lichen Postulatslandtage gehalten werden, der aber nicht mitder alten Landstube zu verwechseln ist, aus deren Fensternam 33. Mai 1618 die königlichen Statthalter Wilhelm vonSlawata, Jaroslaw von Martinitz und der GeheimschrciberFabricius Platter aus einer Höhe von 38 Fuß geworfen wor-den waren. Diese alte Landstube, der in unserem Werke eineigenes Bild (mit der nicht ganz richtigen Unterschrift: „Land-tagsstube") gewidmet ist, liegt im dritten Stockwerke der Hof-burg, und wir werden noch später Gelegenheit finden, derenLage den Lesern auf einem andern Stahlstiche anzugeben. UnserProspekt dieser „Landstube" ist getreu; noch sieht man Möbel(z. B. den großen Tisch und einige Stühle mit alten Wappen)