Augezdergasse fort. Diese Gegend, unter dem Namen Augezdbekannt, ist der südlichste Theil der Kleinscite und war ehemalsblos eine Vorstadt derselben. — Noch um die Mitte des drei-zehnten Jahrhunderts bestand der ganze Augezd blos aus ein-zelnen zerstreuten Hütten, aber im Jahre 1207 wurde er plötz-lich der Schauplatz eines äußerst glänz- und lcbenvollcn Festes.Mit für jene Zeiten fast fabelhaftem Prunke feierte am S .Junides genannten Jahres König Wenzel II. hier das Fest seinerKrönung. Da Prag die ungeheure Menge von Gästen nichtfaßte, wurden für sie auf dem Augezd Zelte und hölzerne Häusererbaut und ein großer Palast mit geräumigen Sälen zusam-mengezimmert. Das Gold- und Silbergeschirr in diesem Für-stenpalaste allein wurde auf 6000 Mark (120,MV Gulden)geschätzt. Von diesem Feste her datirt sich nach Schaller dieErweiterung des Augezd. — Auch diese Stadtgegend besitztneben vielen unansehnlichen, ja ärmlichen einige recht stattlicheGebäude, z. B. das k. k. Zeughaus (ein ehemals Schwamberg'-scher, später Eggenberg'scher und zuletzt bis 1770 Schwarzen-berg'schcr Palast), und, die k. k. Artillerie-Kaserne knapp amThore. Zur Verschönerung dieser Stadtgegcnd wird wesentlichdie neuerbaute Kettenbrücke beitragen, welche durch die imWerden begriffene, nach Sr. Erccllcnz unserm gegenwärtigenHerrn Oberstburggrafen benannte, ChotekSgassc in den Augezdmündet. —
Der Augezd, die Karmelitergasse, der Neumarkt, diewälsche Spitalgasse und der wälsche Spitalplatz umschließen denFuß des Laurenzbcrges. Die wälsche Spitalgasse und der kleinegleichnamige Platz haben ihren Namen von dem italienischenWaiseninstitnte, welches im Jahre 1804 aus dem ehema-ligen (1560 von in Prag ansäßigen Italienern gestifteten) wäl-schen Spitale entstand, und seit 1830 das Haus, das der ur-sprünglichen Anstalt gehört hatte und, 1780 verkauft wordenwar, wieder eigenthümlich besitzt. — Einige Schritte von diesemGebäude erhebt sich ein in schönem italienischen Styl erbauterPalast der Fürsten von Lobkowitz, den sowohl die an-sehnliche Bibliothek, als auch der ausgedehnte Garten bcsuchens-werth machen. In jener wird der Besucher manches selteneManuscript, in letzterem eine interessante Alpenflora und über-haupt manche seltene Pflanze finden. Den höheren Parthieendieses Gartens, der einen bedeutenden Theil des nordöstlichenAbhangs des Laurenzberges einnimmt, verleihen die Gruppenalter Eichen, Buchen, Birken u. s. w. fast das Ansehen einesWaldes, den anmuthig sich schlänglende Wege durchschneiden. —
Nebst dem fürstl. Lobkowitz'schen bedecken noch mehre an-dere — doch bei weitem nicht so schöne und große — Gärtenden innerhalb der Stadtmauern liegenden Abhang des Lau-renzberges. Ein einziger dieser Gärten ist Jedermanns Be-suche geöffnet: der Garten der Hasenburg, eines Restaurations-gebäudes, aus dessen Fenstern man eine wunderherrliche Aus-sicht über Prag genießt. Noch herrlicher — weil unbeschränk-ter — ist die Aussicht von einem Rondell aus, das auf derHöhe des Berges aufgeworfen wurde. Man überblickt vondem Rondell nicht blos die Stadt mit ihren hundert Thürmen,ihrem Häuscrmeer, ihrem majestätischen Schlosse, die breiteMoldau, die Anhöhen, welche Prag umschließen, man erblickt
auch im fernen Norden den einsam stehenden, Domartigen Rzjp(Georgsberg) mit seiner uralten, weißglänzenden Kapelle, undin noch bläuerer Ferne die lange Kette der Kegel des Mittel-gebirges, der sich nach Westen hin der Jeschkcn, das Jserge-birge und das Riesengebirge anschließen. — Nicht weit vondiesem Rondell, welches eine so entzückende Aussicht gewährt,erhebt sich eine kleine Kirche des heiligen Laurenz, nach welcherder Berg, der altböhmisch Petrzjn (Pctersberg) hieß, seinenjetzigen Namen führt. Dies Kirchlcin, schon von Boleslaw II.erbaut, nach mehren Umbauten 1784 aufgehoben, 1840 aberrcnovirt, und dem Gottesdienste wieder eröffnet, steht auf demhöchsten Gipfel des Berges und zugleich dem höchsten PunktePrags (156 ,zz Par. Toiscn über der Nordsee, 73,P. T.über dem Moldauspiegel). Den freien Platz vor der Kirche,welcher — früher öde und wenig besucht — vor einigen Jah-ren planirt und mit Gartenanlagen bepflanzt wurde, zierennunmehr 14 von den bairischen Malern Müller und Holzmaier(nach Kartons von Führich) al fresco gemalte Passionssäulen.Auch diese Verschönerungen dankt Prag Sr. Ercellenz dem ge-genwärtigen Obcrstburggrafen Herrn Grafen Karl von Chotek,der die alte, romantische Hauptstadt Böhmens mit so unzähligen,neuen Reizen schmückte.
Eine zackige Mauer, welche Karl IV. bei einer ausge-brochenen Hungersnoth zu bauen begann, um den Armen Brotzu verschaffen, und die deßhalb auch die Brot- oder Hunger-mauer heißt, umschließt die der Stadt zugewendete Lehne desBerges, welcher, wie bereits bemerkt worden, eigentlich nurein Ausläufer des weißen Berges ist.
Gegen Norden schließt sich mittelst eines niedrigeren Rückens,welcher gewöhnlich der Berg Sion heißt, und ans dem dasalte Stift Strahow steht, dem Laurenzberge der Schloßberg(ehemals Swjuiu, Schwcinsbcrg genannt) an, dessen Höhe einfünfter Stadttheil
S. Der Hradschin,
gleichsam das Kapital Prags, krönt. Fast die Hälfte seinesRaumes nimmt die königliche Hofburg mit den dazu gehörigenGebäuden ein. Seine prachtvollen Paläste und Kirchen kontra-stiren seltsam zu der fast lautlosen Ruhe, die hier gewöhnlichherrscht. Neben manchen dieser Prachtbauten erheben sich ärm-liche, elende Häuschen, oder breiten sich öde Plätze aus; jaeiner der großartigsten Paläste, der Czernjn'sche, dient fastausschließlich armen Leuten zur Wohnung. Mehre andere sindzum größten Theile unbewohnt. Die Glanzperiode des Hrad-schins war natürlich die Zeit, in welcher die Könige Böhmenshier residirten. Mit dem Hofe schwand auch die Lebhaftigkeitdahin, die nur bei Gelegenheit hoher kirchlicher oder sonstigerFestlichkeiten, die auf dem Hradschin gefeiert werden, z. B. beimFrohnleichnamsfest, auf kurze Zeit wiederkehrt. — Von hohenWürdenträgern residirt auf dem Hradschin nunmehr nur nochder Erzbischof mit seinem zahlreichen Domkapitel; die Residenzdes Obcrstburggrafen wurde in das k. k. Gubernialgebäude (aufder Kleinseite) verlegt. — Der Flächcnraum des Hradschinsbeträgt fast 215,000 OKlafter, aber auf dieser ziemlich bedeu-tenden Are« stehen — theils wegen der Weitläufigkeit der mei-
4*