Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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vorblickenden Dachgiebel angedeutet) eine ansehnliche Bibliothek(mit etwa 26000 Bänden) und ein Münz- und Gemmenkabinetbesitzt. Bibliothekar ist der fürstl. Fürstenberg'sche Rath HerrKarl Egon Ebert, der in ganz Deutschland bekannte Dichterder Wlasta. In der Nähe des Waldstein'schen Palastes undzwar in der Bruskagafse liegt auch das neue große, aber nochnicht vollendete Gebäude der von dem verstorbenen k. k. Uni-versitätsprofessor Dr. Aloys Klar gegründeten Versorgungs-und ö c schästi g un gs a n st a lt für erwachsene ölinde.Der Sohn des menschenfreundlichen Stifters, k. k. Kreiökom-missär Herr Paul Klar, leitet das Institut im Geiste desVaters, und baute auch die neben der Anstalt stehende Na-phaclskapelle, welche von unserm jungen Künstler Kandlernach Cartons von Führich ausgeführte Freskogemälde besitzt.Das Jnstitutögebäude wird nach seiner Vollendung Raum fürwenigstens 300 Blinde enthalten, deren Pflege barmherzigenSchwestern anvertraut ist. Neben dem ältern Gebäude derBlindenversorgungsanstalt steht das Militärökonomiegebäude, ander Stelle, wo (wie wir bereits Eingangs erwähnten) das ersteHaus Prags, ein Meierhof Libuscha's der Sage nach stand.

Wir würden das neue Jnstitutsgebäude sowohl als dieNaphaelskapclle auf dem Bilde:Dir Ulcinscile mit demHrabschin " sehe», wenn uns nicht die Mühlgebäude im rechtenVordergrunde dasselbe verdeckte. Kehren wir nun zur Betrachtungdes eben genannten Prospektes zurück. Wenn der Beschauer dessel-ben von der St. Nikolauskirche, die wir als Orientirungspuuktannahmen, nach links sieht, so erblickt er zur äußersten Linkenzwei kleine Thürme mit ziemlich stumpfer Bedachung: es sind dieThürme der Malthcsierkircl> c Viaria sub cstona (Maria unterder Kette). Sie war, als sie noch (bis auf Karl's IV. Zeiten)außerhalb der kleinseitner Stadtmauern lag, durch Wall undGraben, geschützt, und der Zugang zu ihr noch überdies durcheine vergoldete Eisenkette gesperrt, daher ihr Name. Daß dieRaumverhältnisse der Kirche vormals weit größer waren, da-von sind die Wölbungen im Vorhofe derselben, an welchen sichnun Epheu hinanrankt, Zeugen. Die Zcrstörungswuth derHussiten im 1.1420, einem Jahre, wo so viele herrliche Bau-ten Prags ihren Untergang fanden, und eine verheerendeFeuersbrunst im I. 1503 beschädigten die Kirche in einemGrade, daß sie sich nie wieder zu ihrer frühern Größe erhob.Ihre beiden Thürme, die ebenfalls sehr in Verfall gerathenwaren, wurden erst im I. 1836 wieder hergestellt. Unter denGemälden, welche diese jetzt ganz einfache und schlichte Kircheauszuweisen hat, verdienen besonders eine Maria in Wolkenund eine Enthauptung der heil. Barbara, beide von Skrcta,angeführt zu werden. Das Grandprioratsgebäude wurde erst1731 aufgeführt. Vor dem sechszehnten Jahrhunderte hattendie Grandpriore *) in Strakonitz residirt. Das pragcr Grand-priorat dieses Ordens, dessen Kapitel seit 1826 seinen Sitz inFerrara hat, ist das einzige in der österreichischen Monarchie.Der gegenwärtige Großprior deshochritterlichen und souve-ränen Johanniterordens" in den k. k. Staaten ist Herr KarlGraf von Morzin.

*) Früher führten sie den Titel Generalprior.

In der Nähe der Maltheserkirche liegen mehre ansehnlichePaläste, von welchen wir hier den Gräfl. Nostitzischenwegen seiner ansehnlichen Bibliothek und Gemäldegalerie an-führen. Die Bibliothek besitzt unter andern auch eine Hand-schrift von Kopernikus, die Galerie ist vorzüglich an Werkenniederländischer Meister reich. Das Nostitzische Palais liegtbereits außerhalb der Gränzen des Prospektes, bei dessen Be-schreibung wir so lange verweilten und zu dem wir bei Gele-genheit des Hradschins nochmal zurückkehren werden, und wirmüssen nun ohne die versinnlichcnde Beihülfe eines Bildes un-sere Schilderung der Kleinscite vollenden. Der Nikolauskirchegegenüber läuft vom kleinseitner Ringe die Karmelitergasseaus, die ihren Namen von den Karmelitern führt, welche biszum I. 1783 hier ein Kloster und die jetzige Pfarrkirche Viariacio Victoria (Maria zum Siege) im Besitze gehabt hatten.Diese Kirche wurde im I. 1611 von Protestanten augsburgi-scher Confession erbaut, aber schon wenige Jahre darauf, nachder Schlacht am weißen Berge, auf Befehl Ferdinands II.,den unbeschuhten Karmelitern übergeben. Sie zeichnet sich durchihren korrekten Styl aus und besitzt Gemälde von Brandet undZimbrccht. Dicht neben ihr liegt die kleinseitner Kleinkinder-bewahranstalt. (Den hohen Thurm dieser Kirche können wirdem Leser auf dem Bildedie Kleinseite mit den drei Inselnin Prag" zeigen: er ragt in bedeutender Entfernung linksvon der St. Nikolauskirche hoch über seine Umgebung empor.)Die Karmelitergasse besitzt noch manchen andern stattlichenBau, z. B. das erst kürzlich aufgeführte Gymnasial- undNormalschulgebäude, das fürstl. Rohan'sche Palais, das k. k.Oberpostamtsgebäude u. s. w. Letzteres ist auch durchseine Geschichte interessant. Die Königin Elisabeth, GemahlinJohanns von Luxemburg besaß hier ein großes schönes Haus,das sie in ein Frauenkloster für die Dominikanerinnen zu St.Anna verwandelte. Diese wurden aber 1313 zu St. Laurenzauf die Altstadt (das St. Annakloster) versetzt, und ihr Klosterauf der Kleinseite Nonnen aus Olmütz eingeräumt. Aber auchdiesen ward es bald abgenommen, und 1330 dem königsaalcrAbte Peter geschenkt, aus dessen Händen es in den Besitz eini-ger Bürger überging. Nicht lange, so war es ein Aufent-haltsort feiler Mädchen, und blieb es volle dreißig Jahre, bisein frommer Priester durch seine eifrigen begeisterten Vorstel-lungen die Bewohnerinnen dieses Hauses bewog, ihrem bis-herigen Lebenswandel zu entsagen und den Rest ihres Lebensunter der Regel der Magdalcniterinnen in Buße zu verbringen.Nun ließ Karl IV. das Gebäude niederreißen, und ein Klosterder Magdalena-Schwestern hier errichten. Im Hussitenkriegezerstört, ward es wieder Eigenthum von Privaten, aus derenHänden es 1552.au die Jesuiten überging, die ein Collegiumhier errichteten. Weil es aber zu abgelegen war, traten sie esden Dominikanermönchen ab. So hatten nach einander fünfOrden dasselbe in Besitz gehabt. Die hübsche geräumige Kirchewurde 1700 eingeweiht, 1784 aber gesperrt, anfangs alsZuckeriiiederlage, später als Theater benützt. Seit 1701, inwelchem Jahre das Klostergebäude zu seinem gegenwärtigenZwecke bestimmt wurde, dient sie als Wagcnrcmise.

Die Karmelitergasse setzt sich gegen das Thor zu in der