Gemächer sind königlich eingerichtet. Der äußerste Saal istweit, hoch und kunstreich gemalt. Von dannen geht man indie Vorkammer, wie^sie es zu nenne» Pflegen, welche ganzvergoldet, und folgend in Wallensteius Gemach, davon nichtgenugsam kann geredet werden. Vor diesem Gemach, unge-rechnet die vielen Pagen, die alle in eine Liberei bekleidet,warten auf fünfzig wohl bewapnete Soldaten oder Trabantenfürstlich angethan; im innern Theil waren vier vornehmeMänner, welche fragten, von wannen die Eingehenden wärenund was sie begehrten. Noch zehn andere Trabanten mußtenhin und wieder auf den Gassen und Straßen umgehen, zuverhüten, daß kein Getümmel oder Zänkerei entstünde: dennes ist unglaublich, wie ungern dieser Mensch einen Tumult umsich gelitte», ja er konnte nicht hören, daß etwa ein Spatz zulaut geschrien. Zu seinem Dienst waren täglich um ihn sechsFreiherren, sechs rittermäßige adelige Personen, und sechzigedle Knaben, welche häufig von den Eltern dahin geschicktwurden, um das Hofleben und Zucht zu lernen. Ich geschweigeallhie des vielfältigen ansehnlichen Frauenzimmers, welches derFürstin aufwartete. Wenn er etwa aufziehen sollte, sah manfünfzig Kutschen, jede von sechs Pferden, alle dem Wallcnsteinzugehörig, ohne die, so etwa von Fremden dazu kamen. FünfzigWägen führten das Küchengeschirr, daran vier Pferde gespannet,welche jeden Wagen geführet. Die Höflinge fuhren auf zehenunterschiedlichen Kutschen, welche mit Glasfcnstcrn bekleidet,deren jede sechs Pferde zogen; auf anderen fünfzig schönenPferden ritten Diener, deren ein jeder ein tapferes Pferd mitköstlichen Decken belegt an die Hand führte, dem Fürsten zuDiensten. Seine Pferde stunden alle in einem Stall, welcherwunderlich war zugerichtet, die Krippen waren von Marmel-stein , und bei jeder Krippen entsprung ein Brunnen klaresBrunnenwassers, die Pferde zu tränken. — Nicht fern vomPalast sahe man einen luftigen Garten voller Bildsäulen undWasserröhren, zu Ende dessen war ein Vogelhaus mit allerleiArt Vögeln besetzt, darinnen Bäume und Hecken gepflanzetwaren, darauf die Vögel nisteten, das Haus aber war mitsubtilen, eisernen Drähten umfasset, daß kein Vogel entfliehenkonnte. Mitten im Garten war ein Fischteich, reich erfülletmit allerlei Gattung Fisch," — u. s. w.
Einige Gemächer dieses Palastes werden noch jetzt ganzin demselben Stande erhalten, in welchem sie bei Lebzeiten desHerzogs waren. Namentlich sind dies der große Saal, dassogenannte astrologische Cabinct, die Hauskapelle, die Bade-grotte u. s. w. Im Saale zieht besonders ein Freskogemäldean der Wölbung die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich,welches den Herzog vorstellt, auf einem von vier Sonnenrossengezogenen Triumphwagen sitzend, einem Kriegsgotte ähnlich.Ueber seinem Haupte glänzt ein Stern, wahrscheinlich jener,unter dessen Leitung er sein Geschick glaubte. — Ein Portraitdes Herzogs und seiner zweiten Gemahlin, einer Gräfin Har-rach, findet man in einem kleinen ebenerdigen Gemache, dessenWände mit bereits sehr verschossener chinesischer Malerei be-deckt sind. In der Mitte dieses Gemaches steht ein ausge-stopftes Leibroß des Herzogs, dasselbe, welches er in derSchlacht bei Lützen geritten haben soll. An dies Gemach stößt
eine große 8a!u terrina, deren Wölbung mit al kresoo gemal-ten Helden und Scenen auS dem Trojanerkriege und mit Ab-bildungen von Waffen, Schildern zc. geziert ist. An die Ana-chronismen im Costüme der Helden darf man sich nicht stoßen.Auch diese Halle bildet den Gegenstand eines eigenen Stahl-stiches.
Rechts stößt an diese Halle eine von künstlichem Tropf-stein gearbeitete stets kühle Grotte, welche die Badegrotte desHerzogs gewesen sein soll. Oberhalb dieser Grotte, durch einegeheime Wendeltreppe mit derselben verbunden, befindet sich dassogenannte astrologische Cabinet, ein kleiner runder Salon,der mit Scenen aus der griechischen und römischen Mythologieund mit astrologischen Sinnbildern geschmückt ist.
Der Garten, in den sich die 8»Ia terrina öffnet, ist nochjetzt einer der schönsten und größten Prags. Lange schattigeGänge, prangende Blumenbeete, Gartenhäuser, Statuen, künst-liche Grotten, Springbrunnen, das große Vogelhaus, der schöneTeich, in dessen Mitte ein hübsches Jnselchen mit einem Pa-villon, — dies Alles macht diesen Garten zu einem Lieblings-spaziergange des Publikums, welchem er im Frühjahr undSommer jeden Sonn- und Donnerstag geöffnet ist. Besuchtein Fremder an einem dieser Tage den Garten, so wird ereinen seltsamen Contrast finden zwischen dem fröhlichen Auf-und Niederwogen der bunten sich hier ergehenden Menge, undden grandiosen haushohen Mauern, welche den Garten vonder ganzen übrigen Welt abzusondern bestimmt scheinen. Un-willkührlich denkt man sich zurück in jene Zeit, wo der Her-zog, — wenn seinem gewaltigen Geiste die Räume seiner Ge-mächer zu enge wurden — hierher eilte und durch die dichtenLaubkronen ober seinem Haupte hinauf zum nächtlichen Himmelblickte, um die Sterne über die Zukunft zu befragen. — Dievielen versteckten Wendeltreppen, auf welche man im Palastestößt, halten den Gedanken an das geheimnißvolle Treibendieses noch immer unbegriffenen Geistes aufrecht.
Werfen wir noch einen Blick auf das Bild, welches dieVorderfronte des Waldstcin'schen Palastes darstellt. So ko-lossal dieselbe auch ist«, indem sie die ganze Länge des nachdem Palaste benannten Platzes einnimmt, so würde man doch,wollte man von derselben einen Schluß auf die Größe desganzen Gebäudes ziehen, einen zu schwachen Begriff von denRaumverhältnissen desselben erhalten. Denn der Palast nimmtmit seinen weitläufigen Stallungen, Höfen, dem Garten undandern Nebengebäuden die ganze Länge noch zweier andernGassen ein, so daß die Angabe, daß der Palast auf der Stellevon zwanzig Bürgerhäusern steht, beinahe als zu gering er-scheint. Die erste und zweite Etage der linken Hälfte derHauptfronte nimmt der bereits erwähnte große Saal ein, derwegen seines guten akustischen Baues häufig zur Aufführungvon Oratorien u. dgl. verwendet wird. Von den drei Haupt-einfahrten wird gegenwärtig blos eine benützt.
Die Gasse, welche sich links vom Waldstcin'schen Palastezieht, heißt die Waldsteingasse und enthält nebst mehren andernGebäuden das fürstl. Verian Windischgrätz'sche und das fürstl.Fürst cnberg'schc pnlaio, von denen das letztere saufunserm Bilde durch den links vom Waldstcin'schen Palaste hcr-
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