Präsident steht. — Die Mitte des wälschen Platzes (dessen Na- Iwen von den italienischen swälschen) Kaufleuten, die unter K.Rudolf II. sich hier nieder gelassen hatten, rühren soll) zierteine nach Alliprandi's Zeichnung von Quintainer und Prokoffgearbeitete Dreifaltigkeitsstatue. Sie wurde 1713 zum Ge-dächtnisse an eine epidemische Krankheit errichtet, und späterwährend einer HungerSnoth renovirt.
Vom wälschen Platze aus führt die Spornergasse und dieneue Schloßstiege, letztere blos für Fußgänger geeignet, beideaber sehr steil, zum Hradschin hinauf. Als merkwürdigere Ge-bäude der ersteren Gasse nennen wir: das gräflich Morzin'sche,das gräflich Thunische Palais und die ehemalige Theatiner-vder Kajetanerkirche zu Unserer lieben Frau von der Vor-sicht. Diese Kirche, die unter mehren andern Gemälden einenSt. Andreas und Philipp Nerius von Altomonte und ein Hoch-altarblatt von Reiner besitzt, ist seit Aufhebung der Kajetanerder St. Nikolauskirche als Filiale zugetheilt. In dem daran-stoßenden Kajetanerhause (dem ehemaligen Kloster, das gegen-wärtig ein Bürgerhaus ist) gab eine Zeitlang eine Dilettantcn-gesellschaft böhmische Theatervorstellungen. — Der gräflich Thu-nische Palast gehörte ehemals den Grafen von Slawata,deren Wappen man auch, so wie das der Freiherrn von Neu-haus und der Herrn von Rosenberg, noch heute zierlich inStein gehauen an der hintern (der Schloßstiege zugewandten)Fronte dieses Gebäudes erblickt. Das Vordergebäude bauteder bekannte Architekt Luragho. — Der Morzin'sche Pa-last zeichnet sich durch ein von Karryatiden (zwei Mohren)getragenes Portal aus. In ihm befand sich im Jahr 1782 —nachdem das Toleranzpatcnt erschienen war — anfänglich dasprotestantische Bethaus.
Wir nehmen nun von unsern Ansichten jene zur Hand,welche die Unterschrift führt: Oie Ulrinscite mit dcmHradschin. Bei der Erklärung dieses Bildes beschränkenwir uns vorläufig ans die zur Kleinseite gehörenden Gebäude.Der Thurm mit der Kuppel der Nikolauskirche, sowie die bei-den Brückenthürme erkennt der Beschauer bereits. Diese kön-nen uns daher als Orientirungspunkte dienen. Das langehohe Dach zwischen der Nikolauskirche und den Brückenthür- >men deutet uns das schon erwähnte Landhaus an, rechts vonden Brückenthürmen erblicken wir den hohen spitzen Thurm derAugustinerkirche zu St. Thomas. Diese Kirche wurde bereitsvon Premysl Otakar I. gegründet, doch später theils öftersum-, theils auch ganz von Neuem aufgebaut. Ihr Chor sollauf der ehemaligen kleinseitner Stadtmauer ruhen. Obwohlvon Außen nicht besonders ansehnlich, birgt die Kirche doch inihrem Innern manchen kostbaren Schatz, z. B. die beiden Hoch-altarblätter von Rubens (den heiligen Augustin mit dem Kin-de, welches das Meer mit dem Löffel ausschöpft und die Mar-ter des heiligen Thomas), ein Scitenaltarblatt (St. Thomas)im Styl des Caracci gehalten, von Skreta, eine Copie desheiligen Georg von Correggio (Original in Dresden). DerPlatfond ist von Neiner gemalt. In dem Kreuzgange desKlosters befindet sich das Grab der 1612 in Prag verstorbenenenglischen Dichterin Elisabeth Weston, mit einem langen latei-nischen Epitaphium. Das Kloster besitzt eine sehr ansehnliche
Bibliothek (von etwa 1000V Bänden), die aber zur Zeit derschwedischen Invasion (1618) nahe daran gewesen war, fürPrag verloren zu gehen. Schon waren die Bücher herausge-nommen, doch sechs silberne Löffel und ein stark vergoldeterBecher, welche die Klostergeistlichen dem von Königsmark mitder Wegschaffung der Bücher beauftragten Feldprediger Magi-ster Klee zum Geschenke machten, retteten den Bücherschatz.
Der kuppelartige Thurm links neben der Thomaökirchegehö rt der Kirche des englischen Fräuleinstifts an. Das eng-lische Fräulein st ist hat seinen Namen daher, daß es voneiner Engländerin, Mary de Ward, gestiftet wurde. Aus ei-nem Privathause, in welchem sich das Stift seit dem Jahreseiner Gründung (1717) befunden hatte, war es im Jahre1783 in das gegenwärtige Gebäude übertragen, welches nebstder dabei befindlichen Kirche zu St. Joseph (die zwei Altar-blättcr von Brande! besitzt) früher den Nonnen des Karmeli-terordens gehört hatte. Das Institut nimmt adelige und bür-gerliche Mädchen in Pension und ertheilt nebstdem auch nochin einer öffentlichen (sogenannten äußern) Schule der weibli-chen Jugend Unterricht. Die englischen Fräulein können miterzbischöflicher Dispens aus dem Stifte wieder heraustreten.
Links hinter dcm Thurm des genannten Stiftes (geradeunter dem Thurm der Metropolitankirche) blickt uns das gro-ße, schöne Palais des Grafen Joseph Mathias Thun (denwir bereits bei der Kettenbrücke als obersten Leiter des Bauesnannten) entgegen. Der Palast enthält eine werthvolle Ge-mäldegalerie und bietet aus seinen oberen Stockwerken eine derherrlichsten Aussichten auf Prag.
Ueber einige minder bedeutende Gebäude schweift nun un-ser Auge von der Thomaskirche nach rechts und erblickt hintereiner Reihe von Pappeln ein langes dunkelschattirtes Dach: esist das Dach des Palastes der Grafen von Wasldstein. Ihmist gebühren er Weise ein eigener Stahlstich gewidmet und beiihm wollen wir auch etwas länger verweilen. Dieser Palasterinnert schon durch seinen Namen an einen Mann, der alseine der großartigsten Gestalten in der Geschichte Böhmensglänzt und dessen geheimnißvolles Wirken seinen Charakter zueinem Zankapfel der Gelehrten zweier Jahrhunderte machte.Albrecht Graf Waldstein, Herzog von Friedland, Sagan undMeklenburg ist der Erbauer dieses Hauses, das noch jetzt sei-nem Geschlechte angehört. — Es war im Jahre 1620, nachder Schlacht am weißen Berge, als der Obrist Albrecht vonWaldstein zum Stadtobristen von Prag ernannt ward. Reichgeworden durch die Mitgift, welche ihm scine erste Gemahlinmitgebracht hatte, kaufte er mehr als zwanzig Bürgerhäuser,und die der Gemeinde gehörigen Ziegel- und Kalkhütten undbegann einen Palast zu bauen, der an Großartigkeit die übri-gen Herrschaftshäuser Prags weit überragte, und noch langenach seinem Tode allgemein das Friedländerhaus genannt ward.Als Waldstcin fiel, war der Palast erst kürzlich gänzlich ausge-baut worden. Walter Deverour's Feldkaplan, Thomas Carve,besuchte bald nach des Herzogs Tode diesen Palast und hinter-ließ eine Schilderung desselben, die wir hier wörtlich, nur mitneuerer Orthographie, mittheilen wollen. „Sechs große Pfor-ten hat dies Gebäude, durch die man aus- und eingeht, die