di Firenza war es, welcher den bekannten römischen Volks-tribun, Cola di Rienzi, diesen eben so gelehrten und enthu-siastischen, als eitlen und überspannten „letzten Römer", wel-chen Bulwer als Helden eines Romans und Julius Mosenals Helden eines Dramas dargestellt haben, dem Kaiser Karl IV.aufführte. Die Schicksale dieses interessanten Charakters ge-hören nicht hieher und sind aus der Geschichte und aus denerwähnten Dichterwerken hinlänglich bekannt. — In der Nähedieses ehemaligen „englischen Gartens" steht (in der BrcdauerGasse) das Waisenhaus zu St. Johann dem Täufer, eintreffliches Institut, das von der Kaiserin Maria Theresiaund mehren Privatpersonen ansehnlich dotirt wurde. — Hinterder Heinrichskirche erhebt sich das 1846 erbaute großartigeHaus des Theaterdirektors Stöger, mit einem prächtigenSaale, der mit seinen Logen u. s. w. an 5666 Menschenfaßt und zu musikalischen und Kunstproduktionen verwendetwird. Auch wurden in dem Saale bereits mehre kleineTheatervorstellungen gegeben, und im letzten Carneval dieNedouten abgehalten. Schade, daß dieses magnifique Gebäude,das den schönsten Platz zieren würde, in einer so abgelegenenGegend steht.
Nur einen kleinen Theil der Neustadt haben wir noch zuschildern: die Gegend zwischen dem Frantischek, dem Josephs-platz und dem Neu- und Porzitscherthore. In dieser Gegendsei das (nahe beim Neuthore liegende) k. k. Militärbackhauserwähnt wegen seiner Inschrift: „(,'srt äe vsinere S8t peräu«ans I'srt äö subsister." Die Franzosen, welche bei ihrer An-wesenheit in Prag (1741) dieses Haus erbaut oder wenigstensihm diese Inschrift gegeben hatten, gaben auch bald daraufdurch ihre Flucht praktisch den Beleg für die Wahrheit ihressinnvollen Spruches.
In dem an die Moldau gränzenden Theile der unternNeustadt findet man wieder die Kennzeichen des frühern Ur-sprungs: eine planlose Anlage der krummen labprinthischcnGäßchen. Dieser ganze Theil mochte in früheren Jahrhunder-ten unter dem Namen Porzitsch begriffen gewesen sein, denman heutzutage fast nur auf eine einzige Gasse, die Schillings-gasse beschränkt. Die Kirchen dieser Stadtgegend sind:
Die Pfarrkirche zu St. Peter und Paul, ursprünglichdurch die, von König Wenzel I. hier gestifteten Kreuzhcrrn mitdem rothen Sterne erbaut. Sie hat ein schönes Hochaltarblatt,die beiden heiligen Patrone dieser Kirche darstellend, von Nei-ner; ferner mehre Bilder von Heintsch, Skreta, Molitor. EinFiliale dieser Kirche war die nun aufgehobene kleine St. Cle-mcnskirche in der Clemensgasse.
Die Kapuzinerkirche zu St. Joseph auf dem Josephsplatzebesitzt einen heiligen Anton von Padua und einen heiligen Felirvon Skreta. In der Tischlergasse hat die protestantische Ge-meinde evangelischer Confession ein Bethaus.
Wir gelangen nun zur Schilderung der am linken Mol-dauufer liegenden Stadttheile: der Kleinseite und des Hrad-schins.
4. Die Kleinseite.
In diesem Stadttheile — nach der wahrscheinlichsten Mei-nung in der nach dem Bruskabache benannten Stadtgegend,
nach Andern ungefähr an der Stelle, wo heute das Gasthauszur alten Post steht, — soll das erste Haus Prags erbaut wor-den sein, und wenn daher auch die Altstadt als der Kern, soist doch die Kleinseite als der Keim der Hauptstadt Böhmenszu betrachten. Ihre Gränzen waren noch beim Ableben Kö-nig Johanns sehr eng, und umfaßten blos das Centrum derheutigen Kleinseite, da von ihren vier Thoren eines in der Ge-gend des Gasthauses zum Bade, ein zweites im Anfange derKarmclitergasse, das dritte in der Spornergasse und das vierteam Bruskabache stand. Das St. Thomaskloster lag knapp ander Stadtmauer, die Maltheserkirche bereits ausserhalb dersel-ben und der Augezd war eine Vorstadt der Kleinseite, die zujener Zeit noch die Neustadt hieß, und zwar, weil sie—obwohlälter als die Altstadt — doch später als diese eine Munizipal-verfassung erhalten hatte. Karl IV. erweiterte sie ungefährzu ihrem heutigen Umfange, und auch ihren jetzigen Namenführt sie seit dem konstant. Ihre Glanzperiode waren die Zei-ten, wo die Könige Böhmens auf dem Hradschin residirten,und — namentlich Karl IV. und Rudolf II. sich mit einem glän-zenden Hofstaate umgaben. Der reiche prachtliebende Adelbaute damals hier seine Paläste und der Künstler und Ge-werbsmann, der bei dem lurusliebenden Hof eben so reichlicheals lohnende Beschäftigung fand, schlug hier seine Wohnungund seine Werkstätte auf. Ein eigentliches städtisches Lebenscheint auf der Kleinseite nie besonders geblüht zu haben, dieshatte auf der Alt- und Neustadt seinen Hauptsitz, seinen Cen-tralpunkt. Als daher der Hof von Prag wegzog, vermindertesich der Reichthum und das rege Leben, das auf der Kleinseitegeherrscht batte. Die dreimonatliche Okkupation durch dieSchweden (1648) trug auch ihren Theil zu der Verarmungder Kleiuseite bei, und nur die zahlreichen Paläste, in welchenderen zu den mächtigsten Adclsgeschlechtern gehörende Besitzereinen Theil des Jahres zubringen, und der Umstand, daß diehöchsten Landesbehörden ihren Sitz auf der Kleinseite aufschlu-gen, retteten ihr noch einen Rest ihrer vorigen Lebhaftigkeit.Wie die übrigen prager Städte, verlor auch die Kleinseite imJahr 1784 ihren besondern Magistrat und wurde in judiciellerHinsicht unter dem gemeinschaftlichen Magistrate aller pragerStädte, in polizeilicher unter die k. k. Stadthauptmannschaftgestellt.
Die Lage dieses Stadtthciles haben wir bereits im Ein-gange unserer Beschreibung von Prag bezeichnet, nur das tra-gen wir nach, daß blos ein mehr oder minder breiter Strichlängs des MoldauuferS in der Ebene liegt, ein großer Theilder Kleinseite aber, bisweilen mit sehr bedeutender Steigung,sich die verschiedenen Bergabhänge hinanzieht. Ein kleiner Theilder Kleinscite mit etwa zwanzig Häusern steht auf der InselKampa. Die Are« der Kleinseite beträgt beinahe 295666Quadratklafter, wobei aber auch der nordöstliche Abhang desLaurenzberges mit seinen Gärten, Weinpflanzungen und Wäld-chen mitgerechnet ist. Die'Zahl der Häuser ist 527, die derBewohner (nach der Zählung von 1846) 18373. Die (12)Plätze der Kleinseite sind fast durchaus klein und unregelmäßig,die (62) Gassen voller Krümmungen, Winkel und Engen.
Bei der Beschreibung der einzelnen Gebäude der. Kleinscite