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3 (1842)
Entstehung
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Die alte schreitet sieghaft, es hallt der weite Schritt,In Felsengrund und Wogen die breite Sohle tritt,

Sie neigt den schwere» Nacken und trägt des Tagwerks Last,Und geht geraden Ganges dem Ziel zu ohne Rast;

Die neue steht am Ufer, bereit zu leichtem Schwung,

Und mißt den Strom zur Insel, und thut den Elfensprung.

Dort weilt sie unter Bäumen und schwingt nach kurzer Ruh'Sich hold wie Laubgewinde dem andern Strande zu.

Wenn laues Frühlingswehen die Eisesdecke sprengt,

Im tollen Fluthenschwalle sich Scholl auf Scholle drängt,

Wenn Stoß auf Stoß die Blöcke den wüsten Sturm erncu'n,Am Knie der Königsbrücke, da brechen sie sich klein.

An Riesenschultern lehnet die neue sich in Ruh'

Und sieht dem Wogenwühlen anmuthig friedlich zu,

Wie auch der Gegner stürme, sie schwebet leicht und klug,Wie Schwalben über Wellen in bogcngleichem Flug.

Markiger, poetischer konnte diese Paralelle nicht ausge-führt werden. Doch wenden wir uns von der Poesie wiederzur Prosa unserer topographischen Schilderung. Kehren wirauf demselben Wege, den wir gekommen, zum Roßmarkt zu-rück. Zuerst die Ursulinergasse: ein Theil der neuen Allee.Hat ihren Namen von dem Kloster und der Kirche der Ursuli-nerinen, deren Hauptfronte und Portale in diese Gasse geht.Das Kloster wurde im I. 1676 beendet, die Kirche 17(1217(14 gebaut. Die vorzüglichsten Gemälde der letztem sind:eine heilige Ursula (Hauptaltarblatt) und eine heilige Annavon Lischka, eine Geburt Christi von Bies und eine Himmel-fahrt Maria von Brandet, der aber vor Vollendung diesesWerkes starb, so daß dies Gemälde von einem andern unsunbekannten Maler beendet wurde. Die Jungfrauen diesesKlosters beschäftigen sich mit der Erziehung und dem Unterrichtder weiblichen Jugend. Die neue Allee ist eine der schönstenGassen, zu beiden Seiten schmücken sie Paläste (z. B. dasSchlick'sche, Salm'sche :c.) und palastartige Gebäude (z.B. dasschon bei der Altstadt gedachte Platteyß); die Mitte des einenTheiles ist mit einer Kastanienallee bepflanzt, und zwar anderselben Stelle, wo früher der Moldaugraben floß. AmEnde der neuen Allee, wo diese durch die Obstgasse in denRoßmarkt mündet, steht der kleine Maria-Schnee-Platz; derehemalige Vieus b'abrorum, wohin Karl IV. die in Feuer ar-beitenden Handwerker gewiesen hatte. Der jetzige Name diesesPlatzes rührt von der Kirche zu Maria-Schnee, welche sichhier mit einem Franziskanerkloster erhebt. Karl IV. legte denGrundstein zu dieser Kirche am 3. September 1317 aus An-laß seiner und der Königin Bianca Krönung und stiftete dabeiein Karmcliterkloster. So freudig die Ursache der Entstehung,so traurig waren die Schicksale dieser Kirche. Sie wurdeeinigemale rein ausgeplündert, verwüstet, und die Karmeliter welche, weil sie vorzüglich der Lehre Meisters Huß sichwidersetzt hatten, dem Volke sehr verhaßt wurden ermordetund vertrieben, so daß Kloster und Kirche nicht selten längereJahre leer standen. So standen skd auch von 1547 1603ganz wüst und verlassen, worauf sie Kaiser Rudolph II. demFranziskanerorden schenkte. Schrecklich erging es dieser Kircheim I. 1611 beim Einfalle des Passauer Kriegsvolkes in Prag,sie wurde verwüstet, und durch die Ermordung von 14 Mön-

chen entheiligt, worauf sie erst im I. 1625 wieder eingeweihtwurde. Diese Kirche ist die höchste in Prag; ihre Wölbungerreicht Thurmhöhe, doch ist sie bei weitem nicht mehr so lang,als der von Karl IV. aufgeführte Bau war.

Der Graben, ein fast 24V Klafter langer, sehr regel-mäßiger Platz, auf dem sich von Tag zu Tag neue prächtigeGebäude erheben. Die neustädter Seite bilden mehre Paläste(darunter das gräflich Nostiz'sche, ehemals fürstlich Piccolomi-ni'sche Palais), die zwei vornehmsten Gasthäuser Prags (3 Lin-den und das schwarze Roß) und das (1757 1766 erbaute)Piaristenkloster mit einer einfachen aber schönen Kirche desheiligen Calasanz. Wie überall beschäftigen sich die ?strespisrum selmlsrum mit Unterricht; sie besitzen hier ein k. k. Con-vikt, ein zahlreich besuchtes Gpmnasium und eine Hauptschulc.Dem Ausgange des Grabens und zugleich dem bei der Altstadterwähnten Pnlverthnrm gegenüber erhebt sich das großartigePortale des k. k. Hauptzollamtsgebäudes, eines ansehnlichenschönen Gebäudes, welches bis 1786 ein Kloster der irischenFranziskaner (Hiberner) war, und später eine Zeitlang alsTheater verwendet wurde. Gegenwärtig haben hier nebst demHauptzollamte und der k. k. Kameralgefällen - Verwaltung zu-gleich das k. k. Bücherrcvisionsamt und die k. k. Post undEilwagenerpedition ihre Lokalitäten, und die stattliche Kirche,die recht schätzenswerthe Gemälde von Skrcta, Zimbrecht, Balkou. A. besaß, dient als Waarenniederlage.

Paralell mit dem Graben läuft vom Roßmarkte (unge-fähr aus der Mitte dieses Platzes) die Heinrichsgasse aus, sobenannt nach der St. Heinrichskirche, welche um's Jahr 1343erbaut und von Karl IV. 1355 zur Pfarrkirche erhoben wurde.Gegenwärtig ist sie eine der vier Hauptpfarrkirchen von Prag(Thepnkirche, St. Stephans, St. Heinrich und die Kirche zuSt. Nikolaus auf der Klcinseitc), deren Pfarrer die Verpflich-tung haben, am Tage des Einzuges des böhmischen Königszu seiner Krönung den Baldachin, unter welchem sich derselbein die Domkirche begibt, und am Krönungstage selbst die Re-liquien zu tragen. Das Innere des schönen Gotteshauseszieren mehre vorzügliche Gemälde z. B. eine Familie Christivon Trevisani, das Hochaltarblatt (der heilige Heinrich mitseiner Gemalin der heiligen Kunigunde) und eine HeimsuchungMariä von Heintsch, eine heilige Barbara von Zimbrecht. Inden Mauern der Kirche und des ehemaligen Fricdhofes der-selben sieht man noch eine Menge alter Grabsteine eingemauert.Etwas abseits und isolirt steht der aus Quadern erbaute statt-liche Glockcnthurm, leider durch den Verlust seines Dachesentstellt. Die Inschrift:Ln ezo csmpsns, nunqusm pronun-tio vsns, iKnem vel Ivstum, bellum vol kunus Iivnestuin,"hat die über drei Jahrhunderte alte Glocke (von 1518) mitvielen anderen Kirchenglocken Prags gemein. In der Heinrichs-gasse stand auch an der Stelle, wo jetzt das Gebäude der k. k.Tabak- und Stempel-Gefällen-Direktion (vor dem I. 1784ein vom Grafen Franz Spork gestiftetes Cölestinerinen-Kloster)steht, zu Karls IV. Zeiten der erste botanische Garten inDeutschland, in Besitzthum des Hofapothekers -Vngelu cki Ij-ren?s, nach dem der Garten und diese Gegend den NamemIwrtus snKolieus, der englische Garten, behielt. Dieser Angelo