zieht sich vom Einflüsse des Botitzbaches bis in die Nähe der ^Sophieuinsel der Podskal, ein Stadttheil, der theils von reichenHolzhändlern, theils von armen Holzspaltern, Flössern, Schif-fern u. f. w. bewohnt wird. Ungeheure Holzmassen liegen inzahllosen, häuserhohen Stössen zu beiden Seiten der über 526Klafter langen Hauptstraße dieser Stadtgegend aufgeschichtet;fast alles Brennholz, welches aus den meist schwarzenbergischenUrwaldungcn im Böhmerwaldc (das Gut Stubcnbach alleinschwemmt kontraktmäßig 22666 Klafter Holz jährlich nachPrag), von der Herrschaft Gratzen u. f. w. auf der Malsch,Wotawa und Moldau nach Prag geschwemmt oder geflößt wird,liegt hier aufgespeichert. Von schönen Bauten bietet der Pod-skal selbst gar nichts, wohl aber befinden sich in seiner Nähe:das von Außen eben so moderne als im Innern elegant ein-gerichtete St. Wenzelsbad, das weitläufige Provinzialstrafhausmit der St. Wenzelskirche u. m. a. Der Theil der Neustadtam Ende des Podskals gegen die Altstadt hin ist ein Gewirrekleiner, winkeliger Gassen, deren einen Theil das schon frühererwähnte sogenannte Calabrien (erste, zweite und dritte Gär-bergasse) bildet. Hier steht die von Karl IV. erbaute Kirchezum heiligen Adalbert dem Größern, mit einem schönen Altar-blatt von Brandcl. — Nicht weit von dieser Kirche befindetsich das Bethaus der protestantischen Gemeinde augsburgischerConfession (eine ehemalige Kirche zu St. Michael). — Vonaufgehobenen Kirchen sieht man noch westlich vom Viehmarktdie Kirche des heiligen Karl Borromäus und die ZdaraserStiftskirche; die Stifts- und Klostergebäude beider werden alsKasernen verwendet, ebenso das ehemalige Kloster der Trini-tarier (nördlich vom Viehmarkt), deren Kirche (1712 erbaut,von Schlachter in Fresko gemalt und mit einer heiligen Drei-faltigkeit von Maulpertsch) als Pfarrkirche noch immer demGottesdienste gewidmet ist. Oestlich vom Viehmarkt erwähnenwir die Stephanskirche, ein uraltes Gotteshaus, das wahr-scheinlich schon im Anfange des dreizehnten Jahrhunderts eristirthatte, nach manigfachen Schicksalen aber um's Jahr 1612 unterKaiser Mathias umgebaut wurde, worauf noch ein vergoldetesIU am Kirchcngewölbe deutet. Die vorzüglichsten Gemälde die-ser an kostbaren Bildern reichen Kirche sind; von Zimbrechtdie Steinigung Stephans und von Skreta eine Taufe Christiund eine sterbende Sta. Nosalia.
Der zweitgrößte Platz der Neustadt ist, wie bereits er-wähnt, der Roßmarkt, welcher die Neustadt in zwei Poli-zeidistrikte, die obere (vom Roßmarkt zum Wyschehrad auf-wärts) und die untere Neustadt (vom Roßmarkt zum Poritschabwärts) scheidet. Obwohl von keinen so kolossalen Bautenbegränzt, wie der Viehmarkt, bietet der Roßmarkt doch demAuge einen weit gefälligeren Anblick, denn er ist ziemlich regel-mäßig, (seit 1827) gänzlich planirt und gepflastert und seinegroßcntheils neuen und ansehnlichen Häuser sind in geschmack-vollem Style erbaut. Darum ist er mit den angränzendenStadtwällen welche — wie wir schon im Eingange diesesWcrkchens erwähnten — von dem gegenwärtigen Herrn Oberst-burggrafen in schöne Anlagen umgewandelt worden, an schönenWintertagen einer der Licblingsspazicrgänge der elegantenWelt. Seine obere Hälfte schmücken zwei Standbilder, eine
Statue des heiligen Wenzel zu Pferde von Pendel und einedes heiligen Johann von Nepomuk von Platzer. An seinemsüdöstlichen Ende schließt ihn die moderne Fayade des im I.1832 umgebauten Roßthores ab. Von dem untern, nordwest-lichen, Ende des Noßmarktcs geht zu beiden Seiten — linksdie Obstgasse und neue Allee, rechts der Graben—der Gassen-zug aus, durch welchen sonst der die Alt- und Neustadt tren-nende Moldaugraben floß, und über den vom Rvßmarkt ausein Brückchcn in die Altstadt führte. Wenden wir unsere Auf-merksamkeit zuerst dem linken Theile jenes Gassenzuges zu,durch welchen man nun zu dem großartigsten Bauwerk, dassich in Prag in neuster Zeit erhob, zu der Kaiser-Franzens-brücke gelangt. Mit Recht sagten wir, als wir auf einemder ersten Blätter dieses Werkchens die Kettenbrücke schilder-ten, daß dieselbe rasch ihrer Vollendung entgegenschreite: dennehe wir noch den vorliegenden zweiten Druckbogen unter diePresse brachten, hat sich bereits dieser kühne Bau in herrlicherVollendung den zahlreichen älteren Prachtbauten unserer Haupt-stadt als ein ebenbürtiger Rival zur Seite gestellt. Siegreichüberstand diese Brücke die schweren Proben, welchen man am2. und 3. November ihre Tragkraft, ihre Tüchtigkeit unterzog,und so ward sie denn am 4. November von dem Prager Fürst-Erzbischofe eingeweiht und von ihren Erbauern — zum An-denken an Mailand Sr. Maj. Kaiser Franz — die Kaiser-Franzensbrücke genannt. Einen passendern Tag als den 4.November konnte man zu dieser Feier, an welcher ganz Prag,ja ganz Böhmen, den freudigsten Antheil nahm, nicht wählen,denn dieser Festtag war zugleich der Namenstag des allver-ehrten Obcrstburggrafen Karl Grafen von Chotek, dessen Kunst-sinn und Vaterlandsliebe dieses Werk in Anregung brachte unddessen Energie den Bau so rasch förderte. Sinnig nennt einDichter diese Brücke die Schleife des schönen Kranzes vonGärten, mit welchem Graf Chotek sein geliebtes Prag umgab:eben so sinnig ist die Paralelle, welche derselbe Dichter (Prof.Zimmermann) in einem an den Grafen Jos. Math. Thun, denhochverdienten Leiter dieses Baues, gerichteten Gedichte, zwischender alten steinernen und dieser neuen Brücke zieht.Die Königsbrückc drüben in ihrem ernsten Sinn,
Die schaut mit stillem Staunen die Nebenbuhlerin:
„Wer hat die Riesenthore dort über Nacht gestellt?
„Wer hat die Eisenketten von Thor zu Thor geschnellt?
„Ich kann mich noch erinnern aus grauer Tage Zeit,„Ich wuchs in langen Jahren, im cw'gen Wogenstreit,„Die kam heran im Fluge, glitt leise durch die Luft,„Wie wenn des Fährmanns Stimme zum andern Ufer ruft.
„Im Wassergrund zu wurzeln, das ist der Brücken Art,„Die aber nimmt durch Lüfte die stolze Wolkenfahrt,
„Vier schlanke Recke» tragen sie nach dem Ufcrland,
„Wie für die Moldaunire ein zierlich Gürtelband."
Die alt' und neue Brücke, auf blauer Kampfesbahn,
Sie sehn, zwei würd'ge Gegner, sich groß und offen an:Die eine steht gewaltig, die andre keck zum Streit,
Und beide künft'gen Zeiten ein Gleichniß ihrer Zeit.
Dort altgeprüfte Regel, und markig stämm'ge Kraft,
Hier sucht sich neue Wege der Witz der Wissenschaft,
Dort uralt treue Dauer, gedieg'ne Festigkeit,
Hier Heller Geist und Anmuth: wer schlichtet solchen Streit?