Altarblätter von Heintsch (s-1713) und ein ausgezeichnetesFreskogemälde, die Marter der heiligen Katharina darstellend(Reiners letzte Arbeit). Ihr hoher schmaler Thurm war vorden Hussitcnstürmcn noch weit höher. — Durch die lange Karls-hofer Gasse, welche meist nur von Gartenmauern begränztwird, gelangt man zum Karlshofe; dessen Erbauung wie schonder Name andeutet, Karl IV. ist. Zu der Kirche legte er denGrundstein mit eigner Hand (im I. 1377) und übergab dasGebäude dem Augustinerorden, den er aus Frankreich berief.Kloster und Kirche wurden theils in den Hussitenunruhen, theilszur Zeit des Passaucr Einfalls (1611), noch mehr aber durchdie schwedische Belagerung (1648) zerstört und verwüstet, sodaß beide im Jahr 1652 fast neu aufgebaut werden mußten.Auch bei der Belagerung durch die Preußen im Jahre 1757wurde die Kirche so oft von den feindlichen Kugeln getroffen,daß sie wohl fünfzig mal zu brennen begann. Doch gelang esjedesmal den Brand wieder zu löschen. Das Kloster wurde imJahre >796 zu einem Siechenhause (für unheilbare Kranke)umgewandelt. Die Kirche aber — eine der schcnswerthestenPrags — ist (nach einer kurzen Unterbrechung von 1785—1789)noch heute dem Gottesdienste gewidmet. Die Kuppel der Kir-che war ehemals gothisch, verlor aber durch die vielen Restau-rationen ihre steinernen Nippen, und erinnert mehr an denbyzantinischen Styl, doch ist sie noch immer ausgezeichnet durchihre kühne Spannung und ihre reiche Goldbrunnirung. Unterden Gemälden ist eine heilige Familie von Heintsch das schönste.Von demselben Maler ist die „schwangere Mutter Gottes"(auch das „eingefleischte Wort Gottes" genannt) deren Copienunter dem Namen „die heilige Maria vom Karlshof" bekanntsind. Heintsch hatte dieses Altarblatt für den Karlshof gemalt(1696) und es blieb demselben auch trotz eines Streites, dersich zwischen dem Abt und dem prager Erzbischof über die un-gewöhnliche Darstellung der Madonna erhob, bis das Bild imI. 1789 in die Kirche von St. Apollinar übertragen wurde.Letztere, eine ehemalige gleichfalls von Karl IV. gestiftete Col-legiatkirche der Augustiner, liegt nordwestlich vom Karlshof undsüdlich vom Krankenhaus; das anstoßende.Klostergebäude wurdeim I. 1789 in eine Gebär- und Findelanstalt verwandelt undzu diesem Behufe 1824 — 1825 bedeutend erweitert. Auchdiese, so wie alle vorgenannten Anstalten, ist von Gärten undFeldern umgeben. Unter der Apollinarkirche, am Fuße desWindberges, in der sogenannten Sluper Gasse, liegt das vonDinzcnhofer (1726) gebaute Elisabctinerinnen-Hospital fürweibliche Kranke und nicht weit von diesem das St. Bartholo-mäi-Armenhaus. — Eine andere Wohlthätigkeitsanstalt, das(1786 gegründete) Taubstummcninstitut, befindet sich auf demVichmarkt, in dem sogenannten Faust'schen Hause, nicht fernvom Krankenhause, und in einer Fronte mit demselben. AusGründen, welche nicht im mindesten Stich halten, wollten Ei-nige in diesem (man weiß nicht warum so genannten) Faust'-schen Hause ein ehemaliges Wohnhaus Faust's sehen, den siemit Gilttenberg für eine und dieselbe Person hielten, und zwarfür einen aus Kütenbcrg gebürtigen Böhmen. Dieser soll nachihrer Behauptung, eigentlich Stkastay (i. o. Glücklich) geheißen,aber nach damaliger Mode seinen Namen in b'-mstus latinisirt
haben, zur Zeit der Hussitenunruhen nach Deutschland ausge-wandert und dort nach seinem Geburtsorte Guttcnberg genanntworden sein. Aber, wie gesagt, es wurden bisher außer eini-gen Möglichkeitsgründen kein einziger triftiger Wahrscheinlich-keitsgrund für diese Meinung beigebracht.
Das Benediktinerstift Emaus mit der Kirche des heiligenHieronymus und zur Himmelfahrt Maria. Kaiser Karl IV.gründete (1347) dies Stift für slawische Benediktiner, die sichaus den südslawischen Ländern geflüchtet hatten, und legte ihnenzur Pflicht auf, den Gottesdienst in slawischer Sprache zu hal-ten. Deshalb und nach dem Vaterlande der Priester desselben,hieß das Kloster auch lange Zeit das Slowancr Kloster (imslovaneok). (Den Namen Emaus aber führt das Kloster da-her, weil es am zweiten Ostertage (an welchem in katholischenKirchen das Evangelium von den nach Emaus pilgerndenJüngern gelesen wird) eingeweiht wurde. Am Gcdächtnißtageder Einweihung wird noch jetzt alljährlich das Emauser Festin diesem Stifte gefeiert.) Nachdem das Stift durch die Hus-sitischen Unruhen und die Wirren der nachfolgenden Jahrhun-derte (besonders 1611), welche wir in der Geschichte Pragsausführlicher erzählen werden, fast gänzlich hcrabgekommenwar, wurde es im I. >635 von Neuem reich dotirt, und denspanischen Benediktinern von Montserrat eingeräumt. Die sla-wischen Benediktiner erhielten dafür die bei der Altstadt er-wähnte Kirche zum heiligen Niklas. Der Kreuzgang des Klo-sters, so wie ein geringer Theil der Gemälde desselben hatsich noch aus den Zeiten Karls IV. unverändert erhalten. DieKirche, welche in der heutigen Gestalt im Anfang des vorigenJahrhunderts erbaut wurde, ist mit Staffeleigemälden ausge-schmückt, die aber von keinem besonderen Werthe sind. Viel-genannt wurde in neuerer Zeit das Kloster in der gelehrtenWelt wegen einer wichtigen literärischen Entdeckung. Die ge-lehrten Forschungen des Polen Jastrzebsti, der sich gegenwär-tig in Paris aufhält, und unseres Slawisten Herrn Biblio-thekars Hanka haben nämlich ergeben, daß der sogenannteloxto äu sscre, auf welchen die Könige Frankreichs sonst beider Krönung in Rheims den Krönungseid ablegten, aus demKloster Emaus herrühre. Es ist nämlich ein theilweise vomheiligen Prokop selbst (zwischen 1616 und 1646) geschriebenescyrillisches Evangelium, welches Kaiser Karl IV. dem StifteEmaus geschenkt hatte. Wahrscheinlich in den unruhigen Hus-sitenzeiten kam das Manuskript dem Stifte Emaus abhanden,nnd gelangte, so viel scheint bis jetzt sicher gestellt, über Kon-stantinopel nach Rheims, wo es zu so hohen Ehren kam.Habönt 8US Ist» libri. Lange hatte man in Frankreich dasManuskript für armenisch gehalten, bis der russische Czar Pe-ter der Große bei einem Besuche in Rheims es sah, und fürslawisch erkannte. " Aber erst die oben genannten Gelehrtenerkannten seinen eigentlichen Ursprung.
Die dem Emausstifte gegenüberstehende (von I. Dinzcn-hofer 1736 erbaute) Kirche zu St. Johann auf dem Felsenkönnen wir nur dem Namen nach erwähnen, ebenso die etwastiefer liegende Muster-Kleinkinder-Bewahranstalt am Hradek.Vom Stifte Emaus senkt sich die Anhöhe südlich gegen dasThal des Botitzbachcö, westlich gegen die Moldau. An dieser