Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

in dieser neuen Stadt ansäßig machte, namhafte Rechte undFreiheiten. Auch zog er viele Gewerbsleute aus dem Auslandehierher und wies ihnen Häuser in der Neustadt an z. B. denLoh- und Weißgärbern aus Calabrien, nach denen noch heutedie Gegend, wo sie sich niedergelassen hatten (nicht weit vonder Adalbertskirche)Calabrien" genannt wird. Die Neu-stadt trägt auch in ihrer äußeren Physiognomie das Geprägedes neueren Ursprungs. Die Straßen sind breiter, gerader,regelmäßiger, denn Karl IV. hatte bei der Anlage der Stadteinen festen Plan entworfen, nach welchem jeder bauen mußte.Nur eben in den bereits früher angelegten Theilen herrscht dieUnregelmäßigkeit, die Vorliebe des Alterthums für Winkel undKrümmungen. Ein Hauptkriterion der Neustadt sind die vielenKirchen; ist sie ja von dem frommen Karl IV. gegründet. Nochim Jahr 1770 zählte dieser Stadttheil 41 Kirchen, neunzehndavon sind aufgehoben und zum Theil ganz niedergerissen, zumTheil als Magazine und dergl. und die dazu gehörigen Klösterzu Wohlthätigkeitsanstalten, Kasernen zc. verwendet. Auch anPalästen und palaisartigen Bürgerhäusern ist die Neustadtreich; ihre reinere Luft und freiere Lage zieht viele Bewohneraus den höheren Klassen Prags an, und die Wohnungen aufdem Graben!, dem Roßmarkt u. a. m. gehören unter die ge-suchtesten und theuersten. Die abgelegeneren Quartiere derNeustadt dagegen sind der Sitz der ärmeren Volksklassen undbieten oft Scenen dar, welche eben nicht die Lichtseiten desVolkslebens bilden.

Die Neustadt zählt 14 Plätze und 81 Gassen, von denersteren sind der Viehmarkt (280 Wiener Klafter lang 80°breit) und der Roßmarkt (360 W. Klstr. lang, 32° breit) diegeräumigsten; leider verliert aber gerade der größere, derViehmarkt, viel von seinem großartigen Anblick durch seine Un-ebenheit und durch die in seiner Mitte stehenden Häuserinseln.Die Abstellung dieser Mißstände ist jedoch im Werke, und deröstliche Theil des Platzes wurde bereits vor längerer Zeit pla-nirt. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts (1791) wurde die1382 erbaute Uorporis Uln-isti-Kirche oder böhmische Kirche,die mitten auf diesem Platze der St. Jgnazkirche gegenüberstand, niedergerissen. Sie war in Form eines Sechsecks er-baut, und hatte lange Zeit den Utraquisten, später den Jesui-ten gehört. In der Außenmauer der Kirche waren zwei Sand-steine eingemauert, welche in lateinischer und böhmischer Spra-che Inschriften folgenden Inhalts trugen:Im Jahre 1437ist auf Befehl des Kaisers Siegmund und der Baslcr Abge-ordneten in dieser Kirche böhmisch, lateinisch, ungarisch unddeutsch verkündigt worden, daß die Böhmen und Mähren, dieden Leib Gottes und das Blut unter zweierlei Gestalten em-pfangen, rechtgläubige Christen und wahre Söhne der Kirchesind." Die gegenwärtigen Hauptgebäude des Viehmarktssind: das Neustädter Rathhaus. Dieses große Gebäude,in welchem sich seit Vereinigung der vier Prager Magistratedie Kriminalbureaur und die Kriminal- und politischen Unter-suchungsgefängnisse befinden, wurde von Karl IV. angelegt und1805 renovirt. Der Thurm wurde 1452 erbaut. In diesemGebäude wurde, ähnlich der Gewaltthat, welche zum dreißig-jährigen Kriege das Signal gab, am 30. Juli 1419 durch den

Fenstersturz mehrer Rathsherrn gleichsam die Losung zum Aus-bruche des unseligen Hussitenkrieges gegeben. Wir werden inder Geschichte Prags darauf zurückkommen.

Das Garnisonsspital, mit der St. Jgnazkirche nimmt fastdie Hälfte der östlichen Fronte des Viehmarktes ein, und warbis zur Aufhebung der Jesuiten ein Collcgium dieses Ordens.An dem linken Flügel dieses Gebäudes jstand eine Kirche desheiligen Franz Laver; an dem rechten jsteht noch immer dieschöne Kirche des heiligen Jgnaz Lojola mit einem reichen im-posanten Portal, dessen Giebel das Standbild des Stifters derGesellschaft Jesu ziert. Das Innere dieser Kirche, die jetztals Garnisonskirche dient, enthält einige hübsche Gemälde(darunter ein Hochaltarblatt, St. Jgnaz) von Heintsch undvon Skreta.

An der Südseite des Viehmarktes tritt aus einer Seiten-gasse ein Theil des k. k. allgemeinen Krankenhauses hervor,eines grandiosen Gebäudes, das von Kaiser Joseph II. 1787(aus einem ehemaligen Damenstiftsgebäude) gegründet, und inden letzten Jahren bedeutend erweitert wurde, so daß die Haupt-fronte welche früher 48 Klafter lang war, gegenwärtig eineLänge von fast 100 Klaftern hat, und die Anstalt 56 mit 458Betten versehene Krankenzimmer enthält. Es ist hier ^nichtder Ort, in die Details der Vortrefflichkeit dieser Krankenan-stalt einzugchen, möge die Bemerkung genügen, daß sie inganz Deutschland und über dessen Gränzen hinaus des ausge-zeichnetsten Rufes genießt. Zugleich wird an diesep Krankenan-stalt den Hörern der Arzncikunde praktischer Unterricht ertheiltund dadurch für die Heranbildung neuer tüchtiger Aerzte gesorgt.

Bevor wir zu dem Stifte Emaus, einem vierten merk-würdigen Gebäude des Viehmarktes übergehen, möge der übri-gen WohlthätigkeitS- und Sanitätsanstalten, welche in der Ge-gend des k. k. Krankenhauses, theils auf den Anhöhen, theilsam Fuße des Windberges errichtet sind, so wie der anderenSehenswürdigkeiten dieses Bezirkes Erwähnung geschehen. DemKrankenhause gegenüber hinter dem Garnisonsspitale liegt der, anseltenen erotischen Gewächsen sehr reiche, gräfl. Salm'sche Garten,und noch weiter, nordöstlich, die aus einem ehemaligen Augu-stiner-Nonncn-Kloster in den Jahren 1822 und 1827 errichteteIrrenanstalt zu St. Katharina. Die Musterhaftigkeit dieserHeilanstalt ist bekannt. Die Kranken werden darin nach Ver-hältniß ihrer Talente, Fähigkeiten, ihres Bildungsgrades u. s.w. zweckmäßig beschäftigt, bald in Werkstätten der verschieden-sten Art, bald ans den der Anstalt gehörigen Feldern und Gär-ten, jene höheren Standes mit Abschreiben, Uebersetzcn ausfremden Werken u. s. w., die weiblichen Kranken mit Nähen,Stricken, Spinnen ?c. Zur Erholung dienen ein Billard,Vogelschießen, eine Kegelbahn, musikalische Unterhaltungen,eine kleine Hausbibliothek u. s. w. Die Anstalt kann etwa145 männliche und 61 weibliche Kranken unterbringen, fürjedes Geschlecht besteht ein eigenes abgesondertes Haus. Nuran zwei Tagen im Jahre kommen die Kranken beider Geschlech-ter zusammen, nämlich beim Erntefest und bei der Tanzunter-haltung, welche ihnen alljährlich im Carneval gegeben wird.Die schöne Kirche zu St. Katharina, von Karl IV. nach derin Pisa (1355) bestandenen Gefahr ox voto gebaut, enthält