Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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des Sarkophages. Deshohen Liwa" (auch Rabbi Löw ge- ^nannt) Andenken lebt noch in mancher poetischen Sage derJuden fort. Möge eine derselben, deren Schauplatz geradeder Judenfriedhof ist, als Probe hebräischer Poesie hier Platzfinden. Es durchweht sie derselbe Schauer, wie den Juden-friedhof selbst. Eine furchtbare Seuche herrschte unter denKindern der prager Juden, Monat für Monat wurden Hun-derte von Kindern auf dem Beth Chaim begraben. Die ge-lehrtesten Talmudisten suchten vergebens die Ursache der schreck-lichen Seuche zu ergründen. Da berief Rabbi Löw einen sei-ner Licblingsschüler und befahl ihm, vor Mitternacht auf denBeth Chaim zu gehen, dort würde er die Leichen der verstorbe-nen Kinder auf ihren Gräbern tanzen sehen, einem derselbensolle er das Leichenhemdchen entreißen und es ihm, dem Rabbi,bringen. Der Bochcr (Schüler) that wie ihm der Rabbi be-fohlen, und fand Alles, wie ihm dieser gesagt. Als die Mit-ternachtsstunde schlug, erhoben sich die Leichen der Kinder ausihren Gräbern und begannen im Mondlicht unter den knorrigenFliederbüschcu zwischen Katafalken und Leichenstcinen ihre ge-spenstigen Neigen. Der Bocher aber faßte sich Muth, entrißdem nächsten der Kinder sein Leichenhemd und eilte damit zuseinem Rabbi, der eben am offenen Fenster saß. Kaum hatteder Rabbi das Leichengcwand, so eilte pfeilschnell das Kindherbei, welchem das Leichcnhcmd ohne das es nicht in'sGrab zurückkehren durfte geraubt worden war. Es strecktedie Händchen nach dem Rabbi aus und bat um sei» Leichen-hemd. Der Rabbi aber schüttelte mit dem Kopfe und sprach:Nicht eher sollst du dein Leichengewand wieder haben, alsbis du mir den Grund der herrschenden Seuche verräthst."So sehr auch das Kind um sein Todtenhemd schrie, der Rabbiblieb unbeugsam, bis ihm das Kind enthüllte, die Seuche seieine Strafe für den lasterhaften Lebenswandel zweier Ehepaare,welche im Ehebruche lebten. Als das Kind die Namen dieserFrevler genannt, erhielt es sein Leichcnhcmd und kehrte in'sGrab zurück; die Frevler wurden bestraft und von der Stundean hörte die Seuche auf. Gleich poetische Sagen erzähltman von dem Sarkophage Rabbi Schimenus des Gerechten.Auch das Grabmal Rabbi Mordachai Meisels, der sich umdie Judenstadt durch viele Bauten hochverdient gemacht, wirdjedem Besucher gezeigt, ebenso jenes der Anna Schmiedes,einer Jüdin, die wahrscheinlich das Münzregal gepachtet hatteund aus der die Sage eine polnische Königin macht. (Manerkennt dieses Grabmal an dem darauf eingcmeiseltcn Wappen,dessen mittleres Feld drei Sterne, die zwei Seitenfelder aberzwei Löwen enthalten.) Der Grabstein der Sara Katz gabeinst zu vielen gelehrten Diskussionen Anlaß; denn eine unrich-tige Lesart der Grabschrist hatte zu dem Glauben verleitet,daß der Stein bereits aus dem Jahre KOK (statt lKOK) rühre,woraus man beweisen wollte, daß die Juden diesen Ort schon100 Jahre vor der Gründung Prags im Besitze hatten.Seit Kaiser Joseph II. dient dieser Friedhof nicht mehr alsBegräbuißstätte; ein Theil desselben ist jetzt der israelitischenKleinkinderbewahranstalt als Spielplatz eingeräumt.

Die Altneu spnagoge, unstreitig eines der ältesten Ge-bäude Prags. Wahrscheinlich gehört dieses Bauwerk dem

dreizehnten Jahrhunderte an, mit Ausnahme der Bedachung,deren Stpl gegen die schmalen gothischen Fenster und das ge-schnörkelteoPortale seltsam absticht. Auf Stufen gelangt manin das ehrwürdige Innere hinab. Die Bögen des doppeltenSpitzgewölbes werden von zwei massiven, im byzantinischenStyle verzierten Säulen getragen. Die Wände sind von demAlter, wie von dem hundertjährigen Lampenruße geschwärzt,so daß keine der zahllosen, in dieselben eingemciselten Bibelstel-lcn mehr erkennbar ist. Aber dem Volksglauben zufolge darfkein Werkzeug das Heiligthum berühren, unddeß' Hand ver-dorret," der sich eine Renovirung desselben erlauben würde.Einen größeren Contrast kann man wohl schwerlich auffinden,als der ist, welcher zwischen dieser Synagoge und dem Tem-pel des reformirten israelitischen Gottesdienstesherrscht, einer ehemaligen Synagoge, die dem reformirten Cul-tus geweiht und in welcher der erste Gottesdienst nach demneuen Ritus am 21. April 1837 gehalten wurde. Das Ge-bäude ist ganz neu hergestellt und im Innern mit großer Ele-ganz eingerichtet. Eine gute Orgel begleitet beim Gottesdiensteden wohl eingeübten Sängerchor. Außer den genanntenzählt die Prager Judcnstadt noch 8 Synagogen, die sich jedochdurch nichts von denen anderer Städte auszeichnen.

Unter den übrigen Gebäuden der Judenstadt ist das jü-dische Rathhaus das schenswertheste.

3 Die Neustadt

umschließt die Altstadt in einem weiten Bogen, und ist vonderselben durch die Ursulinergasse, die Neue Allee, Obstgasse,den Graben, Josephsplatz, die Nöhrsgasse und den Aufschwemm-platz getrennt, ein Gassenzug, durch welchen ehemals ebenzur Trennung der beiden Städte die einander oft feindseliggegenüber standenvon der Moldau ein Graben geleitet war.Zwei fünftel Meilen lang (von Podskal bis zu den helmischenMühlen) nimmt sie eine Area ein, welche mehr als dritte-halbmal so groß als jene der Altstadt ist. Doch ist noch langenicht diese ganze Fläche mit Häusern bebaut, längs den Wall-maucrn und vorzüglich in den höher gelegenen Theilen, aufdem Windbcrge, in der Katerinka u. s. w. sind große Streckenzu ausgedehnten Gartenanlagen verwendet, ja selbst als Fel-der und Weingärten benutzt. Auch nehmen die Holzmagazine(Holzgärtcn") im Podskal längs des Moldauufers eine nichtunbedeutende Area ein. Die Zahl der Bewohner war nachder letzten Zählung 47,430, die Zahl der Häuser >312. Dieseletztere steigt von Jahr zu Jahr, in keinem der Theile Pragswird so viel gebaut, wie in der Neustadt.

Bekanntlich ist die Neustadt von Karl IV. gegründet. VorKarls Regierungsantritt standen an ihrer Stelle die Dörferoder Vorstädte: s) Podskal (am Moldauufer unter dem Felsensxock skslsu) des Wyscherad), d) die Vorstadt Zdaras (unter'mViehmarkt), o) vermuthlich eine Ortschaft in der Gegend desheutigen Judengartens, ä) das Dorf Nybnicek (in der Gegendder heutigen Stephanskirche), o) Das Dorf Poric (am Mol-daufluß, böhmisch po reeo), eine ehemalige deutsche Kolonie.Karl IV. führte vom Wpschehrad bis zum Dorfe Poric eineMauer mit Thürmen und Thoren und ertheilte jedem, der sich