Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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reichischen Monarchie) besitzt eine Doppel-, 5 einfache Schnell-pressen, und 22 Hand-Pressen. Die musterhafte Eleganz derArbeiten, welche dieses typographische Institut liefert';, bieteteinen Beleg dar, welche rasche Fortschritte Prags Industrie inder Neuzeit macht. In der Nähe des Annahofs lag auchdie berühmte alte Betlehemskirche, bei welcher Huß und nachihm Jakobellus von Mies als Prediger angestellt waren. Siewurde 1786 als Kaiser Joseph so viele Kirchen und Klösterin Prag aufhob, abgetragen, ihr Andenken hat sich jedochnoch in dem Namen des Betlehcmsplatzcs erhalten.

Noch einer Gegend der Altstadt geschehe Erwähnung.Diese ist der sogenannte Frantischek am nordöstlichen Ende derAltstadt, längs des Moldauufers gelegen. Sie ist eins derärmsten Stadtquartiere und zeigt in dem Bau der Häuser unddem Zustande der Gassen noch viel Primitives. Dennoch warenin alten Zeiten auch hier nicht unberühmte Gebäude, z. B.das weitläufige Agneskloster, in dessen nun aufgehobener Kirchenebst der heiligen Stifterin derselben (Agnes, Tochter PremyslOtokars I,) auch König Wenzel I. und der berühmte Tataren-besieger Jaroslav von Sternbcrg (j- 1S77) begraben liegen.Noch steht in der Gegend des Frantischek die freundliche KircheSt. Simon und Judä mit dem daranstoßenden Kloster desOrdens der Barmherzigen Brüder, dem sie seit 16211 gehört.Dieser segensreiche Orden beschäftigt sich auch hier wie überallmit Krankenpflege) und jährlich finden in den großen Sälendesselben 221X1 bis 251X1 Kranke die nöthige Unterkunft undärztliche Hilfe.

Wenn wir nun von den noch bestehenden Kirchen die wenigMerkwürdiges darbietenden Pfarrkirchen zum heiligen Geistund zu St. Kastulus, und von den aufgehobenen die ehemalige,schöne Benediktinerkirche zu St. Nikolaus (in der Nähe desaltstädter Ringes) nennen, so haben wir aller bedeutenden Ge-bäude der Altstadt, soweit der Zweck und der Raum diesesWerkchens es zuließen, Erwähnung gethan, und scheiden vondiesem Stadtthcile mit der nachträgliche» Bemerkung, daß dieVerleger um den Besitzern dieses Werkes auch im Bildeein Andenken an das Gewesene, nicht mehr Bestehende zugeben, die Ansicht der südlichen Fronte des nun durch einenneuen Bau ersetzten altstädter Nathhauses in die Zahl ihrerProspekte mit aufgenommen haben. Das alte Nathhaus botaber der historischen Erinnerungen so viele, daß die Leser denVerlegern die Aufnahme dieses Bildes gewiß nur Dank wissenwerden.

Von den nördlichen Theilen der Altstadt in einem Halb-kreise umschlossen, liegen am rechten Ufer der Moldau eng zu-sammengedrängt die Gassen und Häuser der

2 I u d c n st a d t.

Meist eng und krumm bieten diese Gassen und Gäßchcn,so wie die schmalen, hohen und dabei doch unansehnlichen, oftelenden Häuser noch jetzt ein Bild des Drucks, unter welchemdieses zerstreuteewige" Volk bis in die letztvergangenen Jahr-hunderte lebte. Auf einem Flächenraum von nicht ganz 271X16Quadratklaftern wohnen in 278 Häusern 7lt)l) Menschen.

Selten findet sich unter den Häusern eines, welches nur einenBesitzer hätte; manche haben zehn, auch zwölf Theilbesitzer,und selbst ein und dasselbe Zimmer wird häufig von zwei odernoch mehren Familien bewohnt. Der größere Theil der Be-wohner der Judcnstadt ist arm, denn die reicheren israelitischenFabriksinhaber und Handelsleute beziehen Wohnungen in denandere», schöneren Stadttheilen. Der arme Jude zieht frühMorgens aus und treibt entweder in dem Judentandelmarkteseinen Schacher, oder hausirt mit einem Sacke auf demRücken in den Gassen Prags herum, von Haus zu Haus,und lebt von dem Gewimiste, den ihm der Kauf und derWiederverkauf alter Sachen abwirft, auf die kärglichste Weise.Nur durch die härtesten Entbehrungen aller Art und eine hart-näckige Sparsamkeit schwingt sich trotz des kleinen GcwinnstesMancher dieser sogenanntenHanderljuder" zu einem größerenoder geringeren Grade von Wohlhabenheit auf, der dann auchjetzt mehr als sonst am Sabbath sich im Aeußcrn zeigt, da dieJuden wissen, daß sie die Bedrückungen nicht mehr zu befürch-ten haben, welche sie in früheren Jahrhunderten oft alleinum des Reichthums willen, doch natürlich unter andern Vor-wänden erdulden mußten. Die Zeiten haben aufgehört,wo sie^an Sonntagen und nach Sonnenuntergang die Thorenihres Quartiers nicht mehr verlassen durften, und an Hut undKleidern besondere Abzeichen tragen mußten. Die humaneösterreichische Regierung gesteht ihnen mit wenigen Ausnahmen(worunter die Beschränkung der Familien und daher auch derHeirathen die bedeutendste ist) mehrere Rechte zu, und läßtihnen im selben Maße wie jedem andern Staatsbürger denSchutz der Gesetze angedeihen. Die Jsraeliten haben diesenStadttheil seit dem cilften Jahrhunderte inne. Früher hattensie theils im Augezd, theils unterm Wyschehrad (etwa im heu-tigen Judengartcn auf der Neustadt) gewohnt. In den Jahren1541, >561 und 17-1-1 wurden die Jsraeliten ganz aus Pragund Böhmen verwiesen, aber immer wurde nach längerer oderkürzerer Zeit der Befehl aus wichtigen Gründen wieder zurück-genommen. Die neun Thore, welche ehemals aus der Judcn-stadt führten und jeden Abend geschlossen wurden, sind abge-tragen, und nur durch in der Höhe der oberen Stockwerkequer über die Straße gezogene Drähte sind »och gegenwärtigdie Gränzen der Judenstadt gegen die Altstadt bezeichnet.

Die Hauptmcrkwürdigkeiten der Präger Judenstadt sind:der alte Judcnfriedhof (jüdisch: Beth Chaim, d. i. Hausdes Lebens), eine der sehenswerthestcn und zugleich min-dest bekannten Stellen Prags, wahr und treffend eine ossia-nische Erscheinung genannt. Tausende von Grabsteinen, vieleverwittert durch die atmosphärische Einwirkung von Jahrtau-senden, kolossale, tempelartige Sarkophage ragen in großar-tiger, ruinengleicher Unordnung aus dem hügeligen grasbe-wachsenen Boden, unter den Laubdomcn alter, knorriger Flie-derbüsche hervor. Zahlreiche Talmudisten und hochgcpriescneRabbiner liegen hier begraben, darunterder hohe Liwa,"ein Zeitgenosse und Freund Tycho de Brahe's. Selbst KaiserRudolph II. soll ihn hochgeachtet und in seiner Wohnung inder Judenstadt besucht haben. Dreiunddreißig Leichensteine sei-ner Lieblingsschüler stehen in langer Reihe zu beiden Seiten