Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Das Portale der Salvatorkirche öffnet sich auf den zwarkleinen, aber stets belebten Brückenplay. Eine zweite, ein-fachere Zierde dieses Platzes sind das Kloster und die Kirchedes ritterlichen Ordens der Krcuzherren mit dem rothen Stern.Der Leser sieht die dem Brückenplatze zugekehrte Fronte desKlosters auf der rechten Hälfte des Bildes, welches die Unter-schriftder altstädtcr Thorthurm" führt; die westlicheFronte sieht er auf einem zweiten Bilde, dessen Hauptgegenstanddieß Kloster ist. Von der Kirche zeigt ihm der erstere Stahlstichdas Portale, der zweite die herrliche Kuppel. Sie ist eine imedelsten Stple gebaute Rotunde, und wird als die schönste undimposanteste von allen im italienischen Geschmacke erbautenKirchen Prags anerkannt. Ihre Form ist die eines griechischenKreuzes; ihre kühne, ovale Kuppel ist von Reiner gemalt.Die Statuen in den Blenden der Fayade und auf dein Haupt-gesimse sind von Quitainer. Das Kloster wurde in seinerjetzigen Gestalt im Jahre 1K02 beendet, die Kirche ist in denJahren 1672 lK88 erbaut. Doch hatten schon seit 1238die Kreuzherrip hier eine Kirche besessen, mit welcher ein Hos-pital für sieche Pilgrime und hilfsbedürftige Einheimische ver-bunden war; und noch jetzt wird eine nicht unbedeutende An-zahl Armer in diesem Stifte verpflegt. Das Kloster besitzteine sehr ansehnliche Bibliothek, in welcher sich viele für dieböhmische Geschichte wichtige Handschriften befinden. Unter denPriestern dieses Ordens zeichneten sich stets viele durch Gelehr-samkeit aus. Die Generalgroßmeister dieses Ordens besaßenehemals große Vorrechte, viele von ihnen bekleideten die erz-bischöfliche Würde in Prag. Der gegenwärtige (drei und vier-zigste) Generalgroßmeister, Herr ?. Jakob Beer, wurde zudieser hohen Würde am 27. Januar 1840 einstimmig vonallen Gliedern seines Ordens gewählt, und genießt als Gelehr-ter, Priester und Mensch die allgemeinste Achtung.

Werfen wir noch einen Blick auf das mehrfach erwähnteBildder altstädter Thorthurm." Das einstöckige schmaleHäuschen, welches wir rechts von dem Brückenthurm erblicken,ist das ehemalige Brückenmauthhans. Als solches ist es schonaufgehoben, da von den die Brücke Passirenden keinerlei Mauthoder Zoll erhoben wird. Unter den älteren Brückcnmauthbe-stimmungen waren manche sehr seltsame: so mußte z. B. imvierzehnten Jahrhundert jede Braut, welche die Brücke passirte,72 Heller Mauth entrichten, ebensoviel wurde für die Leichejedes Juden bezahlt. Wäre unser Bild nach links nochetwas weiter fortgesetzt, so würden wir auf demselben auch diebeiden Schwibbogen erblicken, welche vom Brückenplatze zumFranzensquai und zur Postgafse führen. Der eine dieserSchwibbogen wurde erst im I. 1840 durchgebrochen, auf ihmruht ein Theil des fürstlich Colloredoschen Palastes.

Des Franzensquais, der sich von den altstädter Brücken-mühlen *) bis zur Sophieninsel zieht, gedachten wir bereitsEingangs als eines Platzes, welcher binnen Kurzem zu denelegantesten Prags gehören wird. Schon jetzt bevor er nochganz vollendet ist beginnt er im Verein mit der Kettenbrücke

*) Man sieht Anfänge dieses Quais im Vordergründe des Bildesdie Kleinseitc mit dem Hradschin in Prag."

ein beliebter Spazierort der Prager zu werden, und ehe einDecennium verfließt, ist gewiß seine Landscite mit der schönstenReihe moderner prächtiger Gebäude geziert. Er soll mit einerLindenallee bepflanzt werden.

Zur Vervollständigung unserer Schilderung der Altstadterübrigt uns noch einige bedeutendere Gebäude anzuführen.

Die St. Acgpdiuskirche in der Dominikanergasse, eineehemalige Collegiatkirche. Sie wurde in den Jahren l 339 f. f.von dem Bischof Johann von Drazic und dem Erzbischof Ernstvon Pardubitz (gew. 1344, -h 1364) gebaut, deren Wappen(drei Weinblätter als das der Herren von Drazic, und ;einhalbes Pferd als jenes der Herrn von Pardubitz) man nochheute über dem Hauptcingange cingehauen sieht. Als nachEinführung der Jesuiten in Prag die Dominikaner die Clemens-kirche Jenen überließen, erhielten sie dafür die St. Aegydius-kirche (1626). Der Styl der Kirche ist gothisch. Die Haupt-zicrde ihres Innern ist die schöne lichte Wölbung, mit Fres-ken von Reiner (der 1743 starb und in dieser Kirche begrabenward) geschmückt. Von ihren beiden Thürmen wurde der eine1432 durch einen Wetterstrahl zerstört, und seither nicht wiederaufgebaut. In dem anstoßenden Kloster befindet sich dasvom Vereine zur Beförderung der Tonkunst gegründete Conser-vatorium, ein musikalisches Bildungsinstitut, aus welchem wäh-rend seines etwa dreißigjährigen Bestehens (seit 1810) bereitsviele nicht nur tüchtig durchgebildete, sondern selbst berühmteTonkünstler hervorgegangen sind; wir nennen von letzteren nurSlawjk, Kalliwoda, und die Sonntag, jetzt Gräfin Rofsi. Inallen Ländern Europas findet man Schüler des prager Con-servatoriums. Ueberall werden sie gesucht und geschätzt.

Der Dominikanerkirche gegenüber steht das Gebäude derständisch-technischen Lehranstalt (entstanden aus einer im I. 1721gegründeten Ingenieurschule). Das Gebäude selbst war dasehemalige St. Wenzelscollcgium der Jesuiten. Die Stadt-gegcnd zwischen der Dominikanerkirche und dem Franzensquaibietet in der Anlage ihrer engen krummen Gassen, wie auchin einzelnen Gebäuden noch viel Alterthümliches. An dieältesten Zeiten Prags erinnert das ehemalige Annakloster. DieSt. Laurenzkirche, die zu diesem weitläufigen Gebäude gehört,wurde dem Chronisten Hagck zu folge schon von Wenzel demHeiligen (027) erbaut. In den Jahren 1240 1251 bauteder Ordensmeister der Tempelritter, Peter Berka von Duba,neben dieser Kirche eine Comthnrei, welche nach Aufhebungdes Tcmplerordens an die Maltheser, und bald darauf an dieDominikaner-Nonnen überging. Als in den gräuelvollen Jah-ren 1420 und 1421 die Hussiten in fanatischer Religionswuthfast alle Kirchen und Klöster Prags zerstörten und verwüsteten,blieb der Annahof verschont, weil eine Nichte Zizka's, Nonnein diesem Kloster war. Deshalb flüchteten auch damals mehrehundert Nonnen aus anderen Klöstern hieher. Nachdem imI. 1782 das Kloster aufgehoben worden, wurde das Gebäudein drei Theilen an Private verkauft. Der größte Theil mitder Kirche (die nun als Papiermagazin dient) ist ein Eigen-thum der Gebrüder Haase, welche darin ihre Comptoirs, ihreBuchdruckern, Schriftgießerei, Stereotypage ?c. aufgeschlagenhaben. Diese Buchdruckerei, (die ausgebreitetste der öfter-