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3 (1842)
Entstehung
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den Unruhen des 15. und 16. Jahrhunderts zur Vertheidigunggegen die feindlichen Bürger der anderen Stadt erbaut wordenwaren.

Parallel mit der Nittergaffe und einen Theil der West-seite derselben bildend, läuft das Kotzengebäude, ein weit-läufiges, aber unscheinbares Haus, das vor Erbauung desgegenwärtigen Theaters eine Zeit lang als Schauspielhausdiente, und in welchem seit uralter Zeit Krämer und Klein-händler jeglicher Art ihre Boutiquen und Gewölbe haben.Ucberhaupt ist diese ganze Gegendin den Kotzen" genannt,mit der anstoßenden Schwefelgasse, dem Brückel, vorzüglich aberdem Tandelmarkte, der Schauplatz des mannigfachsten Trödel-und Kleinhandels. Auf dem Juden tandelmarkte herrschtvom frühen Morgen bis in die Dämmerung die geräuschvollsteRührigkeit. Unter einem langen Zuge vonLauben" (Hallen),deren die meisten durch spitze Bogen ihren mittelalterlichen Ur-sprung verrathen, wimmelt eS von Sitzstühlen, Buden, Gestellenjüdischer Verkäufer, welche mit der Anzahl ihrer Gehülfen undZuweiser Waaren aller Art, alte und neue, jedem Vorüber-gehenden anbieten. Die Häuser zu welchen diese Lauben ge-hören, sind von den untersten bis in die obersten Geschosse mitVerkaufs- und Niedcrlagsgewölben gefüllt, welche die Judenvon den Hauseigenthümern vor undenklichen Zeiten emphiteutischeingekauft haben und für die sie einen jährlichen unwandelbarenZins zahlen. Eine Fortsetzung des Judentandelmarktes istder Christentandelmarkt, anfänglich zum Christenthumebekehrten Juden als Verkaufsplatz angewiesen..

Neben den Kotzen als Anfangspunkt des Judentandelmark-tes und dem Theater und Carolinum gegenüber steht die altePfarrkirche zu St. Gallus mit einem ehemaligen Kar-meliterkloster. In dieser Kirche, welche schon in der erstenHälfte, des 13. Jahrhunderts bestand, verkündigte Johann Hußseine Glaubensmcinungen; auch wurden hier sonst mehrereKelche mit Huß's Namen, so wie ein Stück seines Predigt-stuhles, auf welchem man Huß's Bildniß en bss relief sah,aufbewahrt. Neben dem Hochaltar ruht der berühmte böhmischeKünstler Skreta. Auch der utraquistische Prediger WenzelKoranda (j- 1591) ist nach Schaller hier begraben. Die Kirchegehörte sonst den Magdalcniter-Nonnen; 1627 wurde sie denKarmelitern übergeben, welche im Jahr 1671 von den Archi-tekten Luragho und de Orsis das anstoßende Kloster erbauenließen. In diesem hat gegenwärtig der böhmische Gewerbs-verein seine Lokalitäten aufgeschlagen.

Wir wählten den Altstädter großen Ring als das Centrumder Altstadt, zu dem Punkte, von welchem aus wir bei derSchilderung dieses Stadttheils ausgingen und wenden unsdeßhalb nun, nachdem wir die Ost- und Südseite desselben be-trachtet, zu der Westseite. An dieser schließt sich dem großenRing der kleine Ring an, ein dreieckiger Platz, der seinEpitheton nicht mit Unrecht führt. Von da gelangt man durchdie kleine und große Jesuitengasse zur Brücke. Schmal, finster,ungleich, reich an Krümmungen, verräth diese Gasse durch dasPlanlose ihrer Anlage ihre frühe Entstehung, ist jedoch fast dielebhafteste und eleganteste Gasse des ganzen Stadtthciles. Vonihren Gebäuden sind die meisten schmal und hoch; drei jedoch

reihen durch Weitläufigkeit und architektonische Pracht sich denschönsten der Stadt an. Es sind: der gräflich Clam-Gal-las'sche Palast, das Clementinum und das fürstlichColloredo'sche Palais. Ersterer, im Anfange des vorigenJahrhunderts von Fischer von Erlach im elegantesten ita-lienischen Geschmacke erbaut und mit Statuen von Braun ge-schmückt, hat gleichwohl einen großen Fehler, den, daß er wegender Enge der Gasse einen verhältnißmäßig geringen Effektmacht. Diesen Fehler wollte sein Erbauer, der Vicekönig vonNeapel, Graf Johann von Gallas, Herzog von Lucera, da-durch verbessern, daß er sämmtliche Häuser, welche zwischendem Palaste, der Jesuitengasse und dem Clementinum stehen,kaufen und niederreißen lassen wollte, wodurch ein großerfreier Platz entstanden wäre, auf dem die herrliche Fa^adeihre architektonische Schönheit vollkommen hätte geltend machenkönnen. Sein Tod hinderte die Ausführung dieses Planes.Aber noch weit großartiger als dieser Palast ist das Clemen-tinum, ein ehemaliges Jesuiteikcollegium, das unstreitig nächstder Hofburg auf dem Hradschin das großartigste und imposan-teste Gebäude Prags ist. Seine Größe mag man schon darausermessen, daß der Platz, den dieses kolossale Gebäude einnimmt,einst 3 Kirchen, 1 Dominikanerkloster, 7 Plätze, 2 Gassen,32 Häuser und 2 Gärten enthielt. Schon in alter Zeit hießdiese Häusermasse nach ihrer Abgeschlossenheit Ostrow, d. i.Insel. Auf dem Grunde dieser Insel in deren Bereichihnen Kaiser Ferdinand I. (1562) anfänglich die ehemaligeKirche der Dominicaner zu St. Clemens schenkte - erbautendie Jesuiten 15781662 die St. Salvatorskirche und 1653das Collegium selbst. Die Großartigkeit dieses Baues sprichtfür den Reichthum und die Prachtliebe des genannten Ordens,der nach einer actenmäßigen, aber vielleicht zu geringen Ueber-sicht, in Böhmen allein ein Vermögen von 728-1506 fl. besaß.Nach der Aufhebung der Jesuiten (>773) blieb dieß Gebäudeder Universität. Doch befinden sich, nebst einem Gymnasium,nur die Hörsäle zweier Fakultäten, der philosophischen undder theologischen, darin. Die Hörsäle der theologischen Facul-tät, mit den Wohnungen der geistlichen Alumnen dem soge-nannten sürsterzbischöflichen Seminarium, nehmen den westlichen,jene der philosophischen den südlichen Theil des riesigen Ge-bäudes ein. Nebst diesen befinden sich von wissenschaftlichenAnstalten im Clementinum: die reiche Universitätsbibliothek (mitfast 160066 Bänden und gegen 4066 Handschriften aus dem12. bis 15. Jahrhundert, welche in 2 Sälen, 7 Zimmern,einer ehemaligen HauSkapelle und 3 Klostergängen ausgestelltsind), ein physikalisches und ein Naturalien-Cabinct, eine Stern-warte, ferner zwei Kirchen und zwei Kapellen, die Normal-schulbuchhandlung, eine Buchdruckerei, die Akademie bildenderKünste, zahlreiche Wohnungen:c. Von den Kirchen, welchedieses ungeheure Gebäude enthält, geschah der Clemens-kirche, deren Gewölbe seines akustischen Baues wegen merk-würdig ist, bereits Erwähnung; ebenso der Salvatorkirche.Herrlich ist das mit Statuen von Pendel geschmückte Säulen-Portale dieser Kirche und macht in Verbindung mit der Kreuz-herrengasse zugekehrten westlichen Fronte des Collegiums einenimposanten Eindruck.