sehr verfallene Gebäude zum Erhebungslokale einer Salz- undWeinsteuer (Angeld) bestimmt hatte. Aus dem Hintergrundeunsers Bildes hinter dem Theinhofe sehen wir den Thurm derPfarrkirche von St. Jakob hervorragen, eines großen,aber etwas düsteren Baues, der im XIII. Jahrhunderte vonKönig Wenzel I. erbaut und im XV. Jahrh, durch die Tapfer-keit der Prager Fleischhauerzunft vor der Zerstörung durch dieHussiten bewahrt wurde. Ihr Inneres enthält nebst mehrerenAltarblättern von Brandet, Neiner, Lischka, Heintsch zc. undeinem Hauptaltarbild von Zeiller, ein herrliches, reich mitsymbolischen Figuren geschmücktes Marmormonument des böh-mischen Kanzlers und Maltheser- Grandpriors Grafen Wra-tislaw von Mitrowitz, eines der gelungensten Werke des Bild-hauers Ferd. Prokoss. Die Kirche gehört seit ihrer Gründungdem Minoritenorden. Die Gasse, deren Eingang wir aufunserm Bilde rechts von der Theinkirche erblicken, heißt seituralten Zeiten die Zeltnergasse (oder eigentlich Zöllnergasse,von dem Zolle, der noch im XV. Jahrhunderte hier bei derEinfahrt erlegt werden mußte). Die ganze Gegend zwischendieser Gasse, der Jakobskirche und dem Theingäßchen ist reichan sehr alten Gebäuden, in denen sich noch zahlreiche Bau-überreste aus früheren Jahrhunderten erhalten haben. Einsolch altes Gebäude ist z. B. das Stupartische Haus, welchesdem Theinhof und der Jakobskirche gegenüber stehend, unterGeorgs von Podiebrad Regierung als Münzgebäude diente;ferner das ehemalige Manhartische Haus (Nr. 595) und dersogenannte Tempel (Nr. 589) in der Zeltnergasse, dessen Na-men sowohl, als seine alten gothischen, kapellenartigen Keller-gewölbe die Vermuthung hervorriefen, daß er mit den anstoßen-den Gebäuden einst dem Orden der Templer gehört habe.(Der Name Tempel und Tempelgäßchen mag sich indeß nichtsowohl von den Tempelherren, als von der einst hier gestande-nen Spitalkapelle zu St. Paul (Bechpnska kaple), der auch' der Tempel hieß, herschreiben.) Dem Tempel gegenüber stehtdas k. k. Generalkommando-, vormals Münzamts - Gebäude.Am Ausgang der Zeltnergasse ragt isolirt der schwärzliche, vier-eckige Pulverthurm empor, einen Grenzpunkt zwischen derAlt- und Neustadt bildend. Von Mathias Reysek 1475 ausBefehl Königs Wladislaw II. erbaut, war dieser Thurm wohlursprünglich ein Bestandtheil (vielleicht die Einfahrt) des Kö-nigshofes ; später mag er, bei den immerwährenden, oft blutigenFehden zwischen den Bürgern der Neu- und der Altstadt, denLetzteren zur Vertheidigung gedient haben. Sein Name scheintanzudeuten, daß er einst als Pulvermagazin verwendet wordensey; gegenwärtig dient er blos zur Aufbewahrung verschiedenerStadtgeräthschaften und als Durchgangsthor. Sein dunklesschwärzliches Aeußere ließe fast auf ein höheres Alter schließen,als er wirklich hat; in seiner Gestalt zeigt er bis auf die nie-drige, ganz unpassende Bedachung und den Mangel der Eck-thürmchen, viel Aehnlichkeit mit dem altstädter Brückenthurm. —Der Königshof, an den er grenzt, und zu dem er einstgehörte, war, worauf auch sein Name hindeutet, einst (bis1484) die Residenz der böhmischen Könige. Von 1631 bis1777 wurde er als Alumnathaus gebraucht; gegenwärtig dienter als Grenadierkaserne. Nicht weit vom Königshofe erhebt
sich ein anderes großes Gebäude, ein ehemaliges Prämonstra-tenserhaus, in welchem sich seit 1793 das fr ei Welt adelicheDamen st ist befindet.
Zur äußersten Linken des Bildes tritt ein Theil desfürstlich Kinskyschen Palastes hervor, eines weitläufigen,durch geschmackvolle Architektur sich auszeichnenden Gebäudes,das um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von Jgn. Kil.Dinzenhofer und Anselm Lumagho erbaut, in der jüngsten Zeitaber erweitert und durch manigfache architektonische Verzie-rungen ausgeschmückt wurde.
Das Bild, welches uns zu so vielen historischen Bemer-kungen Anlaß gab und bei welchem noch länger zu verweilenwir hinreichenden Stoff hätten, ist aus einem Fenster des alt-städter Rathhauses aufgenommen. Dieses merkwürdigeGebäude bildet einen Theil der Westseite des altstädter großenRinges und steht folglich der Theinkirche gerade gegenüber. —Vor dem Jahre 1338 hatte Prag kein Rathhaus besessen; dieSchöppen und Rathsmitglieder versammelten sich von Wochezu Woche abwechselnd bald in dem einen, bald in dem andernBürgerhause. Erst in dem genannten Jahre kauften die alt-städter Schöppen von dem Bürger Wolflin a Ispicks sein demTheinhof gegenüber liegendes Haus und begannen sogleich denBau des Rathhauses, welchen Kaiser Karl IV., damals nochMarkgraf von Mähren, durch seine häufige persönliche Anwe-senheit sehr förderte. Eine Feucrsbrunst (am 6. December1399) und die Vernichtungswuth der hussitischen Unruhenmachten manchen Umbau und manche Veränderungen nothwen-dig, die, da sie zu verschiedenen Zeiten und nicht immer mitRücksicht auf Harmonie des Ganzen geschahen, dem Rathhausedas Gepräge der buntesten Stylverschiedenheit ertheilten. All-mälig und besonders, als im Jahre 1784 die besonderen Ma-gistrate der einzelnen Prager Städte in einen zusammengezogenwurden, mußte dieses Gebäude, ohnedieß auch schon wegen sei-ner vielen Treppchen und Kreuz- und Quergänge äußerst un-bequem als viel zu eng und beschränkt erscheinen, ein Nach-theil, der in den letzten Decennien sich immer fühlbarer machte.Deßhalb wurde vor zwei Jahren der größte Theil des altenRathhauses mit einigen anstoßenden Gebäuden niedergerissenund ein neuer Rathhausbau begonnen. Zwei Fronten desneuen Rathhauses sind bereits bis auf Kleinigkeiten ausgebaut.Der neue Bau hat bei vier Geschossen nur zwei Reihen hoherund weiter Spitzbogenfenster, so daß immer je eine Fenster-reihe zwei Stockwerke erhellt. Von der Mitte der dem alt-städter Ring zugekehrten Fronte wird ein auf Säulen ruhenderBalkon herausgehen und unter diesen die k. k. Militärhaupt-wache verlegt werden. Dieß neue Gebäude ist in altdeutschemStyle erbaut, um des Einklanges mit einigen Theilen willen,die man ihrer herrlichen Architektur wegen vom alten Bauebeibehielt. Ein solcher Ueberrest ist die in den schönsten Ver-hältnissen (1381) erbaute Marienkapelle in einem gothischenEckthürmchen; ferner der große Thurm, die astronomische Uhr,das schöne Portale an der Südfronte u. m. a. Von demThurme hatte man irrig behauptet, daß er bereits im Jahre1974 erbaut worden sei. An seine Südseite lehnt sich untendas 1490 vom Meister Hämisch verfertigte berühmte Uhrwerk,