Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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King mit der Thkin Kirche," zeigt uns in ihrem Vorder-grunde einen Theil dieses Platzes, der in älteren Zeiten größergewesen sein mag, da es scheint, als hätten der große undkleine Ring nur einen einzigen Platz gebildet. Seiner Größewegen wurde er häufig zu feierlichen Turnieren benutzt, dar-unter eines der glänzendsten jenes war, welches König Johannam 24. Februar 1321 gab, bei welchem aber dieser ritterliche,abenteuerliche König vom Pferde stürzte und im Getümmel vonHufen getreten ward, so daß er kaum mit dem Leben davonkam. Auch unter Rudolph II. noch wurden viele glänzendeTurniere auf dem altstädter Ringe gegeben; doch wenige Jahredarauf ward derselbe Ort der Schauplatz ernsterer, tragischerDramen. Auf den 21. Juni 1621, wo auf dem altstädterRinge vor dem Nathhause viele Herren aus den ältesten Adcls-geschlechtern hingerichtet wurden, kommen wir bei der GeschichtePrags zurück; deßhalb erwähnen wir hier blos einer zweitengroßen Hinrichtung, welche am 16. November 1632 ans demaltstädter Ringe stattfand, und zwar an 17Officieren und Ge-meinen (darunter kein einziger Böhme), welche in der Schlachtbei Lützen feldflüchtig geworden waren. Im Vordergrunde desBildes zeigt sich ein im mittelalterlichen Style gehaltenes Kunst-werk, ein Brunnen aus rothem Marmor, der den Buchstaben0 vi auf seiner mittlern Säule zufolge der Zeit Karls VI. an-gehört. An seiner Außenseite sind in 12 durch Figuren ge-trennten Feldern die 12 Himmelszeichen in halb erhabenerArbeit angebracht, die beiden Säulen sind zierlich gearbeitetund reich mit Figuren und Arabesken geschmückt. Theils durchVernachlässigung, theils durch die Belagerungen, welche Pragin der Mitte des vorigen Jahrhunderts erlitt, wurde derBrunnen bedeutend beschädigt, doch soll er nächstens hergestelltwerden. Die hohe Maricnsäule, welche der Beschauer un-sers Bildes rechts von dem rothmarmornen Brunnen erblickt,ließ, wie ein lateinisches Chronogramm an dem Fußgestellcderselben bezeugt, im Jahre 1656 Ferdinand III. zur Erinne-rung an die Befreiung Prags von der schwedischen Belagerungerrichten. Auf der Basis standen sonst schützend vier Engel;der eine derselben wurde 1757 durch eine preußische Bombezerschmettert.

Der Hauptgegenstand dieses Bildes aber ist die Thein-kirche, ein ehrwürdiger gothischer Bau, dessen Giebel undschlankes herrliches Thurmpaar die vorn stehenden Häuser hochüberragt. Schon gegen das Ende des IX. Jahrhunderts hatteBorziwog, der erste christliche Herzog Böhmens, an dieserStelle eine Kirche erbaut, die nach mancherlei Umbauten zu-letzt von Karl IV. vergrößert und reich beschenkt wurde. Dochblieb, als im Jahre 1467 die wohlhabenden deutschen Kauf-leute in Prag (gegen 1266 an Zahl) die gegenwärtige Kircheerbauten, von dem ältern Gebäude nichts als die heutige Tauf-odcr Maricnkapelle übrig. Die beiden Thürme ließ Georg vonPodiebrad hinzufügen, und in einer Nische des Giebels seinlebensgroßes Standbild mit gezogenem Schwerte und darübereinen großen von innen und außen dick vergoldeten Kelch auf-stellen. Nach der Schlacht am weißen Berge wurde Kelch undStatue weggenommen, und an die Stelle der letztcrn das Ma-rienbild, welches man noch jetzt dort sieht, gesetzt. Im Jahre

j 1819 wurde der Aufsatz des linken Thurmes durch einen Blitz-strahl niedergebrannt und geschmolzen, jedoch in den Jahren1835 und 1836 in seiner frühern Gestalt hergestellt. Inder Geschichte der hussitischen Unruhen spielt diese Kirche einenicht unwichtige Rolle, da sie die Hauptkirche der Utraquistcnwar und der in die Ereignisse seiner Zeit mächtig eingreifendeJohann Nokycana und später der unruhige Gallus Cyaheraderselben als Pfarrer vorstanden. Nokycana war auch in die-ser Kirche bestattet worden, doch wurden nach der Schlacht amweißen Berge seine Gebeine ausgegraben und auf dem Kirch-hofe hinter der Kirche verbrannt. Das Aeußere der Kirchemacht, obwohl sie mit den reichen Verzierungen der altdeutschenBaukunst nichts weniger als überladen ist, eben durch einfacheGröße einen ergreifenden Eindruck; doch schadet ihrer Massen-wirkung sehr, daß die Hauptfronte durch davorstehende Häusertheilwcise verdeckt ist, und ihre Seiten, weil sie an enge Gassengrenzen, von keinem Punkte aus überblickt werden können. DieWölbung der Kirche ist hoch und kühn. Unter den Sehens-würdigkeiten des Innern befinden sich sehr viele Altarblättervon dem bekannten böhmischen Maler Skrcta, der sich aufeinem derselben (einem heiligen Lukas, wie er die heil. Jung-frau malt) selbst portraitirte. Von Grabmalen enthielt dieKirche einst sehr viele; doch wurde eine große Anzahl derselben1721 bei einer Erneuerung des Kirchenpflasters weggeschafft.Von den hier gebliebenen ist jenes des dänischen AstronomenTyche de Brahe, der auf dem Steine in ganzer Ritterfigurabgebildet ist, das merkwürdigste, und diesem zunächst das vonMatth. Reysck erbaute Mausoleum des utraqnistischen BischofsAugustinus Lucianus (j- 1493), das später (1664) zu einemAltar der Prager Maler-Confratcrnität benutzt wurde. DieGebeine des Bischofs wurden 1623 zugleich mit jenen Ro-kycana'ö verbrannt. Ein sehenöwcrthcs Kunstwerk ist auchan der Außenseite der Kirche über dem linken Seitencingange,ein schönes aus dem Mittelalter stammendes Basrelief in Stein,welches die Leiden Christi vorstellt, und zwar rechts die Geiße-lung, links die Krönung mit Dornen, in der Mitte die Kreu-zigung; unter letzterer kniet die Jungfrau Maria flehend vordem ungerechten Richter.

Fahren wir in der Beschreibung des Bildesder großeRing mit der Thcinkirchc" fort. Das Gäßchcn, welches wirlinks neben der Thcinkirchc sehen, führt zu dem The inHofe,nächst dem Wyschehrad der ältesten Residenz der Prqgcr Her-zoge und Könige, nach einigen Chronisten im Jahre 866 vonKrzezomysl angelegt. Noch im XI. Jahrhunderte bildete dießGebäude ein besonderes ummauertes Quartier, das bereitsaußer den Thoren der Altstadt lag, und noch heute ist es zumTheil ein für sich abgeschlossenes Ganze, dessen Hofraum 16Bürgerhäuser enthält. An dem Gebäude, das jetzt als-Mäd-chenschule dient, sieht man sowohl in der Banart als der ver-blichenen Malerei der Wände zahlreiche Spuren eines in frühereJahrhunderte reichenden Ursprungs. Der Name des Thein-hofes wird von dem böhmischen Worte Izniti, umzäumcn (ebenwegen seiner besonderen Ummauernng) abgeleitet; der zweiteName, Ungeld, den der Theinhof ebenfalls noch heute führt,stammt aus den Zeiten König Johannes, der dieses damals