dische Kugel abgeschossen wurde. Zu seinen Füßen ruht dasWappen der Stadt und ein Löwe, der seine Beute verzehrt.
Ehrwürdig und alterthümlich, wie die Brücke selbst, sinddie aus mächtigen Quadern erbauten Thürme, welche anbeiden Endpunkten dem grandiosen Baue als Widcrlage undStützpunkte dienen. Von beiden ist der Altstädter zwar derjüngere, aber stattlichere und in Prags Geschichte bedeutungs-vollere. Durch sein Fallgitter vertheidigten im Jahre 1K48die Prager Studenten, Bürger und Juden die Altstadt gegendie Schweden. Die Festigkeit dieses Thurmes nicht minder alsdie Tapferkeit seiner Vertheidiger retteten damals Prag, jaganz Böhmen. Eine lateinische Inschrift an der Westseite desThurmes erinnert noch an dieß welthistorische Ereigniß. Derganze Thurm war vor dieser Belagerung mit zahlreichen Ver-zierungen altdeutscher Baukunst geschmückt, jetzt sind ihm vonjenem Schmucke fast nur noch an der Ost- (d. i. der Altstadtzugekehrten) Seite einige steinerne Bildsäulen, die Wappensämmtlicher ehedem zu Böhmen gehörigen Länder u. dgl. ge-blieben. Aelter als der altstädter sind die zwei kleinseitner,durch einen doppelten mit Zinnen bewehrten Schwibbogen ver-bundenen Brückenthürme; sie mögen bereits von der Wladisla-wischen Brücke herrühren und in späteren Zeiten (unter Georgvon Podiebrad) einen Umbau erlitten haben. Einer Schilde-rung bedarf die Bauart der Brückenthürme nicht; die beilie-genden Ansichten *) verdeutlichen sie besser, als die detaillirtesteBeschreibung es könnte.
Unzähligemal wurde die Prager Brücke mit andern, vor-züglich mit der Dresdner Brücke, in Parallele gestellt, undwenn man dabei auch die Eleganz der Dresdner Brücke nichtin Abrede stellen kann, so gebührt dagegen der Präger derweit wichtigere Vorzug der Festigkeit und großartigern Wir-kung. Wenige Brücken können sich aber der Prager gleich-stellen in Betreff der Aussicht, welche man von dieser aus ge-nießt. Einen imposanten, überraschenden Eindruck muß auf denFremden ein Gang über diese Brücke hervorbringen, sowohlwegen des grandiosen Romantismus, der in dem Ensemble derGebäudemasse Prags ausgeprägt ist, als wegen der pittoreskenAnmuth der Landschaft, die sich, vorzüglich stromaufwärts, denBlicken öffnet. Der breite Strom mit seinen laubreichen In-seln und seinem regen Leben, die bald bewaldeten, bald villen-und gartcnrcichen Hügel, die nackten Felsen, die hier und daaus dem Strome aufragen, reihen sich zu einem reizvollenBilde, das sich im Süden mit den bläulichen Bergen an derVereinigung des Beraun- und Moldauthales recht freundlichund ahnungsvoll abschließt.
Bis in die neueste Zeit besaß Prag — wenn man einpaar hölzerne Brücken, welche sich über einzelne unbedeutendeMoldauarme spannen, nicht in Anschlag bringt — nur dieeine, die von Karl IV. erbaute Brücke. Erst in der Gegen-wart gesellt sich zu ihr eine zweite, eine Kettenbrücke, ebenso elegant und modern, als jene imposant und alterthümlich.Repräsentirt erstere das bei Kraft und Stärke etwas plumpe
*) Jrrthümlich führt die den altstädter Brückenthurm darstellende,die Unterschrift: „der altstädter Thorthurm."
Mittelalter, so ist die zweite ein Bild der Neuzeit, welcheSolidität mit Zierlichkeit zu verbinden weiß. Ihr Bau nahtmit raschen Schritten seiner Vollendung. Der Leser sieht dieseBrücke auf dem Bilde, welches die Unterschrift führt: „DieUlrinsicitc mit den Zn sieln zu Prag." Sie führt von derNeustadt über die Schießinsel nach der Kleinseite, und bestehteigentlich aus zwei Brücken, welche in der Mitte der Schieß-insel durch eine gemeinschaftliche Wurzelbefestigung verbundensind. Von ihren vier Pfeilern erheben sich je einer auf jederSeite der Schießinsel, einer am Ufer der Neustadt, und dervierte am kleinseitner Ufer vor einem Theile der Stadtwälle.Die Höhe dieser Pfeiler beträgt 71 Fuß, ihre Breite, ohneEinrechnung der runden Vorpfeiler, 44'/», ihre Dicke 13 Fuß.Die Gesammtlänge der weitgespannten Brücke beträgt 1455Wiener Fuß, ihre lichten Zwischenweiten I2K0 Fuß. DieBreite der Fahrbahn mißt 29 Fuß, jene der Thoröffnungender Pfeiler 18 Fuß. Zu dem Baue wurden SSW CentnerSchmied-, 2509 Eentner Gußeisen und 200000 Kubikfuß Gra-nitblöcke verwendet. Der Bau, der am 18. April 1839 be-gann und wie gesagt, bereits seiner Vollendung entgegcnschrei-tet, wird auf Actien geführt, unter der Oberleitung eines Ver-eines, an dessen Spitze Herr Joseph Mathias Graf von Thun-Hohenstein steht.
Wir gehen nun zu der Beschreibung der einzelnen Stadt-theilc über.
1. Die Altstadt.
Wir haben diesen Stadttheil, der, am rechten Ufer derMoldau liegend, südlich und östlich von der Neustadt begrenztwird, bereits als den Sitz des Prager Handels und als denlebhaftesten aller Prager Stadttheile bezeichnet. In den vor-züglichsten Gassen und Straßen, namentlich in der Jesuiten-gasse, auf dem altstädtcr Ringe, in der Eisen- und Zeltner-gasse, findet man Laden, Gewölbe, Magazine dicht an einander,alle an Eleganz im Innern und Aeußern mit einander wett-eifernd. Noch mehr Lebhaftigkeit, doch weniger Eleganz, zei-gen die Schwefelgasse, der Judcntandelmarkt, das Brückel, woKleinhändler und Trödler aller Art ihre Buden, Boutiquenund Gestelle aufgeschlagen haben ferner der Kohlmarkt undder Obstmarkt, auf deren ersterem jeden Vormittag Landleutcaus der Umgebung Victualien aller Art feilbieten, währendman auf letzterem einen großen Theil des Jahres hindurchhinreichend Gelegenheit findet, den ungemeinen ObstrcichthumBöhmens zu studiren. Die Straßen der Altstadt sind größten-thcils eng, winklig, die Plätze unregelmäßig, klein, die Häuserhoch — Alles verräth ihr hohes Alterthum. Doch ist bereitsmancher Schritt zur freundlicheren Modcrnisirung geschehen,mancher enge Platz, manches schmale Gäßchen wurde erweitert,alte finstere Häuser werden durch zierliche neue ersetzt, undvorzüglich längs des Ufers wird die Altstadt in Kurzem durchAnlegung des Franzensquais ein ganz anderes, jüngeresAcußere gewinnen.
Von den 17 Plätzen der Altstadt ist der große Ring —ob-wohl sehr unregelmäßig — doch der regelmäßigste und der größte.Eine von unseren Ansichten, unterschrieben: „Der grosse