Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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zeugt hatte, aufgeführt. Da jedoch Prag aufgehört hat, eineFestung im strengen Sinne dieses Wortes zu sein, so wurdeein großer Theil der Wälle, z. B. auf der Ostseite der Neu-stadt vom Porzitscher bis zum Blinden Thore, dann beimSandthore, mit Anlagen bepflanzt, welche seither als Prome-naden um so größere Beliebtheit gewannen, als sie neben demVortheile der Nähe und reiner Luft auch reizende Aussichts-punkte über die romantische Häusermasse Prags und in dieanmuthige Umgebung gewähren. Stadtthore besitzt Pragacht, und zwar führen vier: das Porzitscher-, das Neu-,das Roß- und das Korn thor, alle von der Neustadt aus,nach Osten, zwei: das Wyschehrader (vom Wyschehrad)und das Augezder (von der Kleinseite) nach Süden, dasStrahöwer Thor nach Westen und das Sand- oderBrüsk a thor (beide letztere vom Hradschin aus) nach Norden.Das oben erwähnte sogenannte Blinde thor (auf der Neu-stadt, nicht fern vom Kornthore) ist, seit es unter der Regie-rung Kaisers Leopold I. gesperrt wurde, blos dem Namennach ein Thor.

Die Stadttheile oder sogenannten Hauptviertel Pragshaben wir bereits angeführt. Unter diesen ist der Hradschinder prächtigste, aber menschenleerste; die Kl ein seite ausge-zeichnet als Sitz der meisten Landcsstellen und am reichsten anPalästen; die Altstadt als Centralpunkt des Handels undder vorzüglichsten Bildungsanstalten der lebhafteste; dieNeustadt der jüngste, eleganteste, größte, aber zugleich unaus-gcbauteste. Die Judenstadt, welche zwar zur Altstadt gezähltwird, aber ihrer besondern Numerirung und ihrer Eigenthüm-lichkeiten wegen als eigener Stadttheil betrachtet werden kann,ist der relativ bevölkertste. Von den zwei Vorstädten Pragsliegt das Karolincnthal (mit lkl Häusern und 6214Einwohnern) am nordöstlichen; der Smichow (mit 196Häusern und 4939 Einwohnern) am südwestlichen Ende derStadt. Der Wyschehrad (mit 75 Häusern und etwa 1799Einwohnern) liegt innerhalb der Prager Stadtmauern amsüdlichen Ende der Neustadt.

Als Hauptstadt des Königreichs ist Prag der Sitz desOberstburggrafen von Böhmen, des k. k. Landesguberniums,des k. k. Generalkommandos, des k. k. Appellationsgerichts,des k. k. Landrechts, der k. k. Kameralgefällenverwaltung undmehrerer anderer Stellen. Auch ist Prag die Residenz einesErzbischofs und der Sitz der ältesten Universität in Deutschland.

Eine der großartigsten Zierden des an kolossalen Bau-werken. so überreichen Prags ist die steinerne Moldaubrücke.Auf sechzehn weiten Bogen spannt sie sich in einer Länge von262 Klaftern kühn über den Strom, imponirend durch ihreehrwürdige Alterthümlichkeit und durch ihren massiven festenBau. Sie ist so wie die Thürme, welche ihre beiden End-punkte schirmen ganz aus Quadern erbaut, und diese, wieder Mörtel, den man bei diesem Bau verwendet, widerstan-den bereits zweimal (1648 bei der Invasion der Schweden,1744 bei der Belagerung durch die Preußen) allen Anstren-gungen, welche, das Erstemal durch die Bürger, das Zweite-mal durch die Besatzung Prags gemacht wurden, einen Theilder Brücke zu sprengen. Keine der Brücken, welche vor dieser

die beiden Moldauufer mit Prag verbanden, hatte sich so festwie diese erwiesen. Eine der Sage nach von Herzog Mnataerbaute war nur von Holz und konnte dem damals sehr reißen-den Strome nicht lang widerstehen. König Wladislaw I. ließdaher in den Jahren 1171 1174 durch einen italienischenArchitekten eine festere Brücke erbauen, die auch dritthalb Jahr-hunderte allen Anstrengungen trotzte, bis im Jahre 1342 einEisstoß etwa zwei Drittheile derselben niederriß. Noch jetztsieht man bei sehr niederem Wasserstande Ueberreste der Pfeilerdieser alten Brücke, und ein Gewölbe, welches, über einenschmalen Moldauarm sich spannend, einen Theil des Kreuz-herrnstiftes trägt, soll einer der Bogen dieser alten Brückesein. Zu der gegenwärtigen Brücke legte Karl IV. am 9. Juni1357 den Grundstein. Peter Arleri von Gemünd, ein Archi-tekt, dessen Namen wir noch öfter erwähnen werden, leitetezuerst diesen Bau, der von der Altstadt aus etwa bis in dieGegend des Crucifires gediehen war, als der Ausbruch desHussitenkrieges den Weiterbau hinderte. Erst unter Wladis-law II., im Jahre 1593 kam der Bau der Brücke zur Voll-endung. Die größte Beschädigung, die sie seither erlitt, wardie vom Jahre 1784, durch einen Eisstoß, dem an Furchtbar-keit kein späterer gleich kam. Er erschütterte die Brücke undihre Pfeiler in solchem Grade, daß ein Aufwand von mehrals 159999 Gulden nöthig wurde, um ihre frühere Festigkeitwieder herzustellen.

Zu beiden Seiten der Brücke läuft ein massives Geländeraus Quadersteinen, neben welchem sich 26 steinerne und 2eherne Standbilder erheben. Sie stammen meist aus dem erstenViertel des XVIII. Jahrhunderts, und sind von den KünstlernProkoff, Mcndel, Braun, Jäkel, Kohl, Meyer und Neureutengearbeitet. Den meisten Kunstwerth spricht man den Statuender heil. Jgnaz von Lojola und Franz Borgias von Prokoff,der Statue der heil. Ludgarde von Braun (nach Ideen PeterBrandels) und dem Philippus Benitius (aus weißem Marmorvon dem salzburger Hofbildhauer Mendel) zu. Alle Bildsgulentragen an der Basis Wappen und Namen ihrer Stifter. Einerfrühern Zeit als diese Bildsäulen verdankt das bronzene Stand-bild des böhmischen Landespatrons St. Johann von Nepomukseinen Ursprung. Es wurde bereits im Jahre 1683, also 46Jahre vor der Canonisation dieses Heiligen, aufgestellt und istein Werk des Nürnberger Glockengießers Herold, der es nacheinem Modelle von Rauchmüller und Prokoff goß. Die Basisist mit Scenen aus dem Leben des Heiligen en das reliek ge-schmückt. Zu dem Feste dieses Heiligen (16. 'Mai), welchesacht Tage lang gefeiert wird, strömen alljährlich viele Tau-sende von Wallfahrtern aus allen Gegenden nicht nur Böh-mens und Mährens, sondern auch tief aus Ungarn und Po-len. Auch das große metallene Crucifir, im Jahre 1797neu aufgestellt, ist eine kunstreiche Arbeit. Nicht unerwähntdarf, wo von den architektonischen Merkwürdigkeiten der Pra-ger Brücke gesprochen wird, die für Künstler und Altcrthums-forscher gleich interessante Prunzliksäule bleiben, welchevon einem der auf der Insel Kampa ruhenden Brückenpfeileraufragt. Ihre Spitze trägt einen Ritter, dessen Oberkörper,von den Hüften aufwärts, im Jahre 1648, durch eine schwe-

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