Den malerischsten Anblick gewähren unstreitig der Hrad-schin und die Kleinseite, beide am linken Moldau-Ufer. Ineinem Halbkreise umwindet sie der Höhenzug: er bildet einenBogen, als dessen Sehne die Moldau betrachtet werden kann.Der eine Theil dieses Bogens, der Laurenzberg, ist an seinemGipfel mit einer zackigen Mauer wie mit einer Bürgerkronegeziert, vor dieser zeigt sich ein freundliches Kirchlein, undGärten, Villen, Weingärten schmiegen sich an die ziemlich ab-schüssig sich senkenden Abhänge. Ernster, imposanter ist dieandere Hälfte des Bogens: auf ihr thront in majestätischerGröße und Ruhe der Hradschin mit seiner Kaiserburg und sei-nen Palästen der ältesten Geschlechter des Landes. Und zwi-schen dem Hradschin und dem Laurenzberge eingeschlossen erhebtsich terrassenförmig die Kleinseite aus dem Thalkesscl, der beideBerge trennt, bis hinauf gegen das Stift Strahow, das mitseiner langen, weißen Fronte freundlich von der Höhe in dieStadt hinabblickt. — Nicht so malerisch ist die Lage der Alt-stadt, welche, und mit ihr ein großer Theil der Neustadt, voneiner Krümmung der Moldau umschlungen, fast ganz eben liegt.Gegen Süden erst und thcilweise auch gegen Südwesten steigtdie Neustadt allmälig und immer sichtlicher an, und die Grup-pirung wird immer pittoresker. Auf dem Kamme des Bergesprunken stattliche weitläufige Gebäude. Der Berg senkt sich,weit höher als er anstieg, auf einer Seite gegen die Moldau,auf der andern in das Thal des Botitzbaches hinab, das vonentgegengesetzter Seite der schroffe Wyschehrad begrenzt.
Die Felsart, auf welcher Prag steht, ist mit Ausnahmedes Laurenzberges (Quadersandstein und Plänerkalk) fast durch-gängig Grauwackenschiefer, der an vielen Stellen innerhalb derStadt, z. B. Wyschehrad, an der Skalka und vorzüglich schönim Bruskahohlweg, nackt hervorbricht.
Die Moldau, welche bei den Felsen des Wyschehradzuerst die Stadt berührt, und sie in einer Strecke von 3218niederösterreichischen Klaftern durchfließt, hat 2 Stunden, bevorsie in Prag eintritt, die Beraun (bei Königsaal) und 4 Stun-den oberhalb Prag (gegenüber von Dawle) die Sazawa auf-genommen. In der Stadt selbst nimmt sie zwischen dem Wy-schehrad und der Neustadt den Botitzbach und unterhalb desHradschins den kleinen Bruskabach auf. Die Breite des Flus-ses ist sehr verschieden, so mißt selbe z. B. beim WyschehraderFelsen 474 Fuß, weiter unten, wo sich die Moldau in mehrereArme zertheilt und seichter wird, 1398 Fuß, an der Brücke1944 Fuß. Das Gefälle der Moldau auf ihrem Laufe durchPrag beträgt 17^ 5", also 1^ auf ungefähr 19'/- Klafter.Ihrer äußerst ungleichen und oft sehr geringen Tiefe wegenist sie der Schifffahrt nicht günstig. Auch beschränkt sich dieseoberhalb Prag auf den Transport von Salz, Getreide, Holz,Bausteinen, Töpfergeschirr u. dgl. in großen, flachen Plätten.Erst unterhalb Prag legen kleine Elbeschiffe an, und in neue-ster Zeit hat man auch den Versuch gemacht, diesen Theil derMoldau mit einem flachen Dampfboote zu befahren, deren —da der Versuch gelang — im nächsten Jahre mehrere für dieFahrt zwischen Prag und Melnik (wo die Moldau in die Elbemündet) gebaut werden dürften. — Die Ufer der Moldau inPrag selbst sind mit einziger Ausnahme des Wyschehrad (wenn
man diesen zu Prag rechnen darf) flach, und deßhalb größten-teils durch Quais, worunter der im Bau begriffene Franzens-quai der bedeutendste, gegen das Austreten des Flusses geschützt.
Die Moldau bildet innerhalb der Stadt 6 Inseln: aufder größten derselben, der Insel Kampa, ist ein Theil derKleinseite erbaut, von der sie nur ein schmaler Flußarm trennt.Der größte Theil der Sophieninsel (ehemals Färberinsel)— welche erst zwischen den Jahren 1697—1635 entstanden zusein scheint, da man sie auf einem frühern, sehr genauen Pro-spekte noch nicht, und auf einem spätern noch ganz baumlossieht — ist als Belustigungsort dem Publikum gewidmet undsehr besucht. Ihre Ufer bieten manchen entzückenden Aussichts-punkt. Die eleganten, geschmackvollen Anlagen und Bau-ten, welche jetzt ihre Fläche einnehmen, wurden zwischen denJahren 1835 — 1837 durch den Besitzer dieser Insel, HerrnW. Nowotny, ins Dasein gerufen. Unter den Gebäuden zeich-net sich in der Mitte der Insel vorzüglich die Restaurationdurch ihr schönes Portale und einen großen Saal aus, inwelchem im Carneval die elegantesten, besuchtesten Gesell-schaftsbälle abgehalten werden. Schattige Linden und Kastanienschmücken den obern Theil der Insel bis zu einer bedecktenWandelbahn, welche die Restauration und die Bäder von denFabriksgcbäuden scheidet. — Etwa 299 Schritte westlich liegtdie Schieß- oder Schützeninsel, ehemals der kleine Wasser-hof oder auch Klein - Venedig genannt. In früherer Zeit vielbesucht wegen ihrer schattenreichen, breitästigen Linden- undKastanienalleen, wird sie an Besuchern nunmehr dadurch nochgewinnen, daß die neue Kettenbrücke über dieselbe führt. Auchdiese Insel ist dem öffentlichen Vergnügen gewidmet, nur dersüdliche Theil derselben dient der Prager Schützengesellschaft alsSchießstätte. — Die übrigen innerhalb der Stadt liegendenInseln (die Hickischische und zwei Mühlinseln) sind nicht vonBedeutung.
Nachdem wir so eine übersichtliche Skizze der Lage Pragsgegeben, wollen wir über dessen Umfang, Flächenraum, Um-gebungen u. dgl. einige Daten anführen, und hierauf mit einerBeschreibung der Prager Brücke beginnend zur Schilderung dereinzelnen Stadttheile und ausgezeichnetsten Bauwerke übergehen.
Bei einem Flächcnraum von etwas über '/« mMeile hatPrag einen Umfang von 3/. Wegstunden. Auf diesem Raume,von welchem aber die Befestigungswerke und der Flußspiegelfast ein Drittheil wegnehmen, liegen 55 größere und klei-nere Plätze, 249 Gassen und 3285 Gebäude, unter welchenman 55 (nicht aufgehobene) katholische Kirchen und Kapellen,15 Klöster, 2 protestantische Bethäuser, 19 Synagogen und12 Kasernen zählt. Thürme schmücken Prag 82. Die Zahlder Bewohner beträgt ohne jene der Vorstädte und die etwa7999 bis 8999 Mann starke Garnison 112965 Individuen.Die Stadt ist ringsum mit starken Mauern, Wällen, Bastio-nen und mit -Graben umgeben, die nur durch die Moldauunterbrochen werden. Ein kleiner Theil dieser Schanzwerkerührt noch aus den Zeiten Karls IV.; meistens wurden dieFestungswerke erst nach dem dreißigjährigen Kriege, in welchemman sich von der Schwäche der früheren Befestigungen über-