318
Wedel.
Wedel, die Grafen und Herren von.
Das uralte Dynastengeschleckt der v. Wedel gehört zum vornehm-sten Adel in den Marken und in Pommern. Einer viel erzäldten Sagenach soll zur Zeit Karls des Grossen, und zwar im Jahre 810, eindeutscher Ritter das zu Soltwedel in der Altinark zu Ehren der Sonneaufgestellte Bildniss des heidnischen Gottes Wedel zerstört und davon denNamen erhalten haben. Wenn wir diese Erzählung nur als Sage bezeich-nen, so ist es doch sicher, dass das Wappenbild der v. W., das Rad,in dem sich der Rumpf eines Mannes beiindet, in Beziehung zu einemBilde jenes Götzen steht, der auf der Brust ein Rad trug, und wirpilichten daher gern einigen Autoren bei, welche diesen Umstand dahindeuten, dass dieses vornehme Geschlecht durch Macht und Ansehen,wie durch Beispiel, zur Verbreitung des christlichen Glaubens sehrviel beitrug, und dadurch den Götzendienst und das Heidenthum in je-nen Landschaften, wo es begütert war, verdrängte. — Als das älte-ste Stammhaus der Familie wird das Städtchen Wedel in der Neumarkbezeichnet, wo noch heute die letzten Trümmer der Wedelburg zusehen sind, während dieselbe auch viele andere Städte, Schlüsser undDörfer besass, namentlich Falkenburg, Scliievelbein, Callies, Nörenberg,Reetz. Die letztere Stadt verdankt der Familie ihren Ursprung. Diev. W. erbauten daselbst i. J. 1354 die Katharinenkirche. — Der reicheGrundbesitz dieses Hauses gab einem Kreise von Pommern den Na-men. Dieses alte, vornehme Geschlecht gehörte zu dem Adel, dersich mit am spätesten entscldoss, seine Besitzungen als Lehen vonden Landesherren anzunehmen. In Pommern sind die v. W., wie wirschon an andern Orten angeführt haben, Scldoss- und Burggesessene,und viele alte Edelleute waren Afterlehnsleute dieses Hauses. — Auchin Polen, Preussen, Dänemark und in andern Ländern haben sichZweige dieses alten Stammes ausgebreitet. — In Polen erscheinenzuerst die v. W. als Herren auf Schloppe. — In Dänemark gelangteGuslau Wilhelm v. W. aus der preuss. Linie zu den höchsten militai-rischen Würden, und nahm nach seiner Herrschaft Jarlsbeig den Na-men Graf Wedel zu Jarlsberg an. — Eine andere Linie dieses Hausesin Dänemark, deren Stifter der Bruder des genannten Feldmarschallswar, wurde mit dem Zunamen v. Wedelsburg in den Grafenstand er-hoben. — Von preussischer Seite erhielten die gräiliche Würde Au/onFranz v. W., königl. preuss. Kammerherr, Geheimer Rath und llof-richter, am 21. Januar 1776, und Leopold Maymis Gottloh v. W., Land-jägermeister im Herzogthume Schlesien. Ein Enkel des letztern, GrafAlfred Karl Joachim v. Maltzan, Herr von Gr. - und Kl.-BresaiuSchlesien, dessen Mutter die Tochter des genannten Landjägermeisterswar, erhielt am 23. Febr. 1833 die königl. Bewilligung, den Namenund das Wappen der gräflich v. W.'schen Familie dem seinigen hin-zuzufügen. — Endlich erhielt Karl Friedrich v. W. auf Hanseberg,königl. preuss. Landrath, im Jahre 1806 die Erlaubniss, den Namenund das Wappen des alten ausgestorbenen Geschlechtes v. Parlow demseinigen beifügen zu können. Aus dieser Linie ist der gegenwärtigeLandrath des Kreises Angermiinde, v. Wedel-Parlow auf Güntherberg.— Noch in der Gegenwart besitzen die v. W. ansehnliche Güter inden Marken pind in Pommern, von denen wir hier nur nennen denRittmeister und Landschaftsrath, Ritter des eisernen Kreuzes auf Ma-rienhagen ; ferner den Landschaftsrath Adolph v. W. auf Braunsfort,den Major und Klostervoigt zu Marienfliess v. W. auf Vossberg, undden v. Wedelburghagen auf Pumptow. Blankensee, Crempzow, Fiir-stenssee, Repplin, Teschendorf, Kanneberg, Schönebeck, Pegelow, Veh-