Druckschrift 
1,1 (1839) Historisches und genealogisches Adelsbuch des Königreichs Württemberg
Entstehung
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

Adelmann.

109

die Bauern bei ihrer ersten Zusammenrottung bei Schorndorf(am 15. April 1514) zu besänftigen und sie, obschon nur aufkurze Zeit, von ihrem böswilligen Vorhaben abzubringen.

Im Jahr 1550 brachte die Familie kaufsweise von dem RitterHans Schenk von Schenkenstein das an Neubronn und Schechin-gen grenzende Gut Hohenstatt an sich, worauf die Familie sichneuerdings in die drei Linien zu Hohenstatt, Schechiugen undNeubronn theilte. Aus lezterer war Wilhelm v. A. 1574 Ober-hofmeister des herzoglich wiirttembergischen Hauses, auch Vogtzu Thannenbürg. Seine Linie erlosch jedoch mit Ende des 17.Jahrhunderts, und da bald darauf auch Georg Sigismund ausder Hohenstätter Linie als der lezte männliche Sprosse starb,so überkam das Gesammtbesizthum auf dessen Vetter, Wilhelmv. A. (geb. 1581) zu Scheebingen, welcher Obervogt zu Schorn-dorf und mit Anna Maria von Degenfeld vermählt war. Allein die vonGeorg Sigismund hinterlassenen Töchter erhoben Ansprüche we-gen des Erbes ihres Vaters an Wilhelm; es entspann sich daherzwischen ihnen ein Rechtsstreit, der damit endigte, dass Wilhelman jene das Gut Neubronn abtreten musste, in welches sich jeztdie Familien Plieningen und Wöllwartli theilten, da die eine vonGeorg Sigismunds Töchtern an Georg von Plieningen zu Neuen-Schaubeck und Hohenstein, die andere an Reinhard von Wöll-wartli vermählt war. Auch von dem übrigen Familienbesiztliumging im Verlauf der Zeiten Melireres , theils durch Heirathen,tlieils durch Entäusserung in andere Hände über, so dass sichdasselbe, mit Ausnahme einiger Höfe und Rusticalgiiter, schonin der andern Hälfte des 17. Jahrhunderts auf die RittergüterHohenstatt und Schechiugen beschränkte, welche auch heutzu-tage noch ein Eigenthum der Familie sind.

Aus des leztgenannten Wilhelms Nachkommenschaft verdie-nen noch einer besondern Erwähnung dessen Enkel JohannChristoph und Wilhelm. Jener (geb. 23. Juni 1640) widmetesich dem geistlichen Stande und zeichnete sich in diesem rühm-lich aus; schon 1666 wurde er zum Dechant des fürstlichenStiftes Ellwangen und später als dessen Vice-Statthalter erwählt;1671 wurde er als Dechant des Hochstiftes Augsburg und 1674als Fürst und Propst wieder nach Ellwangen berufen, welcheWürde er puch bis zu seinem 1687 am 26. Aug. erfolgten Ab-leben bekleidete. Er ist der Erbauer des palastähnlichen Adel-mänuischen Hauses in Ellwangen, auch verdankt ihm die beidieser Stadt auf dem Schönenberg gelegene prachtvolle Wall-fahrtskirche zur heiligen Maria von Loretto ihr Daseyn. In sei-nem Testamente bedachte er die Armen mit seltener Freigebig-keit, und schenkte dem Capitel seine ansehnliche Bibliothek undmathematischen Instrumente, deren Werth auf 18,000 Gulden an-geschlagen wurde. Wilhelm war in die väterlichen Güter succe-dirt, durch ihn kam das Erbmarschallamt des Fürstenthums Ell-wangen an seine Familie, welches ihr bis nunzu als wiirttem-