XVI
Württemberg.
Amtssiz und dessen allmähliger Verwandlung in erblichen, reichs-lehenbaren oder alodialen; noch weniger durch Eroberungen, undnach Verhältniss auch wenig durch Heiratli und Erbanfall; viel-mehr aus einem kleinen freien Landeigenthum, das durch diekluge Beniizung der Zeitumstände und die wohlberechnete Spar-samkeit seiner Beherrscher schon zu Ende des 15. Jahrhundertszu einem der ansehnlichsten Fiirstenthümer Schwabens heran-wuchs.
Der Nachfolger Ulrichs des Stifters war sein Sohn Elier-liai'rt I. (nach Andern der II., weil sie als Ulrichs I. Vater,Eberhard I. nennen) zubenannt der Erlaucht'e), der mit seinemBruder Ulrich II. bis an dessen Tod (18. Sept. 1279) in Ge-meinschaft regierte. Ihm widerfuhr in dem Lauf einer fünfzig-jährigen Regierung, welche er als vierzehnjähriger Knabe unterVormundschaft seines Oheims des oben erwähnten Grafen Hart-mann, in einer durch Kriege und Fehden stark und vielfach be-wegten Zeit, antrat, ein seltener Wechsel von Glück und Unglück.Nachdem er wider drei Kaiser (Rudolph von Habsburg, Adolphvon Nassau, Albrecht von Oesterreich) gefahrvolle Kriege und Feh-den, mit Ehre und ohne Länderverlust bestanden hatte , unterlager, von Kaiser Heinrich VII. in die Reichsacht erklärt, der Mengeseiner Feinde; von Land und Leuten vertrieben , von seinen Va-sallen , wie von seinen vornehmsten Städten und Untcrthnnenverlassen, ward er endlich gezwungen bei seinem Schwager, demMarkgrafen von Baden, Zuflucht zu suchen. Nach des Kaisersunvermuthetem Tode erhob er sich aber so glücklich, dass ernicht nur alles Verlorne wieder erlangte , sondern auch das Fa-milienerbe, durch Zuwachs an Land, Leuten und Einkommen, um dasDoppelte vermehrte. Durch Kauf erwarb er Nürtingen, Neufen, Mar-bach, Asberg, Rosenfeld, die ansehnliche Herrschaft Hohenstaufenmit Rudersberg und Ebersbach, halb Brakenheim, so manche Burg,so manches Dorf. Da die Burg Württemberg verwüstet, das Fami-lienbegräbniss in dem Stift Beutelsbacli durch feindliche Barbareizerstört worden war, verlegte er grösserer Sicherheit wegen denlandesherrlichen Wohnsiz und das Stift nach Stuttgart (1321),wo auch bis nunzu seine Nachfolger residirten. Bereits]hochbetagt,wurde er noch in eine Fehde mit seinem Schwager, dem Mark-grafen Rudolph von Baden verwickelt, deren unglücklicher Aus-gang ihm den Abend seines glanzvollen Lebens so sehr trübte,dass er bald darauf (17. Juni 1325) starb. Wie Ulrich demStifter, so gebührt auch dem Sohne Eberhard der Ruhm, aufseinem Wege mit kräftiger Beharrlichkeit fortgewandelt zu seyn;namentlich wichtig ist das bei seinen Länderankäufen (er ver-wandte gegen 80,000 Pfund Heller auf den Ankauf von Län-dereien) stets beobachtete System, aus seinen Besizungen einmöglichst geschlossenes Ganze zu bilden , ein System , welchesauch seine Nachfolger nicht ausser Acht Hessen. Durch Staats-kluglieit wie durch Tapferkeit war er unter den Fürsten seiner Zeit