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2 (1840)
Entstehung
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selbst den von Westen hersteuernden Schiffen eine gefährlicheSpitze dar. Ihm gegenüber liegt das neue Lazarcth oder dieQuarantäne-Anstalt, mit einem eigenen Haftn für jene Schiffe,welche aus Gegenden, die wegen der Pest verdächtig sind,kommen und die Contumaz halten müssen. Von diesem Punkteaus sollte sich der zweite Arm des Hafens ausstrecken, zumSchutze gegen die furchtbare Vora (schneidender N. O. Wind),inzwischen schützet die Höhe der nahen Gebirge das dem Haftnzunächst gelegene Meer vor der größten Wuth des Sturms.Vom Haftn aus läuft ein schöner gemauerter Canal, in denJahren 1752 und 1753 von Maria Theresia gebaut, einigehundert Schritte weit in die Neustadt hinein; über denselbenführt eine schmale angestrichene Brücke (deßhalb auch die rotheBrücke, ponie rosso genannt), bei welcher die größten bela-dencu Kauffartheischiffe sicher vor Anker liegen und zu derenbeiden Seiten große Waarenmagazine angebracht sind.

Werfen wir nun noch einen Blick auf die Geschichte vonTrieft, um den früheren Zustand dieser Stadt mit dem gegen-wärtigen vergleichen zu können. Trieft ist das altrömischeDergostum oder DerKsste, welches anfänglich als Municipal-stadt, dann später nach der Ueberwindung von Jstricn durchScmprouius als eine Militärkolonie erscheint. Aus dieser erstenZeit seiner Geschichte stammen außer einer Wasserleitung, dieUeberrcste eines römischen Amphitheaters, welche in der Nenn-gasse der Altstadt unter der Erde vorgefunden wurden. UnterConstantin dem Großen gehörte Trieft zum weströmischen Reiche,nach den Verheerungen der Völkerwanderung aber zum oströ-mischen Reiche. Im sechsten Jahrhundert wurde es der Sitzeines Bisthums. In der Folgezeit wurde es von den Longo-barden und endlich von Karl dem Großen erobert, der es mitdem Herzogthum Friaul vereinigte. Noch steht unweit der Je-suitcukirche auf dem Richards Plätzchen (?ia?otta <Ii Uiecarilo),wo der Sage nach das Gefängniß des bei Aquileja gefangenenRichard Löwenherz gewesen sein soll, der sehr wohl erhalteneTriumphbogen, welcher Karl dem Großen, bei seiner Rückkunftaus Jstrien, errichtet wurde. Durch Kaiser Lothar I. kam dieStadt als Schenkung an die Bischöfe von Trieft, bis einer vondiesm im I. 949 das Eigenthumsrecht wieder an die TriestinerGemeinde verkaufte. Hatte Trieft schon vorher, besonders durchdie zerstörenden Einfälle der Slaven und (im 9. Jahrhundert)der Saracenen, Vieles leiden müssen, so hörten diese Leiden jetztkeineswegs auf, indem es von jener Zeit an der Zankapfel derbenachbarten Staaten, Baierns, Aquileja's und besonders Vene-digs wurde. Indeß behauptete Trieft mit abwechselndem Glückeseine Unabhängigkeit, bis es sich endlich selbst im Jahre 1382durch eine Deputation an den Herzog von Oesterreich, Leopoldden Frommen, unter den Schutz des österreichischen Sceptersbegab. In Folge dieser freiwilligen Uebcrgabe behielt die Stadtihre sämmtlichen alten Freiheiten, wurde von Kaiser Karl VI.,im Jahre 1719 zum Freihafen erklärt, von Maria Theresiaselbst, sowie von den folgenden Kaisern auf die mannigfachsteWeise begünstigt und endlich von Franz I. im I. 1813 mit demTitel dergetreuesten Stadt" geehrt. Unter der milden öster-reichischen Regierung ist Trieft nicht nur nach und nach der ersteund wichtigste Handelsplatz der ganzen österreichischen Monarchiegeworden, sondern erhebt sich selbst mehr und mehr zu einem

Hauptstapelplatz des Welthandels, weßbalb auch fast alle europäischcn HandelSnationcn daselbst ihre Consule unterhalten. Oester-reich, Böhmen, Mähren, Ungarn, Schlesien, das innere Deutsch-land und die Schweiz senden ihre vornehmsten Erzeugnisse undFabrikate hierher, von wo sie zn Wasser nach Italien, Spanien,Portugal, nach der Levante, nach Nordamerika und in die ent-ferntesten Gegenden von Asien und Afrika verführt werden, undebenso führen sie wieder aus diesen Gegenden die manuigfalt g-sten Artikel ein. Die Hauptwichtigkeit Triests als Handelsplatzliegt unstreitig aber darin, daß es als der wahre Stapelort derProducte der Levante, sowie wiederum der Bedürfnisse dieserGegenden an europäischen Erzeugnissen zu betrachten ist.

Betrachten wir nun das allmähligc Emporkommen des Trie-stiner Handels mehr im Einzelnen, so möchten die Hauptmomentewohl folgende sein. Der Handel Triests datirt von der seinerErklärung zum Freihafen durch Karl VI., im Jahr 1719, alsdie Stadt nur erst 5390 Einwohner zählte. Im Jahr 1749wurde aller Transit von jederlei Abgabe befreit. Im Jahr1759 wurden sogar ausländische Erzeugnisse von aller Mauth-untersuchung und Bezollung befreit, wenn die Aus- oder Ein-fuhr über Trieft geschähe; was aber natürlich wieder abkam.Hierauf hob der zunehmende Verfall von Venedig, sowie dieSicherheit der österreichischen Flagge, da seit 1783 die Bar-baresken jeden Schaden vergüten mußten, so sehr, daß währenddes russisch-türkischen Krieges, wo sich der Gesammthandel desschwarzen Meeres hierher zog, an einem Tage, den 24. Deebr.1797, dreißig beladene Schiffe einliefen. Damals betrug dieEin- und Ausfuhr jährlich 400,090 Centner zu Lande, undstieg noch 1797, als die Sperre der meisten Seehäfen durch denRevolutionekrieg auch den Hamburger Handel mit der Levantenach Trieft zog. Die Stadt zählte jetzt schon 30,000 Einwohnerund 10,000 Fremde. Der Wendepunkt dieser günstigsten Epochewar das Jahr 1804, zur Zeit der Contincntalsperre, welche inTrieft nicht statt fand. Die Einfuhr betrug an 31, die Aus-suhr an 24'/, Millionen Gulden. Die Schläge des französi-schen Krieges, endlich die französische Zwischcuregierung traf denHandel Triests hart genug; die Erpresst ngcn betrugen alleingegen 54 Millionen Franken! Trieft war 1812 auf die Ein-wohnerzahl von 1777, etwa 20,000, herabgesuukcn; der Han-delsbelang betrug nur über 2 Millionen au Ein- und Ausfuhr.Mit dem Nückfalle an Oesterreich 1813 beginnt von neuem dieEpoche des Aufblühens von Trieft, welches seit 1819 im fort-währenden Steigen ist, obwohl es nicht fehlen konnte, daß einigeHandelszweige bedeutend herabgckommen waren; so namentlichdas Monopol, der österreichischen Eisenwaaren in der Levante;auch weil Südcuropa während der Contincntalsperre durch Nuß-land, Schweden und Frankreich überflügelt ward. Man suchtedemgemäß nunmehr neue Handelswcge auf; die kaiserliche Fre-gatte Carolina segelte 1820 mit Quecksilber nach China, zweiTriester Kaufleute das Jahr darauf nach Ostindien. DerKapitän Leva von Lussin war seit 1835 schon dreimal mitseiner Brigantine Ferdinands in Chili, und erhielt für seinenUnternehmungsgeist die goldene Ehrenmcdaille. Seine wichtig-sten Erwerbungen aber waren der Handel mit Brasilien, mitAcgppten, dessen halbe Baumwollenernte nach Trieft geht, undmit Griechenland seit dessen Wiedergeburt. Die Staatsverwal-