tung begünstigte Trieft fortwährend auf die mannigfaltigste Weise;die Konsulargcbühr in Konstantinopel (Oottimo) wurde auf-gehoben und dieselbe in die Teoante herab gesetzt; 1829 wurdealles Transitogut, welches von der österreichischen Seeküste ein-buchte, vom Durchfuhrzolle befreit; die Küstenschifffahrt wur-de auf die ganze Nordküste des mittelländischen Meeres, diejonischen Inseln und das ganze Gebiet des griechischen Staatesausgedehnt; Handelsverträge wurden geschlossen mit Brasilien,Nordamerika, England, Marokko, und neuerdings auch wurdenamentlich von England die wichtige Begünstigung erwirkt, daßösterreichische Schiffe inländische Erzeugnisse in alle auswärtigebrittische Besitzungen und deren Produkte wieder in alle fremdeLänder führen dürfen. Unter diesen Umständen erreichte derHandel eine solche Höhe, daß in den Jahren 1823 bis 1832im Durchschnitte 6334 Schiffe mit 319,496 Tonnen auöliefenund in den Jahren 1833 bis 1835 jährlich an 5274 mit324,091 Tonnen ankamen und 4739 mit 303,670 Tonnen ab-gingen. Zwar wirkten in den letzten Jahren die politischenVerhältnisse des Orients, Mißjahre in Aegypten und den Län-dern am schwarzen Meere, Pest und Cholera etwas nachtheiligein, so daß 1835 nicht mehr als 4391 Schiffe mit 305,403Tonnen einliefen. Seitdem ist aber die Zahl wieder im erfreu-lichen Steigen, denn 1837 sind im Ganzen 4428 Schiffe mit122,844 Tonnen Fracht ein- und 5102 mit 343,466 Tonnenausgelaufen. Sehr erfreulich ist insbesondere das Anwachsender österreichischen Handelsmarine; denn von 1833 an stieg dieZahl der hiesigen Handelsschiffe, welche ausliefen, von 430 auf727; und ebenso wichtig ist das Steigen der Ausfuhr. InTrieft bildete sich kürzlich ein eigener Actienverein zur Ausfuhrinnerösterreichischcr Produkte. Den Geldwerth der jährlichenEinfuhr für das Deccnium 1814 bis 1823 kann man imDurchschnitte auf 32,517,073, im folgenden aber (1824 bis1833) auf 36,240,699; den Werth der Ausfuhr im ersten Zeit-raume auf 24,900,937, im zweiten aber schon auf 32,541,753annehmen. Die stärkste Einfuhr fällt auf 1832 mit 50^, diegeringste auf 1819 mit 21'/, Millionen; die stärkste Ausfuhrauf 1833 mit 36°/,, die geringste auf 1820 mit 18 MillionenGulden.
Nicht in gleichem Verhältniß stieg die Jndustriethätigkcitvon Trieft; wie es denn überhaupt eben so wenig wie andereSeeplätze eine große Fabrikstadt ist. Sehr, wichtig ist hier vorAllem die Fabrikation von Oelseifc. Trieft hat drei Fabrikendafür, unter denen jene von Chiozza und Söhnen zu dengrößten in Europa gehört. Ihre 125 unterirdischen Oelbchälterfassen 12,000 Eimer nnd sie erzeugt jährlich 15,000 Centner,könnte aber bis 120,000 Centncr liefern. Außerdem giebt esFabriken von Rosoglio (von vorzüglicher Qualität), Seilwerk,Wachskerzen, Weinstein und Leder; auch finden sich natürlicher-weise alle übrigen städtischen Gewerbe, manche in vorzüglicherAusbildung, vor. Sehr ausgezeichnet ist die Schiffswerfte Pan-fili, deren Fahrzeuge den Ruf großer Dauerhaftigkeit besitzenund bereits inö Ausland gehen, da sie 30 bis 35 Jahre See
halten, während die englischen nur 20. Im Jahr 1838 liefenin Trieft 27 Schiffe vom Stapel, wounter das größte hier bis-her gebaute, der schöne Dreimaster „Elisabeth" war. Diemercantilische Bedeutung Triests wird nicht wenig durch dievortreffliche nautische Schul- und Nealakademie befördert, welcheaus der ehemaligen (1754) von ddn Jesuiten gestifteten nauti-schen Schule, an welcher nur ein einziger Lehrer alle Gegen-stände vortrug, im Jahr 1816 hervorgieng und 20 Lehrkanzeln,eine Naturaliensammlung, vier Schiffs- und Maschinen-Modelleund eine Sammlung physikalischer und chemischer Apparate besitzt.
Was das öffentliche Leben betrifft, so herrscht in Trieftschon italienische Sitte; das Hauptvolksfest ist daher auch derCorso im Carneval, bei welchem man bereits an 400 Equi-pagen zählt und rechnet, daß um 15,000 st. Consetti verbrauchtwerden. Sehr besucht sind die Kaffeehäuser, jenes de Locandagrande bleibt die ganze Nacht offen. Die Oper ist gut, aberdas Schauspiel schlecht. Eigentlich hat Trieft vier Theater,das alte und neue, das Tagstheater und das (1827 erbaute)Amphitheater.
Auch an Spaziergängen ist kein Mangel, die Kunst hatAußerordentliches geleistet, um den früherhin öden und rauhenUmgebungen einen freundlicheren Charakter zu verleihen. Mitgroßen Kosten wurde namentlich Erde auf Schiffen herbeigefahren,um die noch vor ungefähr 70 Jahren nackten Hügeln, welchedie Stadt umgeben, gartenmäßig anpflanzen zu können, so daßdiese jetzt mit ihren geschmackvollen Villen und reizenden Gärteneinen höchst malerischen Anblick gewähren. Die gewöhnlichenPromenaden im Sommer sind die Alleen des Agandotto, welche264 Klafter lang, 60 breit sind und mit Gas beleuchtet wer-den; im Winter fährt man auf der neuen schönen Straße nachAndrea. Auch hat Trieft seinen Prater, das anmuthige Wäld-chen, Boschctto, im Thale von St. Johann, welches neuerdingssehr verschönert wurde.
Entferntere Orte sind: San Servola (Sommerresidenz desBischofs von Trieft, berühmt durch sein Aeußeres), Sollina (mitden Ruinen des Bergschlosses Seroelo und die Grotte des heil.Servules), Opchina (Dorf auf der Höhe des Karstgebirgcs, woder Reisende zuerst das Meer erblickt), Duino (Dorf mit klei-nem Hafen, Bcrgschlosse und Park des Grafen Thurm, reizendeAussicht, einer Höhle und Brüche schwarzen Marmors), Por-fecco (berühmt durch seinen Wein), Carniale (in einer ange-nehmen Ebene, 1 Stunde weit von der gleichnamigen herrlichenGrotte mit merkwürdigen Tropfsteingebilden), Santa Crace mitMarmorbrüchen und (gegen Nobcsina) zwei Gedächtnißständevon istrischcm Marmor, welche die „getrcucste" Stadt Trieft1816 dem Kaiser Franz errichten ließ) -c. Zu Wasserfahrtenwerden die nächsten Orte der istrischcn Küste benutzt; insbeson-dere Muggia (Maja), Stadt und Hafen mit 1400 Einwohnernan der kleinen gleichnamigen Bucht, mit gutem Weinbau unddem Bergschosse Altmuja, in dessen Kirche, sowie im Marktesich römische Alterthümer finden.