Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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T r i e s t.

priest, Hauptstadt in Jllyrien und wichtigster Seehandels-platz in Oestereich, liegt an dem nach ihr benannten Busen desadriatischen Meeres, in einem von angenehmen Hügeln gebil-deten Halbkreise; theils eben, theils an den Abhängen des iso-lirten Schloßbcrgcs. Die Stadt wird von zwei Wildbächcn(Torrcnte), Scorcola und Klutsch, durchströmt, welche bei Hoch-wasser eine große Menge Gerölle mit sich führen und den Ha-fen vertragen. Sie wird in die Altstadt, Neustadt oder Therc-sienstadt, Josephsstadt und Franzensvorstadt eingetheilt, und zähltgegenwärtig wohl über 64,000 Einwohner (mit dem Militär),welche größtenthcils Deutsche und Italiener sind, worunter sichaber auch viele Griechen und Engländer befinden.

Altstadt, nennt man den an den nördlichen und westli-chen Abhängen des Schloßberges oder Tiber angebauten Theilder Stadt, welchen man auf einer, Trieft gegenüber liegendenAnhöhe, durch seine schwarzen Gemäuer sehr deutlich von derNeustadt unterscheiden, am besten aber von dem runden Walledes Kastcls überblicken kann. Ehedem war sie mit einer hohenRingmauer umgeben, von der aber jetzt nur noch zwei Thorestehen. Sie beträgt etwa ein Viertel der ganzen Stadt undzählt 4t enge, krumme und schmutzige Gassen, welche größtenTheils aus unansehnlichen Gebäuden bestehen, und wovon nurdrei: die Nenna, Crosada und der Riborgo für Fuhrwerke zu-gänglich find. Bei Regenwetter ist hier der Fußweg an denHäusern, durch die derbe Traufe aus den hervorragenden Dach-rinnen und in der Mitte der Straße, durch die herabströmcn-den Wasserströmc, ungangbar.

Die bemerkenswcrthesten Plätze find hier, außer dem klei-nen Altstädterplatze, der sogenannte große Platz und der Thea-terplatz. Der große Platz, einer der schönsten Plätze Triests,liegt am Fuße der Altstadt gegen das Meer hin und dienthauptsächlich zum Verkauf von Früchten und andern Victualien.In der Mitte desselben erhebt sich die große Fontäne, welcheim Jahr 1751 nach dem Modelle des Architekten Mazzolinierbaut wurde und mit Figuren geziert ist, welche auf den Han-del und die Schifffahrt anspielende Flußgötter darstellen. ZurSeite dieser Fontäne steht eine 26 Fuß hohe Säule, welche imJahr 1728 aufgestellt worden ist und die Statue des KaiserKarl VI. (im Kaiserlichen Mantel) trägt. Den Platz selbstumgeben die Pcterskirche, das Rathhaus, das Kreis- und Po-lizeiamt, die weitläuftigcn Gebäude der Locanda grande (eingroßes Gasthaus, welches auf Kosten des Aerariums erbautworden ist) und das alte Theater mit einfach edeln Balconenund reichem Gesimse.

Auf dem Theaterplatz, welcher sich nordwestlich vomgroßen Platze in geringer Entfernung befindet, stehen das Gu-bernialhauö und das, nach dem Plane des italienischen Bau-meisters Selva gebaute, große neue Theater, dessen Fronte

von dem deutschen Künstler Pertch mit Säulen in jonischcrOrdnung geziert wurde; es steht von allen Seiten frei und hatdie Hintere Fronte gegen den Hafen gekehrt. Die innere Ein-richtung ist sehr gut ersonnen; denn es vereinigt mit dem Thea-ter, welches in 5 Stockwerken 154 Logen hat, einen großenGasthof alla Citta di Londra genannt, den Rcdoutesaal, einKaffeehaus und mehrere Ladcngcwölbe.

Der an den großen Platz und die Neustadt gränzende Theilder Altstadt enthält die Kirche der evangelischen Gemeinde Augs-burgischcr Confcssion, fast im Mittelpunkt der Stadt, mit einemmarmornen Altar, woran noch das Marienbild des Rosenkran-zes, in Basrelief unversehrt erhalten ist, und einem Grabmaledes ehemaligen dänischen Consuls, Heinrich Dumreichcr auscararischem Marmor; sodann die Judenstadt mit einer neuen,in passendem Stple gebauten, Synagoge. Auf einer mäßigenAnhöhe steht die Jesuitenkirche, fast mitten in der Altstadt, miteiner erhabenen Faeade und Säulen in korinthischer Ordnung,worin die Predigten in italienischer Sprache gebaltcn werden;und unfern derselben jene der rcformirten Gemeinde.

Von hier führt ein ermüdender Weg durch enge, schmutzigeGassen dem Schloßbcrg hinan zur Schule, zum Hospitale, zurDomkirchc und zum Kastelle. Die Domkirche zum heiligenJustus, dessen Gebeine auch daselbst ruhen, ist ein im Stpleder St. Marcuskirche in Venedig gleiches Gebäude, dessen Acu-ßercs auch wegen der vielen eingemauerten römische» Alterthü-mer merkwürdig ist (der Thurm ist über den Resten eines römi-schen Tempels (Triumphbogens?) erbaut); das Innere aber,welches 25 Schritte lang und 28 breit und durch vier Säulenreihen in drei Schiffe getheilt ist, ziert jetzt, außer dem mar-mornen Hauptaltare, das schöne Grabmal, welches Dr. Rosettidem berühmten Alterthumsforscher Winckelmann (ern. 1768 zuTrieft) hier errichten ließ. Das Kastell, von dicken Mauernund tiefen Gräben umgeben, verdankt seine Entstehung KaiserFriedrich III., ward aber im Jahr 1813, durch die Hartnäckig-keit des französischen Commandanten, fast zur Ruine. Gegen-wärtig befindet sich, außer einigen Wachtstuben, hier nichts alseine Batterie zur Salutirung der in dem Hafen einlaufendenSchiffe; aber die sich von dem Plateau des Kastells darbietendeherrliche Aussicht auf das Amphitheater von Bergen und Hü-geln, welches diese Seestadt umgiebt, auf das Meer und dieBucht von Muggia wird diese Ruine zu allen Zeiten des Be-suches der Reisenden würdig machen. Am AbHange des Bergesliegen die Friedhöfe, worunter der zu St. Anna in gutem Stpleneu angelegt ist und eine schöne Kapelle in Form einer Rotundebesitzt; auch der griechische Friedhof hat eine hübsche Kapelle.

Die Neustadt oder Theresienstadt, welche auf einer(seit 1719) dem Meeresgrund abgewonnenen Fläche steht, wirddurch eine breite Straße (Contrada del Corso) südlich und östlich