sind. Der Ursprung von Innsbruck liegt, wie der so vieler an,dem deutschen Städte aus dem Mittelalter, fast ganz im Dunkel;Legenden und unverbürgte Traditionen kann ich um so wenigerberücksichtigen, als zu deren Sichtung mir bei weitem zu wenigRaum gegönnt, auch dieselbe nicht eben allgemein interessant seinund am Ende doch zu keinem genügenden Resultate führen dürfte.Am wakrscheinlichsten ist die Vermutbnng, daß in der Nähedes uralten Klosters zu Wilten, unstreitig eine der ersten An-siedelungen nach dem Verfalle des römischen Reiches und denVölkerwanderungen zuerst eine Brücke über den Jnnfluß gebautwurde und an derselben sich nach und nach ein Ort bildete,woraus denn auch der Name Innsbruck (Oenopons) erklärlichwird. Doch schon im eilften Jahrhundertc tritt Innsbruck alsein, durch seinen Transitohandel wohlhabender Flecken aus demhistorischen Dunkel hervor. Otto I., Herzog von Meren (Me-ren war früher die Hauptstadt Tyrols), umfing (um 1230»zuerst Innsbruck mit Mauern, Gräben und Thürmen, begabtees mit besondern Rechten und Freiheiten und erhob es aufdiese Art nicht nur zu einer Stadt, sondern auch durch dieErbauung einer Burg zur landcsfürstlichen Residenz. Gleichwohlthätig wie sein Vorgänger^ bewies sich Herzog Otto II.,zugleich Pfalzgraf von Burgund, gegen die Stadt. Er be-stätigte ihr durch eine eigene vom 9. Juni 1239 datirte undin deutscher Sprache abgefaßte Urkunde die erlangtenRechte und Privilegien. Nach dessen Tode trat Albrecht, Grafvon Tyrol, in seine Besitzungen; dieser hinterließ bei seinemTode keine männliche Nachkommenschaft, somit beerbte ihnsein Schwiegersohn, Graf Mainhard von Görz, doch nichtals allein Berechtigter, denn Gebhard, Graf von Hirschbcrg,zweiter Gemahl der Wittwe Otto's II., erhielt 1254 die nörd-liche Hälfte des Landes und mit ihr auch die Stadt Inns-bruck. 1284 verkaufte er jedoch seine gesammten tyrolischenBesitzungen an Mainhard um 4999 Mark Silber. Mainhardstarb 1295 und König Heinrich von Böhmen, dessen jüngsterSohn, wurde 1311 durch den Tod seiner beiden Brüder Ottound Ludwig alleiniger Landesherr. Dessen einzige Erbtochter,die in der Geschichte vielbekanntc und mitunter berüchtigteMargaretha Manlbosch, folgte ihm mit ihrem Gemahle, demMarkgrafen Ludwig von Brandenburg, in der Regierung, der1349 eine große Versammlung der Landesedcln zu Innsbruckhielt, wodurch die erste tyrolische Landesordnung entstand.
Ludwig starb 1361 und dessen Sohn Mainhard III., schonI3K3, kaum 29 Jahre alt. Nun war Margaretha Allcin-regentin, allein in demselben Jahre noch übergab sie die Re-gierung, mittelst einer förmlichen Eessionsacte an die Herzogevon Oesterreich, Rudolph, Albrecht und Leopold, Enkel derKaiserin Elisabetb, ibrer Vatersschwester. Seit dieser Zeit ist
Tyrol Besitzthum österreichischer Fürsten, unter deren Sceptersich Innsbruck iminer mehr erbob und zu Ende des 15. Jahr-hunderts würdevoll in den Rang der deutschen Hauptstädtedadurch eintrat, daß die Monarchen Mariimlian I,, Karl V.und Ferdinand I. oft innerhalb seiner Mauern ihr kaiserlichesHoflager aufschlugen. Indessen wurde die Stadt Innsbruckund ihre Uingegend auch von manchem Unglücke keimgesucht.Zu Ende des Jahres 1564 rissen verderbliche Seuchen ein,1566 entstand eine so gewaltige Uebcrschwemmung des Jnn«stromes, daß man in der völlig unter Wasser gesetztenStadt mit Kähnen herumfahren mußte. Den 4. Januar1572 wankten auf einmal die Mauern durch ein fürchter-liches Erdbeben; vierzig auf einander folgende Stöße erschüt-terten die den Einsturz drohenden Gebäude und beschädigtenviele derselben bedeutend. 1611 wurde Innsbruck von einerpestartigen Krankheit heimgesucht, welche viele Menschen inkurzer Zeit dahinraffte; 1636 legte eine wüthende Feuersbrunstden größten Theil der Stadt in Asche.
Mit dein Tode des Erzherzogs Sigmund, den 24. Juni1665 erlosch der seit Erzherzog Ferdinand II., dein Gemahlevon Philippine Welser, in einer Reihe von 98 Jahren inInnsbruck residirende Stamm der eigenen Regenten Tyrols ausdem ErzHause Oesterreich und nun vereinigte Kaiser Leopold I.das Land mit den übrigen Erbstaaten, von denen es seit jenerZeit, mit kurzer Unterbrechung, eine der wichtigsten Provinzenals Vormauer der Monarchie bildet. 1669 entstand in Inns-bruck aufs Neue eine große Ucberschwcmmung; 1689 katte aber-mals ein furchtbares Erdbeben daselbst Statt. Wiederholte,heftige Erschütterungen rissen gewaltsam die Fugen der Ge-bäude aus einander und begruben viele Menschen nntcr demSchütte ihrer Häuser. Besonders wurde die kaiserliche Burg,der Stadtplatzthurm, dann die Domkirche nebst mehreren an-dern Gotteshäusern bedeutend beschädigt. Den 26. Juni 1793,im spanischen Erbfolgekriege, wurde Innsbruck von den Trup-pen des mit Frankreich verbundenen Kurfürsten MaximilianEmanuel besetzt, die es jedoch nach Monatsfrist wieder ver-lassen mußten. Den 15. März 1728 wurde die Burg denFlaminen zum Raube, jedoch bald wieder hergestellt. Unter derRegierung Maria Theresia's halte sich Innsbruck besondererBegünstigungen zu erfreuen. Die bereits 1672 gestiftete Uni-versität daselbst wurde in dem ehemaligen Jesuitencollegiumrcstabilisirt und das sogenannte OoUeAium nobilium gestiftet.Den 18. August 1765 starb Kaiser Franz I- plötzlich in derkaiserlichen Burg zu Innsbruck; Maria Theresia ließ in demZimmer, worin er verschied, eine Eapclle errichten. KaiserJoseph II. hob in Innsbruck mehrere Klöster auf, verwandelte1782 die Universität in ein Lyceum und bob auch das Ovll,-