Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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A n n s b r u r k.

Innsbruck, die Hauptstadt der gefürsteten GrafschaftTyrol, zeichnet sich sowohl durch eine höchst reizende Lage,als auch durch wichtige historische Erinnerungen aus, die beimAnblicke dieser Hauptstadt des getreuen Landes in uns regewerden. Sie liegt im Kreise Unterinnthal und Wippthal, inder größten Breite des Jnnthales, am Einflüsse des reisscndenSillbaches in den Jnn, über welchen Fluß zwei 70 Fuß langeBrücken führen.

Der erste Anblick der vom hohen Gebirge auf drei Seiteneng begränzten Stadt ist wahrhaft imposant und zeigt sich, be-sonders von Zierl her, durch seine ausgedehnte Lage, wegenseiner vielen Tburme und anstoßenden Dörfer, größer, als esin der Tbat ist. Es hat einen Flächenraum von 550,304 Ge-viertklaftern und mißt im Umfange 15,225 geometrische Schritte.Am rechten Ufer des Innstromes erhebe sich der historisch-merk-würdige Berg Jsel, 1809 zweimal der Schauplatz des Hcldcn-muthes der getreuen Tyroler und ikrer Siege, dann die in dervaterländischen Geschichte hochberühmle Burg Ambras, des rit-terlichen und romantischen Erzherzogs Ferdinand Aufent-haltsort mit scincr Gemahlin, der schönen PatricierstochterPhilippine wllscr; am linken Ufer des Stromes erhebensich schroff emporsteigende, fast 7000 Fuß hohe Felsenmasscn,die oft in den heißesten Sommermonaten noch mit Schneebedeckt sind.

Innsbruck theilt sich in die Alt- und Neustadt, welcheletztere schöner gebaut ist, in der Mitte eine schöne marmorne

Hier, wo Natur sich riesenhaft gestaltet,

Am Fuß der Gletscher, an dem klaren Jnn,

Wo noch der Väter Sitte einfach waltet.

Da lagert sich die Stadt und Brücke hin.-Innsbruck, das seit dem grauen AlterthumeDas Haupt von einem biedern Volke war,

Das treu und kräftig sich schon oft mit RuhmeGekrönt und opferte am Vaterlands Altar;

Hier hallen noch des Frohsinns reine LiederWie Lerchentöne von den Bergen wieder.

Säule, der heiligen Anna gewidmet (1703 erbaut), undzwei Brunnen enthält und hauptsächlich in einer sehr breitenjedoch nicht ganz geraden Straße besteht, die sich gegen Sü-den in ein schönes Thor, die Triumphpforte genannt (1765erbaut), endigt, auf welchem die Brustbilder von Maria The-resia, Franz I., Joseph II. und mehreren andern Gliedern derkaiserlichen Familie in Basrelief aus carrarischem Marmor an-gebracht sind. Mit Einschluß der Vorstadt Mariahilf, der obernund untern Jnnsbrucker-, St. Nikolaus- und Luiscnstraße zähltdie Stadt 574 Gebäude mit ungefähr 12,000 Einwohnern. DieHäuser sind größtenthcils ans Stein und zwar aus einer ArtBrecia erbaut, gewöhnlich, nach Art der ältern deutschen Städte,vier bis fünf Stockwerke hoch, doch im Ganzen von gefälligerBauart. Auf den größtentheils flachen, mit gemalten Schin-deln oder Brettern gedeckten Dächern sieht man noch häufig dievorzüglich in Dbcr-Jtalicn, namentlich in Venedig üblichenAltanen, Gallericn und Geländer, wohin eine Treppe empor-führt. Man nennt sie Feuerpumpe und benutzt sie zur An-bringung einiger Wasserbehälter zum Schutze gegen Feuers-gefahr, auch zum Genuß der Abende, der Aussicht undzum Trocknen der Wäsche, so daß Innsbruck oft an allgemei-nen Waschtagen dem ununterrichteten Reisenden von ferne denAnblick einer segelnden Stadt gewährt.

Ehe wir zur Beschreibung seiner vorzüglichen Baudenkmaleschreiten, wird es jedoch nöthig seyn, eine kurze Uebersicht seinerGeschichte zu geben, da jene damit auf das Innigste verbunden