Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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dciö sich, an eine jähe, mit dunkeln Tannen bewachsene Berg-wand lehnt, unter deren Schatten sich liebliche Pfade hinzie-lten. Die unter dem Namen Cäcilienberg bekannte Höhe bie-tet auf mehreren Punkten eine sehr überraschende Aussicht dar.Das Kloster Lichtenrhal ward 1245 gestiftet durch Irmcngart,die Gemahlin des Markgrafen Hermann von Baden, der 1243starb. Alsbald stieg das Kloster; mehrere Frauen des fürst-lichen Hauses ließen sich nach einander in dasselbe aufnehmenund zu Aebtissinncn erwählen. Im Orleans'schen Successions-kriege, der für die Stadt Baden so zerstörend war, entgingLichtenthal dem gleichen Schicksal, indem sich der wilde Melacdurch die Bitte einer frommen Klosterschwestcr bewegen ließ,ruhig mit seinen Schaarcn vorüber z» ziehen. Bei der Säku-larisation der geistlichen Stifter in Deutschland zu Anfangdieses Jahrhunderts wurden zwar die Güter eingezogen, dasKloster aber durfte fortbestehen, jedoch mit etwas veränderterEinrichtung. Die Nonnen, die ihr Gelübde nur auf drei Jahreablegen, und nach Verlauf dieser Zeit, wenn sie nicht anstrc-tcn wollen, dasselbe erneuern müssen, beschäftigen sich mit Klo-sterarbcitcn, Musik und dem Unterrichte der weiblichen Jugenddes Dorfes. Eine bestimmte Summe ist ihnen zum Unterhalteangewiesen. Die neue Klosterkirche ist nicht bedeutend; in deralten Kirche, neben dieser neuen, liegen mehrere Markgrafendes Baden'schen Hanfes begraben. Der letzte Markgraf, derhier beigesetzt wurde, war Rudolph der Lange, welcher 1372starb. Um das Kloster herum liegt, im Thale zerstreut, dasDorf Lichtenthal, an dessen Eingange sich die in neuerer Zeitviel besuchten Stahlbäder befinden.

Kaum eine Stunde von Baden liegt das alte Schloß,eine der herrlichsten Ruinen in Deutschland, wild bewachsenund die reichsten, schönsten Aussichten darbietend. Ein selbstzum Fahren bequemer Weg führt dahin. Die Zeit seiner Er-bauung ist unbekannt, wahrscheinlich aber fällt sie in das 10.,spätestens in das 11. Jahrhundert. Es war der alte Sitz derMarkgrafen von Baden, die es erst im 15. Jahrhundert nachAushörung des Bürgerkriegs verließen und das neuerbanteSchloß an der Stadt bezogen; 1689 wurde es durch dieFranzosen zerstört. Die bedeutenden Ruinen zeigen hinlänglichden Umfang dieser Burg, die jetzt durch ihre herrliche Lage,und die Aussicht iu die engen Thalschluchten hinab, wie aufdie weiten Ebenen des Rhcinthalö mit Recht die Blicke allerReisenden auf sich zieht. Das vorderste Thor ist noch mit demBadischen Wappen bezeichnet. Rechts ist ein Eingang in dieKellcrgewölbc, links sind noch die Spuren einer Kapelle.Tannen, Ulmen und Platanen legen sich aus den Fensterbogenund bilden ein Laubgewölbc über den Thorweg. Einige Schritteweiter wendet man sich rechts, eine kleine Höhe hinauf, wolinks auf einem gewaltigen Porphyrfels der Thurm mit demRondell in die Wolken schwebt, und geht rechts in den Ritter-saal, aus dessen Fcnsterbogcn das Auge eine Reihe der inter-essantesten Scenen überschaut. Noch kann man die höchsteZinne des Schlosses oder das Rondell besteigen; etwas müh-samer gelangt man in einige Gänge und zerfallene Gemächer.

Ueberall aber hat sich über diese Trümmer die üppigste Vege-tation verbreitet, um das alternde Gemäuer hat sich der grüneEppichschleier gezogen, aus dem Moos des Gesteins grünt stolzdie Tanne und die Rüster, und vom Fenstergesims herab strecktder Ahorn seine Arme aus.

Vom alten Schlosse führt ein kühler, freundlicher Wald-gang, eine gute halbe Stunde Wegs weit, zu den Ruinen derEbersteinburg (Alt-Eberstein), welche nahe dem Dorfegleiches Namens wie ein Adlernest am Fels hängt. DieseRuinen sind zwar nicht von großem Umfange, aber die freiereLage gestattet eine freiere und sehr schöne Aussicht. Man über-schaut von dem Gemäuer aus nicht nur das Rheinthal, son-dern auch einen Theil des Murgthals. Das Jahr ihrer Er-bauung ist unbekannt; vielleicht selbst war das Schloß ur-sprünglich ein Römercastell. In der Geschichte erscheint es alsSitz der von den Zähringern abstammenden mächtigen Grafenvon Eberstei». Im Jahr 1356 zerstörte Graf Eberhard vonWürtemberg die Burg Eberstein. Die Grafen bauten sie aberalsbald wieder auf; und aus dieser Febde entstand der berüch-tigte Schlegelkrieg, in welchem ein großer Theil des schwäbi-schen Adels sich zur Fahne der Ebersteiner schlug. Durch eineHeirath Markgraf Rudolphs erhielt das Haus Baden das ersteRecht auf die Burg und Grafschaft Eberstein. Im Jahr 1660starb das Haus aus, und die Markgrafen kamen nun in den Besitz.

Wir haben jetzt noch Einiges über das Schloß (Neu-)Eber stein zu sagen. Der Weg dahin führt von Baden ausin 2 Stunden über die Höbe in das Murgthal, eine der schön-sten Gegenden Deutschlands, welche in der mannigfachsten Ab-wechselung das Großartige und Furchtbare mit dem Anmutbigenund Lieblichen verbindet. Der Anblick von der Höhe herab aufdas unten an der Murg liegende Städtchen Gernsbach läßt sichkaum mit Worten beschreiben. Von Gernsbach führt die Straßezunächst längs der Murg hin zu einem kleinen Hügel, auf wel-chem eine alte, von stemmen Pilgern noch bcsnchtc Kapelle,der Klingel genannt, steht. Rechts hinter der Kapelle ziehtdurch den lichten Tannenforst eines fast senkrecht vom Uferaufsteigenden Berges ein böchst unmuthiger, breiter Weg, imZickzack zu der Burg Eberstein, die, wahrscheinlich im 13. Jabr-hundert erbaut, bis vor ungefähr drei Decenien noch in Rui-nen lag. Da ließ der verstorbene Markgraf Friedrich, zweiterSohn des verewigten Carl Friedrich, die alte Burg aus denTrümmern wieder erbauen, in gordischem Geschmack neu ein-richten und mit einer einfachen Gartenanlage umgeben. Schwer-lich möchte es in Deutschland eine Lage geben, die sich mit dervon Neu-Eberstein vergleichen ließe. Rückwärts schweift derBlick durch die Thalöffnung frei bis zu den fernen Vogcsenhin; lief unten liegt Gernsbach am brausenden Strome; auf-wärts erheben sich zwei Gcbirgsreihen in den abwechselndstenund kühnsten Gestalten; die Dörfer Ob ergroth, Hilpertsau undWeissenbach reihen sich, zum Theil unter Bäumen versteckt,an der Windung des Flusses hin; am hohen Granitufer liegtLangenbrand und von der waldigen Berghöhe blickt das ein-same Vcrmersbach herab.