Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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elegante Welt, der höhere Bürgerstand, der Adel, meist anchGlieder der kaiserlichen Familie. Gegen die Mitternacht vomMontag ans den Dinstag hört die tobende Lust allmählichauf, und die Tausende von Menschen wandeln gemüthlich undvergnügt nach Hause. Der Prater, dieser herrliche Lustwald,vom Ende der Jägerzeilc an durch K herrliche Kastanien-Alleendurchschnitten, deren eine, die sogenannte Hauptallee, 2500Klafter lang, mit 3 schönen Kaffeehäuser versehen ist und imFrühlinge an Sonntagen Nachmittags der eleganten Welt zuPferde, Wagen und zu Fuß zur Promenade dienend, bis andas jenseitige Ufer der Donau zu einem zierlichen Jägerhause,das Lustbaus genannt, führt, wo man Sommerszeit ebenfallsmit Erfrischungen bedient wird. Am glänzendsten stellt sichdiese Promenade Ostermontag Nachmittags dar, wo es hiervon den prachtvollsten Equipagen, und einer zabllosen Men-schenmenge wimmelt. Der von hier links liegende, sogenannteWurstclpratcr, ist für das Vergnügen der mittleren Classenberechnet, und bildet mit seinen zahllosen Gasthäusern, Ringel-spielen und Taschenspielerbäuschen, optischen und Marionetten-Theatern, Musik-Orchestern, Bänkelsängern und Improvisatorenaller Art, eine kleine bewegte Welt, in welcher sich jedenSonntag Nachmittags im Sommer der Volkshumor der Wie-ner am lebendigsten und ungezwungensten ausspricht. Hierfinden auch an bestimmten Tagen Feuerwerke Statt. Derübrige Theil dieses Naturparkes, der wilde Prater genannt,eine echte Waldgegend der herrlichsten Art, zum Theile Ur-wald, reich an Schönheiten üppiger Vegetation, mit Eichenund andern großen Bäumen bepflanzt, bildet in den Morgen-stunden die angenehmsten Spazicrgängc. Im Prater befindensich auch der schön gebaute Eircus Gymnasticus für Kunstreiter,ein Gebäude für Panoramen, an der Donau die Schwimm-schule, das öffentliche Freibad :c. unter den Gastbäusern sindbesonders jenes zum wilden Mann, und zum Papagei (vulxoPapcrl) beliebt. Jägerzeile, mit 4 Gassen, 6K meistens sehrgeschmackvoll erbauten Häusern, (besonders in der schönenPraterstraße, die breiteste inner den Linien), 2663 Einwohnernund einer Pfarrkirche zu St. Johann von Nepomuk (1780 er-baut). Diese Gegend hieß früher die Vcnediger Au; die Vor-stadt entstand erst um die Hälfte des vorigen Jahrbunderts,und nabm seit Eröffnung des PratcrS für das Publikum, anUmfang und Bevölkerung bedeutend zu. Das sogenannte Leo-poldstädter Theater, um 1780 erbaut, und Wiens komischerLokalmusc geweiht, befindet sich ebenfalls hier. Grundherr-schast: Die Scegen von Seegentbal'schcn Erben; Siegel: einrechts gebender Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Ge-wciben. Weißgärber am rechten Ufer der Donau gegendie Landstraße, mit 15 Gassen, 108 nicht sehr ansehnlichenHäusern, 1799 Einwohnern und einer Pfarrkirche zu St. Mar-garetha (1690 1746 erbaut, und weder von Innen nochAußen ausgezeichnet). Die Vorstadt wurde von den früherhier ausschließend wohnenden Weißgärbern, Lederern:c. so ge-nannt, die jedoch schon bei der ersten türkischen Belagerung1529 versprengt wurden, und ihren Platz den jetzigen Bewoh-nern, worunter sich sehr viele Küchengärtner, dann auch Fleisch-baucr:c. befinden, überließen. Sie ist ihrer Lage wegen auch

^ häufigen Ucbcrschwemmungeu ausgesetzt. Burgfriedensherrschastist der Wiener Magistrat; Siegel: zwei über einen Strauchspringende Böcke. Erdberg, ebenfalls am rechten Donau-Uferzwischen den Wcißgärbern und der Landstraße, früber auchErdbruch genannt, mit 25 Gaffen, 408 zum Theil recht netteuHäusern, 7171 Einwobnern und einer Pfarrkirche zu St. Pe-ter und Paul, (gegründet 1394, neu erbaut 1771, vor einigenJahren fast ganz neu und geschmackvoll wieder hergestellt).Diese Vorstadt war als Dorf schon unter den Babenbergcnals landesfürstliches Eigentbum urkundlich bekannt; hier wurde1190 König Richard Löwcnherz in der Verkleidung eines Ko-ches entdeckt und gefangen genommen; ibrer niedrigen Lage ander Donau wegen sind mehre Theile dieser Vorstadt ebenfallssehr den Uebcrschwemmungen ausgesetzt, wovon es 1644,1799, 1805, und besonders 1830 viel gelitten bat. Bedeu-tende Gassen sind: Die Hauptstraße, eine der längsten Gas-sen inner den Linien; die Rauchfangkehrcrgaffe. An merk-würdigen Gebäuden ist vor Allen das fürstlich Rasumoffs-kische Palais (1802 angelegt), mit dem schönen engli-schen Garten; das schöne Gebäude mit berrlichem Garten desKunstgärtners I. Rosenthal, Feldgasse 152; dann mehreschöne Privatgebäude mit herrlichen Gartenanlagcn auszuzeich-nen. Erdberg ist ein Freigrund unter magistratischer Grund-herrlichkeit; das gesucht analogisirende Siegel aber ist eineErdbeere. Landstraße, mit dem Rcnnwege und der Ungargasse,eine der schönsten und weitläufigsten Vorstädte mit 38 Gassen,645 Häusern, 26,995 Einwohnern, 3 Pfarrkirchen, jene zuSt. Sebastian und Rochus auf der Hauptstraße (1642 erbaut,mehrfach renovirt, früher den Augustinern gehörig); die Kirchezu Maria Geburt auf dem Rcnnweg (1786 1787 erbaut)und die zum Theile auch zur Mieden gebörige Pfarrkirche zuSt. Carl Boromä. Außerdem befinden sich hier: Die schöneKirche und das Kloster der Salesianerinnen am Rennwege(1719 durch die Kaiserin Amalie Wilhelmine erbaut); Kircheund Kloster der Elisabetherinncn mit ibrcm Spitale auf derHauptstraße (1711 erbaut); die kleine Kirche zum heil. Kreuzam Rcnnweg, 1755 erbaut); dann die schöne Kirche und dasKloßer der Redemptoristinnen auf dem Rennweg, (1834 neuim geschmackvollen altitalischen Style erbaut) und mebre Ca-pcllen, worunter jene im Bürgerspitale zu St. Marr (1410erbaut), mit dem schönen steincnen Tburm im altdeutschenStyle, (obschon erst 1627 erbaut); dann jene zur bciligcnTberesia im Reconvalesccntenbause der Barmberzigen auf derHauptstraße, die vorzüglichsten sind. An ausgezeichnet öffent-lichen und schönen Privat-Gebäuden mit trefflichen Gartenan-lagcn ist diese Vorstadt sebr reich; die merkwürdigsten dersel-ben sind: Das (18351836 vom Grund neu erbaute) schöneund weitläufige k. k. Münzgebände am Glacis und Canal;das herrliche k. k. Lustschloß Belvedere am Rennweg mit derk. k. Gemäldegallerie, der Ambraser-Sammlung und einem großenGarten im französischen Style; das kaiserlich (vormals gräfl.Harrach'sche) Privatgcbäude in der Ungargasse, mit einer Ea-pelle und einem der größten Obstgärten in Europa, herrlichenweitläufigen Gewächshäusern mit seltenen erotischen Pflanzenund Bäumen und einer Obstbaumschule; das fürstlich Liechten-