Die Häuser 97 bis 109 im oberen Theile der Vorstadt, diePnlvertburmgasse bildend, steben auf der Stätte des Pulvcr-thurmeS, welcher den 26. Juni 1779 mit einer furchtbarenErplosion, große Verbeerungen anrichtend, in die Luft flog.Grundberrlichkeit: Magistrat; Siegel: St. Jobann der Täu-fer. — Liechtcntbal, auch Wiesen genannt, da auf dieser Stellevor Zeiten eine große Wiese stand, ist ein uralt fürstlich Liech-tensteinisches Eigentbum, und zäblt in 13 Gassen und 211Häusern 7032 Einwohner mit einer Pfarrkirche zu den 14Nothbelfcrn, zu welcher Kaiser Carl VI. 1712 den Grundsteinlegte, wonach die Vorstadt Carlstadt genannt werden sollte;doch blieb dießmal die alte Gewobnbeit vorbcrrschend, und ibrder alte Name. Außer dem großen fürstlich Liechtenstein'schenBraubause, giebt es wenig ausgezeichnete Gebäude bier.Grundberrschafl ist, wie bereits erwäbnt, Fürst Liechtenstein;das gesuchte analoge Siegel: ein tiefes Loch zwischen zweiBerge», auf deren jedem ein Haus stebt, und zwischen wel-chen die Sonne scheint. — Altbanngrund, mit 16 Gassen,38 Häusern, 853 nach Liechtentbal eingepfarrtcn Einwobnern;hat seinen Namen von Gundacker Grafen von Allbann, wel-cher diesen Grund um 1700 zuerst bebaute. Der hier befind-liche Palast, gegenwärtig dem Freiberrn von Puthon gebörig,ist ein schönes Gebäude. Grundobrigkeit ist der Magistrat;Siegel ein links gehender Hirsch. — Roßau, am rechten Do-nauufer, früber der obere Werd, darauf die Fischcrvorstadtgenannt, soll ibren jetzigen Namen von einer daselbst vorhandengewesenen großen Pferdewcide erhalten haben. Sie zäblt17 Gassen, 172 Häuser und 6466 Einwohner mit einer eig-nen Pfarre der Servilen zu Maria Verkündigung, (welcheschon 1651 durch den Fürsten Octavio Piccolomini gegründet,aber erst 1770 vollendet und im Innern geschmackvoll verziertwurde, mit der sehr besuchten Eapelle zu St. Peregrin,4765 vollendet). An merkwürdigen Gebäuden findet manbier: Den schönen fürstlich Liechtenstein'schen Sommerpalastmit der herrlichen Marmortreppe, der schönsten in Wien,der reichen fürstlichen Gcmäldegallerie, und dem geschmack-vollen , obzwar nicht großen Garten, an dessen Endesich der erst vor einigen Jahren angelegte, durch seineEigenthümlichkeit überraschende Wintergarten befindet; die k. k.Porzellanfabrik, dann mehre schöne Privatgebäude. Ihrerniedrigen Lage an der Donau wegen ist diese Vorstadt beiEisgängen sebr den Ueberschwcmmungen ausgesetzt, und hatnamentlich 1830 viel gelitten. Grundobrigkeit ist der WienerMagistrat; Siegel: eine mit Gesträuch und Bäume bewach-sene Aue. — Leopoldstadt am linken Donauufer, zählt in47 Gassen 636 Häuser und 23,464 Einwohner. Ihrer tiefenLage und der Nähe der großen Donau wegen ist diese Vor-stadt bei Eisgängen am meisten in Gefahr einer Ueberschwcm-mung ausgesetzt, wie dieß besonders 1830 im hohen Gradeder Fall war. Sie hieß von der Zeit ihrer Entstehung, ur-kundlich um 1200, der untere Werd, und wurde 1620 vonKaiser Ferdinand II. den in Wien zerstreuten Jsraeliten zumausschließenden Aufenthalte angewiesen, wodurch sie den Na-men Judenstadt annahm. Die Juden hatten daselbst eineSynagoge und eine» eigenen Judenrichtcr; 1669 vertrieb Kaj.
ser Leopold I. alle Juden aus Wien und Oesterreich, ließ dieSynagoge niederreißen, an ibrcr Stelle die heutige von Junenund Außen zierliche, ja prächtige Pfarrkirche zu St. Leopolderbauen und von da an erhielt die Vorstadt den Namen Lco-poldstadt. Sie besitzt eine eigne Marktgerechtigkeit, und hierist immer große Lebhaftigkeit, wegen des Straßenzuges vonBöbmen und Mäbren. Noch befindet sich bier eine Pfarrkirchezur heiligen Tberesia mit dem Earmelitenklosier (1624 — 1639erbaut); Kirche und Kloster der barmbcrzigcn Brüder mitSpital und Apotheke (1614 gegründet, nach der Zerstörungdurch die Türken 1693 neu aufgebaut); dann die St. Vri-gitta-Eaprlle in der Brigittenau, (1640 an der Stelle erbaut,wo das Zelt Erzberzogs Leopold Wilhelm während der Schwe-dcubelagcruug stand, nnd eine Kugel vor ibm niederfiel, vbncibu zu beschädigen). Die bedeutendsten Gassen sind: Tabor-straße, Ncugasse, Sterngasse. An merkwürdigen Gebäudenfindet man noch hier: Die große Cavallcrie-Easerne, dasWasscrbauamt, das Provinzialstrafbans, den schönen Augartcnmit seinen Gebäuden und mehre geschmackvolle Privathäuser,vorzüglich auf der Hauptstraße. Grundobrigkeit ist der Ma-gistrat; Siegel: St. Leopold. Zur Leopoldstadt gehören auchdie beliebten Promenaden der Wiener: Der Augarten, die Bri-gittenau und der Prater. Der Augarten, früher die alte Fa-vorit? genannt, enthält 130,000 Quadratklafter Flächeninhalt.Er wurde unter Kaiser Ferdinand II. angelegt, unter Leopold 1.erweitert, unter Joseph II. verschönert, und 1775 dem Publi-kum geöffnet. Das große Gartengebäude enthält 2 Speise-säle, 1 Billard- und einige Nebenzimmer, die zur Sommers-zeit von einem k. k. Hoftraiteur besorgt, und in welchem öftersFestlichkeiten gegeben werden. Besonders besucht ist der Au-garten den 1. Mai, an welchem Tage Vormittags sich hierdie ganze schöne Welt zur Promenade versammelt; von denTcrasscn genießt man die herrlichste Aussicht auf das Kahlcn-- gebirg. In dem großen Hofe findet jährlich im Mai dieöffentliche Ausstellung von veredeltem Horn- und SchafvichStart. — Die Brigittenau stößt unmittelbar an den An-gurten und die Donau, gegen deren Austreten sie mit Däm-men durchschnitten ist, die zwar 1830 von dem verheeren-den Wasserschwalle durchbrochen, seit dieser Zeit jedoch festerwieder bergcstcllt wurden. Hier befindet sich auch die Bri-gittencapelle, ein Jägerhaus und mehre Wirthshäuser. Be-sonders im Frübling häufig zu Spazicrgängen benutzt, wirddie Brigittenau doch am meisten zur Zeit des Brigitten-Kirch-weihfestes, gewöhnlich am Sonntage vor oder nach dem 13. Julibesucht. Wohl 60 bis 80,000 Menschen finden sich da ein;da sind Hunderte von Buden, stabilen und ambulanten Bier-,Wein- und Braudweinscheuken, von Leierkästen, um die imKreise getanzt wird, von Taschenspielern, Marioncttcngauk-lcrn :c. Alles wogt und treibt sich in bnntcm, völlig entfessel-tem Gewükl durcheinander, trinkt nnd schmaust, tanzt nndsingt, musicirt und jubelt, doch ohne ärgerliche Auftritte, miteiner gewissen Besonnenheit und vernünftigen Haltung, die denWiener selbst in jovialer Begeisterung nicht verlassen, so daßnur äußerst selten Ercesse vorfallen. Am zweiten Tage besiehtgewöhnlich dieses eigentbümliche Wiener Volksfest auch die