Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Die unterirdischen Canäle zur Ableitung des Unrathcs sind auf dasZweckmäßigste angelegt, für die Straßensäubcrung wird eben-falls tbätig gesorgt. Schließlich sind die FcUcrlösch-Anstaltcnauf einen hohen Grad von Vollkoinmcnbeit gebracht und ge-währen die größtmögliche Sicherheit für Ruhe und Eigenthum.

Die Vorstädte. Erst vor ungefähr 150 Jahren begann daserneute, stabile Dasein der Wiener Vorstädte, die nunmehr,durch das geräumige Glacis und auf der Nordscite durch einenDonau-Arm von der Stadt geschieden, in ihrem weiten Um-fange nicht nur die innere Stadt an Größe und Hänscrzahlüberbieten, sondern auch die herrlichsten Prachtgebäude, Kir-chen ?c., die zweckmäßigsten öffentliche Anstalten, Kunstsamm-lungen u. f. w. umfassen. In alter Zeit waren es theilseinzelne, nur zufällig der Stadt nahe liegende Dörfer, oderwohl auch gar nur einzeln liegende Höfe und Wirthschaftsge-bäude; theils Gewerbhütten und sogenannte Lücken (kleine !Häuserreihen und Gruppen), welche bis hart an den Stadt-graben, an die Thore und Tbortbürmc reichten, und welche inalten Ansichten, z. B. von M, Bischer, Mcrian :c. noch er-sichtlich sind. Die bedeutendsten dieser Lücken, deren Namensich noch zum Theil, jedoch in anderer Beziehung, bis auf diejetzige Zeit erhielten, waren: die Kleberlucken vor dem Stu-bcnthore; die Neulucken an der Wien; die Refel-, Koth- undSchebenzerluckcn vor dem Kärnthnerthore; die Kater-, Schauf-ler-, Brunn- und Kumpflucken vom Kärnthner- bis zum Wid-mcr-, Holz- oder jetzigem Burgthore; die Rosenluckcn gegen dasSchottenthor :c. Bei der ersten türkischen Belagerung (1529)wurden die meisten derselben abgebrannt und zerstört. Noth-dürftig wieder hergestellt, und durch neuere größere Gebäude inweiterer Entfernung von der Stadt vermehrt, erlitten sie bei derzweiten (1083) dasselbe Schicksal; nach dieser Zeit erst entstandendie jetzigen Vorstädte, die über 000 Schritte durch das Glacisvon der Stadt getrennt, und in Folge des Einfalles dermißvergnügten Ungarn (1711) durch die Linienwälle von derDonau bei Erdberg, bis wieder an die Donau bei Liechtenthalin einem Umkreise von 7080 Klaftern vom offenen Lande ab-geschlossen wurden. Ehe ich jedoch zu einer näheren Beschrei-bung der einzelnen Vorstädte schreite, ist noch des zwischen derStadt und den Vorstädten liegenden Glacis zu erwähnen. Esist dies ein etwa 000 Schritt breiter Wiesengruud, welcherseit 1681 mit Kastanien-, Pappeln-, Platanen-, Linden-, Aka-zien-, und zum Theile auch mit Nußbäumcn bepflanzt, nachallen Richtungen von Fahr- und Fußwegen durchschnitten, unddes Abends größtenlheils mit Laternen beleuchtet ist. In schö-ner Jahreszeit bildet das Glacis, besonders Mvrgens undAbends einen äußerst angenehmen Spazicrgang, der zwischendem Burg- und Stubenthore am meisten frequentirt wird.

Am besuchtesten aber ist das sogenannte Wasserglacis vor demEarolinentbore, wo sich ein gut eingerichtetes Kaffeehaus undeine Mineralwasser-Trinkanstalt befindet, auch Früh und AbendsHarmonicmusik ist, und an gewissen Tagen sogenannte ReunionenStatt finden. Das Glacis wird von Westen nach Osten durchden Wienfluß mit seinen angenehmen Ufern durchschnitten, andessen linkem Ufer sich das kleine Gebäude, worin das einge-löste Papiergeld verbrannt wird, an dem rechten aber der anWochentagen vielfach bewegte und besuchte Trödelmarkt befindet.Die, noch vor Kurzem unerträgliche Ausdünstung des Wien-flusses ist jetzt durch an beiden Ufern angelegte Eanäle glück-lich beseitigt. Außer einigen alten Steinsäulen befindet sichzwischen dem Burg- und Franzcnslhore auch die schöne, 1825neu errichtete, eiserne Marksäule des Schottenstiftes mit derStatue der heiligen Jungfrau mit dem Kinde, ebenfalls ausGußeisen. Seit 1731 sind die Vorstädte in 8 Polizei-Bezirkeabgetheilt, und zwar: 1. Leopoldstadt mit Jägerzeile. 2. Land-straße mit Weißgärbcr und Erdberg. 3. Mieden mit Mar-garethen, Matzleinsdorf, Nikolsdorf, Reinprechtsdorf, Hnnds-thurm, Hungclbrunn, Lorenzer- und Schaumburgergrund. 4. Ma-riahilf mit Lemgrube, Windmühl, Gumpcndorf und Magda-lengrund. 5. St. Ulrich mit Spitalberg, Neu- und Schot-tenseld. 6. Josephstadt mit Lerchenfeld und dem StrozzischenGrund. 7. Alsergrund mit Michelbcucrn'schen Grund undBrcitenfeld. 8. Roßau und Liechtenthal, Thun, Himmelpfort-grund und Althann. In jeder Vorstadt wird aus den Haus-besitzern ein Grundrichter, mehre Beisitzer und Gemcindeaus-schüsse gewählt, die mit dem allein besoldeten Gerichtschrciberdas Grundgerichl bilden, welches die Lokalpolizei besorgt unddas untcrtbänige Gemcindevermögen verwaltet; auch in gering-fügigen Geld- und andern Streitigkeiten, wie bei Abschließunggütlicher Verträge, Amt zu handeln hat, jedoch keinerlei bür-gerliche oder peinliche Gerichtsbarkeit besitzt, welche, wie dasadelige Richteramt, dem Stadtmagistrate angehören. In An-gelegenheit der öffentlichen Sicherheit und Ortspolizei hängendie Gerichtschreiber und Grundwächter von den respectivenPolizei-Oberdirectionen ab. Die Polizeibehörde prüft diese In-dividuen und nimmt sie in Pflicht, nachdem sie die Gemeindegewählt und die Grundhcrrschast bestätigt hat. Die Beleuchtungin den Vorstädten, zwar erst in neuerer Zeit eingeführt, ist nun-mehr besonders in den Hauptstraßen schon ziemlich allgemein; dieLaternen brennen ebenfalls bis Frühmorgens. Die einzelnenVorstädte mit ihren merkwürdigsten Gebäuden sind im heutigenStande nach den neuesten ämtlichen Daten folgende: DieMieden (alte und neue), die erste und größte der WienerVorstädte, vor dem Kärnthnerthore, enthält in 47 Gassen 895Häuser und 36,440 Einwohner; die bedeutendsten Gassen sind: