Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

theils unter dessen Leitung verfertigt. Der Brunnen auf demneue» Markte mit den 5 herrlichen Statuen aus Bleicomposi-tion von Raphael Donner, unstreitig, besonders was die männ-lichen Figuren betrifft, zu den schönsten plastischen Kunstwerkenin Wien zu zählen, 173k aufgerichtet, obwobl frübcr verfertigt.Der Brunnen am Franziskancrplatze mit der Statue des Pro-pheten Moses aus weichem Metalle. Die zwei Springbrun-nen am Graben mit den Statuen des heiligen Joseph und desheiligen Leopold aus weichem Metalle. Die zwei Springbrun-nen am Hof mit allegorischen Figuren aus weichem Metalle.Sämmtliche Statuen dieser fünf genannten Brunnen wurdenAnfangs dieses Jahrhunderts von dem geschickten Statnar,Martin Fischer verfertigt.

Sehcnswerth ist auch das alte Steinbild en Iiautrelioküber dem Eingange des Mariazcllerhofes, Johannesgasse 984,die heilige Jungfrau mit dem Kinde, und zahlreiche Figurenzu beiden Seiten vorstellend. Eine eigenthümliche Merkwürdig-keit der inneren Stadt Wien bildet der sogenannte Stock imEisen, ein ungefähr 7 Fuß hoher Baumstamm von mittelmä-ßiger Dicke, der mit einer starken eiserne» Klammer verwahrt,und von oben bis unten so dicht mit Nägeln beschlagen ist, daßvon dem Holze fast nichts mebr zu sehen. Er soll die Stellebezeichnen, bis wohin sich einst der große Wienerwald erstreckte.Man trug sich mit mancherlei Sagen, unter andern voneinem Schlosserlehrlinge, der mit Teufelshilfe das eiserne Bandund das daran hängende große Schloß verfertiget haben soll,weßhalb seit undenklichen Zeiten jeder durchreisende Schlosser-geselle einen Nagel in den Baum schlug, so lange ein Plätz-chen vorhanden war. Indessen ist an einein derselben einKupfcrblättchen befestigt, woran noch die Jahreszahl 1832 zulesen. Die Stadt Wien hat übrigens ihre wichtigsten Verschö-nerungen folgenden Regenten zu verdanken: Carl VI. durchviele Prachtgebäude; Maria Theresia, Joseph II. und vorzüg-lich dem letztverstorbenen Kaiser Franz I.

Gärten in der Stadt sind: Der k. k. Hofgartcn, rechtsaußer der Hofburg (1824 angepflanzt), ist zwar nicht von be-deutender Größe, jedoch der vielen, sowohl einheimischen alserotischen Gewächse wegen, merkwürdig und interessant. Vongroßer architektonischer Schönheit sind die Gewächshäuser, be-sonders der in der Mitte derselben befindliche große, von ko-rinthischen Säulen gestützte, Vlumensaal. Die Gewächshäuserenthalten größtentheils die Vegetation des Vorgcbirgs der gutenHoffnung und der Inseln der Südsee. In der Mitte des Hos-gartens steht die, von Balth. Ferd. Moll, aus weichem Me-talle gegossene Statue des römisch-deutschen Kaisers Franz I.Nur auf besondere Erlaubniß, die bei dem hier wohnendenHofgärtner nachgesucht werden muß, ist der Eintritt in diesen

Garten gestattet. Der ebenfalls 1824 entstandene, und vonKaiser Franz l. dem Vergnügen des Publikums gewidmeteVolksgartcn, dem Hofgarten gerade gegenüber, steht in Verbin-dung mit der Gartenanlage des Kaffeehauses auf der Löwel-bastei (dem ehemaligen sogenannten Paradiesgärtchen). Esenthält angenehme Alleen, einen Springbrunnen, ein Kaffee-haus, welches eine zierliche Halbrotunde bildet, dann den Tem-pel des Theseus mit der schönen Statue dieses griechischenHelden von dem berühmten Canova. Die Katakomben diesesTempels, welche Sommerszeit alle Freitage geöffnet sind, ent-halten interessante römische Monumente, in Oesterreich, vor-züglich bei Petronell ausgegraben. Der Eintritt in den Volks-garten ist Jedermann und für Jedermann frei; nur werdendaselbst Sommerszeit Montags und Donnerstags, WinterszeitSonntags musikalische Reunioncn gehalten, wozu in erstererZeit ein Theil des Gartens, in letzterer die Rotunde abge-sperrt, und der Eintritt nur gegen ein kleines Entrcegeld ge-stattet ist. Unter den übrigen Privatgärtcn in der Stadt, de-ren es besonders niedliche, obzwar kleine, auf der Melkcrbastciund anderen Basteien gibt, sind noch besonders auszuzeichnen:Jener des Erzherzog Carl auf der Wasserkunstbastei; jener desverstorbenen Erzherzogs Anton im Stadtgraben in der Nähedes Karolinenthores, mit einer reichen Camelienflur; der gräf-lich Harrach'sche auf der Frciung u. a. Die Basteien sind,wie bereits erwähnt, durchaus mit Bäumen besetzt, und hierfinden, besonders im Frühlinge, an Sonn- und Festtagen von12 bis 2 Ubr die glänzendsten Promenaden Statt.

Die Beleuchtung der Stadt wird durch eine besondereAnstalt unter magistratischer Aufsicht besorgt, sie erstreckt sichans die innere Stadt, die Basteien, sowie auch auf Fußwegeund Fahrstraßen auf dem Glacis. Es brennen täglich gegen4999 Lampen vom Einbrüche der Dämmerung bis 2 3Uhr Morgens. Die erste Beleuchtung der Stadt wurde 1583eingeführt und in der Folge mehrfach verbessert, in den Haupt-straßen bedient man sich gegenwärtig der sogenannten Raut-schek'schen Reverbcrcn, die ein weitglänzendcs Licht verbreiten,in der Nähe jedoch ans unangenehme Weise blenden. Die sozweckmäßige Gasbeleuchtung, obwohl in mehren öffentlichen undPrivatgebäude» eingeführt, hat trotz vieler Versuche noch nichtallgemein durchgreifen können.

Ganz ausgezeichnet ist das Wiener Slraßcnpflaster, wel-ches durchgehcnds aus schwarzgrauem, zweckmäßig behauencmGranit besteht, der in Oberösterreich in Menge gewonnenwird. Es wird stets in gutem Stande erhalten, und das ganzeJahr hindurch an schadhaft gewordenen Stellen auf das Sorg-fältigste ausgebessert. Auch die Fahrwege am Glacis sind seiteinigen Jahren mit diesem trefflichen Materiale gepflastert.