Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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nern eingeräumt: die heutige Kirche wurde 1603 bis 1614 er-baut. Aeußeres und Inneres ist im Geschmacke des Zeitalters.Sie ist mit Marmor gepflastert. Das daranstoßende großeKlostergebäude ist auf eigentbümliche Art gebaut; gegenwärtigbefinden sich auch mehre Aerarial-Dicasterien in demselben.Die Kapuziner Kirche am neuen Markte, wurde 1622 bis 1632erbaut und zugleich daselbst die neue Fürstengrufl gegründet,nachdem die alte bei St. Stepban in Vergessenbcit gekommenwar. Kirche und Kloster sind sehr einfach, Letzteres war je-doch früher viel weitläufiger. Die kaiserliche Eapelle besitztmehre Reliquien und Alterthümer. Die kaiserliche Familien-gruft, in welcher seit Kaiser Matthias mit wenigen Ausnah-men alle verstorbenen Glieder des kaiserlichen Hauses ruhen,wurde in der Folge bedeutend vergrößert; den jüngsten Zubauließ Kaiser Franz I. 1826 ausführen, der nun auch darin ruht.An jedem Allerscelentage (2. November) ist die Gruft Besu-chenden geöffnet; es hält aber auch außer dieser Zeit nichtschwer, auf Anfrage Einlaß zu erhalten. Die Kirche zu St.Anna in der Annagasse, 1415 erbaut, 1583 den Jesuiten ein-geräumt, 1747 nach einem großen Brande neu hergestellt,wurde nach Aufhebung des genannten Ordens Weltgeistlichenübergeben. Sie besitzt reiche Paramente, unter Andern einevon Kaiser Leopold I. hierher dotirtc, reich mit Brillanten be-setzte Monstranz?. Hier wird alle Sonntage Predigt in fran-zösischer Sprache gebalten. Das Innere der Kirche ist modernund schön, das daranstoßende Klostergebäude wurde »ach Auf-hebung des Jesuiten-Ordens der vereinigten Akademie der bil-denden Künste und der Normal-Hauptschule eingeräumt. DieKirche zu St. Ursula in der Iohanncsgasse, wurde 166(1 er-baut und den Ursuliner-Nonnen eingeräumt, die in dem daran-stoßcnden Klostergebäude auch eine Mädchen-Erziehuugs-Anstaltbesitzen. Das Innere und Aeußere der Kirche bietet nichtsAusgezeichnetes. Die Kirche des deutschen Ordens in derSingerstraße, wurde 1316 erbaut, 1719 aber in ihrer jetzigenimposanten Gestalt hergestellt. Das Innere ist schön und be-wahrt manche merkwürdige Monumente, unter welchen einHautrclief, der Abschied Jesu von seiner Mutter zu Belhania,vor Allen besonders schätzbar ist. Die Kirche zum heiligenJohannes in der Kärnthnerstraße, entstand durch den Wallfah-rerorden 1200, wurde aber in der Folge erweitert, und 1806mit einem schönen Fronton geziert. Sie enthält merkwürdigeMonumente. An Sonn- und Festtagen finden hier Predigtenin ungarischer Sprache Statt. Die Kirche zu St. Rup-recht soll die älteste in der Stadt, und schon 740 erbaut wor-den sein, indessen wurde in der Folge mehrfach umgebaut undvergrößert, 1834 erhielt sie durch neue» Zubau einen schönenFronton. Das Innere ist klein und unansehnlich; die Fenster-

gcmälde sind jedoch von Mohn vortrefflich gemalt. DieKirche zu St. Salvator in der Salvatorgasse im Magistrats-gebäude, entstand 1301, die zierlichen Säulen und die Stein-bilder am Haupteingange sind sehenswerth. Hier werden zurFastenzeit Predigten in polnischer Sprache gehalten. DieHofburgcapellc im Schweizcrhof der k. k. Burg, 1448 durchKaiser Friedrich II. in ikrer jetzigen Gestalt hergestellt; obwohlihrer in Urkunden früher erwähnt wird, ist ein schönes altdeut-sches Gebäude, im Innern einfach aber geschmackvoll decorirt.Den Hochaltar ziert ein Kruzifir von Raphael Donner; dieBlätter der Seitenaltäre sind von Feti und Maurer. DerMnsikchor der Hofcapelle besteht aus den ausgezeichnetstenKünstlern. In den Wintermonaten ist hier an Sonn- undFesttagen feierlicher Gottesdienst, welchem die kaiserliche Fami-lie in den Oratorien beiwohnt. Außer diesen gibt es nochmehre Capcllen in der Stadt, die jedoch gewöhnlich geschlossensind. In jener im crzbischöflichen Ehurhause zu St. Stephanfinden zuweilen Trauungen Statt. Die Kirche der unirtenGriechen auf dem Domim'kancrplatze neben der Hauptmanth,wurde 1775 für diesen Glaubensritus erbaut. Inneres undAeußeres ist äußerst einfach. Die Kirche der nicht unirtenGriechen, welche österreichische Unterthanen sind, hat zwar ei-nen Glockenthurm, doch keinen Eingang von der Gasse; ibrInneres ist sehr schön, ja prachtvoll decorirt; mit ihr ist aucheine Schule verbunden, wo Alt- und Neugriechisch, Deutsch, unddie übrigen Schulgegenstände gelehrt werden. Die Kircheder nicht unirten Griechen fremder Unterthanen, ist auf demHafnerstcig 713, ohne Gassencingang und Glockenthnrm. Inden beiden genannten Kirchen wird an Sonn- und Festtagenfeierlicher Gottesdienst gehalten. Die russische Capclle oderdie Capellc für nicht unirte Griechen russischer Nation, ist inder großen Schulenstraße 324, im zweiten Stocke. DasBelhaus der evangelischen Gemeinde, augsburgischcr Coufession,Dorotheergassc 1113, wurde 1783 eröffnet, ist von Innen sehrgeschmackvoll decorirt; in demselben Gebäude befinden sich auchdie Wohnungen der Priester und das Schulhaus. DaSBcthaus der rcformirten Gemeinde, helvetischer Confession inder Dorotheergasse 1114, wurde 1784 eröffnet; sein Inneresist ebenfalls sehr geschmackvoll. In beiden Belhäusern findetan Sonn- und Festtagen feierlicher Gottesdienst Statt; inLetzerem wird auch zuweilen in französischer Sprache gepredigt.-Die große judische Synagoge befindet sich neu erbaut, und äu-ßerst geschmackvoll eingerichtet, in der Seitenstettengasse 494,mit ihr ist auch eine Schule für die israelitische Jugend ver-bunden; eine kleinere Synagoge, ausschließend für polnischeJuden, befindet sich im Lazcnhofe 400, im 1. Hof, Stiege 4.im 3. Stock.