dreißig Häusern. Zu den merkwürdigsten Gebäuden im Innernder Stadt gebort vor Allem die k. k. Hofburg. Dieses durch seinAlterthum ehrwürdige, obschon nicht eben durch architektonischeSchönheit, ja auch nur Gleichheit des Stylcs, da es in soverschiedenen Perioden erbaut wurde, ausgezeichnete Gebäude,die Residenz der österreichischen Landesfursten seit ungefähr 1200,liegt am äußersten, südwestlichen Ende der Stadt, und bestehtaus folgenden Gebäuden: der Schweizcrhof; das Mittelgebäudcgegen Süden, oder der sogenannte Leopoldinische Tract; derAmalienbof; das herrliche Gebäude der sogenannten Reichskanz-lei; die Reitschule; die Nedoutensäle; dann das Bibliothekge-bäude mit der anstoßenden Fronte. Die vier Hauptfrontendieser Gebäude bilden den Burgplatz. Das Gebäude gegenOsten, die alte Burg, auch von der ehemals hier befindlichenSchweizergarde, Schweizerhof genannt, wurde von dem Baben-berger Leopold VII. schon 1208 erbaut, und erhielt in derFolge mehre Verschönerungen. Hier wohnte im zweiten Stock-werke der lctztverstorbcne Kaiser Franz, auch befindet sich dieBurgcapelle (von Kaiser Friedrich III. erbaut), die Schatzkam-mer, der sogenannte astronomische Thurm und mehre Samm-lungen daselbst. Gegenwärtig bewohnt diesen Theil der Burgnoch die Kaiserin-Mutter Maria Carolinc Auguste. Das lange,gegen Süden liegende, Mittelgcbändc, worin sich auch dieBurgwache befindet, wurde 1660 erbaut, brannte 1668 abund wurde 1670 wieder hergestellt. Hier wohnte Maria The-resia; ihr Gemahl Franz I., auch Kaiser Joseph; gegenwärtigbewohnt diesen Theil der Burg der jetzt regierende Kaiser Fer-dinand I.; 1805 wurde ein gegen die Bastei ausspringenderFlügel diesem Theil der Burg angebaut, worin sich der herr-liche, große Rittersaal befindet, in welchem vorzüglich Or-densfeste, Belebnungen :c. Statt finden. Im zweiten Stock-werk dieses Gebäudes befindet sich die Wohnung des Erz-herzogs Franz Carl. Durch dieses Mittelgebäudc führen dreiThore, wovon zwei zum Gehen, das Mittlere aber zum Fah-ren bestimmt. Das westliche Seitengebäude wurde gegen dasEnde des siebzehnten Jahrhunderts erbaut und heißt Amalien-hof, da es die Wittwe Kaiser Josephs I., Amalie Wilhelmine,lange bewohnte. Hier wohnte auch Kaiser Leopold II. Aufdem Thurm dieses Gebäudes befindet sich eine Uhr mit einemkünstlichen Mondglobus. Gegen Norden schließt den Bnrgplatzdie sogenannte Reichskanzlei, eines der prachtvollsten GebäudeDeutschlands, 1728 durch den berühmten Fischer von Erlacherbaut. Hier befand sich bis zur Aufhebung der deutschenReichs-Verfassung 1806, wirklich die Reichskanzlei, gegenwär-tig ist es zur Wohnung für Mitglieder der kaiserlichen Familie,sowie zu Bureaus für verschiedene Hofämtcr bestimmt. Diezwei großen Eingänge durch dieses Gebäude zieren vier Grup-
' pen kolossaler Größe, welche die bekannten vier Arbeiten desHerkules vorstellen, und von dem damaligen HofbildhauerMattbielli verfertigt wurden. Das Hofburgihcater und dieReitschule sind an die alle Burg angebaut, gegen den Mi-chaelsplatz zu. Letztere wurde 1729 ebenfalls nach dem PlaneFischers von Erlach erbaut, und ist eines der schönsten Ge-bäude dieser Art. Das Innere ist reich und geschmackvoll mitcorintbischen Säulen geziert; außer ihrer eigentlichen Bestim-mung werden bei besonderen Gelegenheiten auch Bälle, Mu-sikfeste :c. darin abgehalten, im Jahr 1835 fand in derselbender bedeutendste Theil der öffentlichen Gcwerbsproducten-Aus-stellung Statt. Die zwei Redontensäle befinden sich in jenemFlügel der kaiserlichen Burg, welcher die westliche Seite dcöJosephplatzes umschließt; beide Säle, wovon der eine sehrgroß, der andere kleiner ist, sind sehr geschmackvoll eingerichtetund decorirt. Die öffentlichen Redouten beginnen nach demneuen Jahre, und enden mit dem letzten Fastnachtetag, anwelchem auch die Glänzendste und Besuchteste Statt findet.Auch am Katharincntage wird eine, jedoch wenig besuchte, Re-doute abgehalten. Auch werden in den Redoutensälen zu ge-wissen Zeiten große musikaliche Academien und Concerte ge-geben.— Das Bibliothekgebäude, eine der herrlichsten Schöp-fungen Fischer's von Erlach, 1726 erbaut, macht die Haupt-fronte des Josephplatzes, die Kuppel ist mit allegorischen Fi-guren geziert. Im Innern befindet sich ein herrlicher, 240Fuß langer, 54 breiter, Saal von acht großen Säulen gestützt,und mit mehren Büsten, so wie mit der Statue des römischenKaisers Carl VI., aus carrarischem Marmor, geziert. Mar-mor, Gold und Malerei sind allenthalben mit verschwenderi-schem Aufwand? angebracht. Das große Deckengemälde ist dasMeisterwerk Daniel Gran's. Rings um den Saal läuft einegroße Gillerie, zu welcher vier verborgene steinerne Treppenführen; sowohl erstere, als auch die mit Medaillons geziertenBücherschränke sind von Nußbaumholz geschmackvoll und zierlichgearbeitet, wie auch stark vergoldet. Neben den Sälen befin-det sich das Lesezimmer, welches täglich (Festlage und Ferienausgenommen) von 9 bis 2 Uhr geöffnet ist. Links an dasBibliothekgebäude stößt der unter Kaiser Joseph II. erbauteFlügel, worin sich die k. k. vereinigten Naturalien-Cabinetebefinden. Zum Bereiche der Hosburg gehörig, ist auch nochder schöne, 1823 gleichzeitig mit dem sogenannten Volksgartenentstandene kaiserliche Privatgarten mit den herrlichen Gewächs-häusern, dann das Gewächshans auf der sogenannten Terassevom Schweizerhof gegen die Bastei, mit mehren ausländischenThieren, endlich das Ballhans auf dem Ballplatze hinter derkaiserlichen Hofburg, welches sowohl zum Ballspiele eingerichtet,als auch mit Billards versehen ist.