zwischen der Melbe- und Löwelbastei der Anfang gemacht.In der Mitte dieser Courtine wurde ein neues Thor für Fuß-gänger eröffnet, welches von der Terifaltstraße nach der Jo-sephstadt und Alservorstadt füdrt. Das sogenannte Paradies-gärtchen wurde vergrößert, mit kleinen englischen Anlagenumgeben und das darin befindliche Lusthaus zu einem Kaffee-hause hergerichtet. Die ehemalige Brustwehre wurde gänzlichabgetragen und dafür eine neue, kaum zwei Fuß breite, Um-fangsmauer aufgeführt. Auch durch die geebneten, mit Allee»besetzten Strecken, von der Burg bis zur Rothenthurmbasteiund von der andern Seite über die Wasserkunstbastei bis zumScilerstätterthore, entstanden die herrlichsten Spaziergänge umdie Stadt. Die gesprengten Außenwerke unterhalb des Para-diesgärtchcns bis zum Kärnthnerthore wurden vollends geschleift,die Gräben um die Ravelins ausgefüllt und mit dem Glacis ver-bunden in gleiche Ebene gebracht; die Contre-Escarpe mit Rasenbelegt, ihre Ränder am Glacis mit Spaliren und Baumalleenbesetzt und ini Stadtgraben selbst eine herrliche Pappelalleeangelegt. Die neuen Stadtmauern rechts vor der Löwel- undlinks vor der Augustincrbastei wurden so weit auf das Glacishinausgerückt, daß vor der Burg ein großer freier Platz undzu dessen beiden Seiten noch zwei bedeutende Räume entstan-den, in welchem links ein Garten für den kaiserlichen Hofund rechts ein ähnlicher, dem Volke gewidmet, angelegt wer-den konnte. Am Ende der Weikburggasse auf der Seilerstättewurde ebenfalls ein Thor für Fußgeher eröffnet. Der Ravelinnächst dem Kärnthnerthore wurde mit dem Glacis vereinigtund geebnet, über den Wallgraben vom alten Kärnthnerthorestatt der schieflaufenden Brücke, eine neue in gerader Richtungerbaut und von dieser bis zur neuen Kärnthnerthorbrücke(ebenfalls durch Kaiser Franz 1802 eröffnet) ein doppelterHalbzirkel mit Alleen ausgesetzt. Der Schwibbogen, durchwelchen man vom Fischmarkte auf den Salzgries gelangte,wurde abgebrochen; auch die alte Maulhbrücke hinter demkaiserlichen Zollgebäude wurde abgetragen und dafür eine weitbequemere gebaut. 1817 wurde das im schönen Style neuerbaute polytechnische Institut eröffnet. 1820 erfolgte die Ein-führung des Ordens der Redemptoristen in Wien. In denJabren 1820 — l820 ward ununterbrochen an der Verschöne-rung der Stadt und der Vorstädte gearbeitet, neue Gebäudeentstanden, Kettenbrücken wurden erbaut, das Glacis gereinigt,neue Alleen auf demselben angelegt, die Beleuchtung ver-bessert :c. Den 1. März 1830 hatte die furchtbare Ueber-schwemmung beim Eisgange der Donau Statt, wodurch uner-meßlicher Schaden angerichtet wurde und auch viele Menschenzu Grunde gingen. 1831 im September brach zuerst dieCholera in Wien aus, die zwar anfänglich viele Opfer dahin
raffle, deren Wüthen jedoch durch weise Maßregeln, besondersdurch Aufbebung des Absperrungsystems, die in Wien in An-wendung gebracht wurde, bald ein Ziel gesetzt wurde. 1833zeigte sich auch die Grippe in Wien, nahm jedoch im Ganzenkeinen sehr gefährlichen Charakter an. Nachdem Kaiser Franznoch durch die von ihm angeordneten freiwilligen Arbeiten zurHerstellung eines Canals an den Ufern der Wien, wie durchnoch viele andere zweckmäßige Anstalten in Wien seiuen Wohl-lhätigkeirssinn auf das Thätigste bewäbrt hatte, starb er den2. März 1835, und sei» crstgeborner Sohn, der jetztregierendeKaiser Ferdinand, bestieg den österreichischen Kaiserthron mitdem, bei seinem Regierungsantritt, ausgesprochenen Entschlüsse,im Geiste seines Vaters fort zu wirken und zu walten. Unterseiner Regierung fanden auch bereits wichtige Einrichtungenund Bauten Statt, so z. B. der Bau des schönen Magistrats-gebäudes, des neuen großartigen Münzgebäudes, des nieder-österreichischen Landhauses, die Einführung der wichtigen Eisen-bahnen, die Verbesserung der Dampfschifffahrt, die Einführungeiner neuen, höchst bequemen Pflasterung u. s. w. — Wienist demnach durch innere Kräfte und unter dem Schutze undEinflüsse weiser Regierungen zu einer Größe und Bedeutunggelangt, um in keiner Hinsicht einen Vergleich mit was immerfür einer Hauptstadt Europas scheuen zu dürfen.
Nach Beobachtung der kaiserlichen Univcrsitäts-Sternwarteliegt Wien in der östlichen Länge von Ferro, 84 Grad, 2 Mi-nuten, 30 Secunden; die nördliche Breite dieser Hauptstadtbeträgt 48 Grad, 12 Minuten, 35 Secunden. Gegen Nor-den hat sie die in einem Haupt- und mehren Nebenarmen vor-beiströmende Donau mit ihren größtentheils sehr malerischenAuen und Inseln; gegen Westen jenen schönen und historischwichtigen Theil des cetischen Gebirges, welcher mit dem Leo-polds an der Donau seine Gränze und zum größten Theilemit großem Unrecht das kahle Gebirg genannt wird, da seineGipfel durchaus schön bewaldet sind.*) Gegen Süden undOsten ist Wien von dem flachen Lande umgeben, falls mannicht etwa den sanft abflachenden Wicncrberg in Rechnungbringen will; der Horizont wird jedoch fast von jedem erhöhtenStandpunkt in der Stadt und den Vorstädten, durch ferne Ge-birge bezeichnet, die sich besonders gegen Süden in einem bun-ten Kranz von Hügeln und Bergen höchst malerisch darstellen,über welche der den größten Theil des Jahres, oft auch durch
») Uebrizens heißt der Leopolds- oder eigentliche Kahlenberg in allenUrkunden Calenberg und scheint demnach anderen etymologischen Ur-sprungs zu seyn; die Erläuterung ist jedoch schwierig und am Endenicht sehr interessant.