Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

so wie jeder andere Militärdienst, wurden von den Franzosen mitder Bürgergarde gemeinschaftlich Verseden, ein Gouverneur vonWien eingesetzt, nnd somit war diese Hauptstadt vollkommenin feindlicher Gewalt, in welcher sie auch durch eine Zeit vonzwei Monaten blieb. Den 8. December wurde der zu Auster-litz geschlossene Waffenstillstand und den 28. der Abschluß desPreßburgcr Friedens publicirt, in welchem Oesterreich so großeOpfer brachte. In eben dieser Stacht marschirte die erste Co-lonne der französischen Truppen mit ihrem Geschütze ab, undvon da an dauerte der Abzug bis zum 13. Januar 18(16 fort;bereits den 16. Januar hielt Kaiser Franz wieder seinen feier-lichen Einzug in Wien.

In der Nacht vom 36. September auf den I.October 1867wüthete ein furchtbarer Sturm aus Nordost in Wien, der großeVerheerungen verursachte. Die Kuppel des Augustincrthurmswurde dadurch herabgeworfen, eine Menge von Schornsteinen,Mauern :c. umgestürzt, Tausende von Fenstern zerschellt,viele Gärten verwüstet und die stärksten Bäume entwurzelt,doch kam kein Mensch dabei ums Leben.

1869 brach zum viertenmale der Krieg gegen FrankreichauS. Die österreichische Hauptarmee nahm ihren Marsch gegenNegensburg, wo vom 18. bis 26. April mörderische Gefechte ge-gen die französische Armee, jedoch mit unglücklichem Erfolge fürdie Oesterreichs, geliefert wurden, so daß sich letztere genöthigtsahen, den Rückzug nach Böhmen anzutreten. Nun stand denFeinden der Weg nach Wien neuerdings offen, auf welchemsie mit ihrer ganzen Macht gegen die Hauptstadt vordrangen.Dießmal war beschlossen, Wien zu vertbeidigen und es wurdendaher alle hierzu nöthigen Anstalten vorbereitet. Die Kostbar-keiten des Hofes, die Archive, Staatskassen :c. wurden nachUngarn abgeführt und die Garnison durch einige Bataillonsregulirter Truppen verstärkt. Die Franzens- und Rossaubrückewurden abgebrannt und die Stadtthore gesperrt. Die Franzosenverfolgten nun nach mehreren blutigen Gefechten ihren Wegnach Wien und langten den 9. Mai 1869 in Vorstadt Maria-hilf an, welche sie sogleich besetzten. Am folgenden Tagegeschahen nach fruchtloser Aufforderung die ersten Kanonen-schüsse gegen die aus den Straßen der Vorstädte an dasGlacis vorrückenden Feinde. Am 11. fingen die Franzosenan, aus den Fenstern des kaiserlichen Hofstallgebäudes undden benachbarten Gassen vom Vorstadtgrunde Spitalberg gegendie Stadt zu feuern, und, anstatt eine förmliche Belagerungzu unternehmen, Wien bloß durch Bewerfen mit Granaten,die auch an mehreren Orten zündeten, zur Uebergabe zuzwingen, welche auch früh um 2 Uhr, durch das Aufsteckenvon weißen Fabncn auf den Wällen, Statt hatte. Die ganzefranzösische Armee rückte nun frühmorgens in Wien ein und

nahm Besitz von der Stadt, welche sie diesesmal durch mehrals sechs Monate besetzt hielten. Den 14. October 1869wurde endlich der Wiener Friede abgeschlossen, in welchemOesterreich wieder bedeutende Opfer bringen mußte. ZweiTage darauf fingen die Franzosen an, einen großen Theil derFestungswerke zwischen dem Burg- und Schottenthore durcheigens hierzu angelegte Minen zu dcmoliren und verließenhierauf die Hauptstadt und die Umgebung derselben. Bisden 26. November 1869 dauerte der Abzug, den 26. Novemberrückte die österreichische Garnison ein, und am folgenden Tagekam Kaiser Franz wieder in seine Residenz. Den 4. März1816 kam der französische Marschall Alcrander Berthier, Fürstvon Ncufchatel, als Großbotbschaftcr in Wien an, hielt den5. seinen feierlichen Einzug und machte die feierliche Anwer-bung um die Hand der kaiserlichen Prinzessin Maria Louisefür den Kaiser Napoleon. Vom 6. bis 9. waren große Fest-lichkeiten deshalb bei Hofe; den 11. wurde die Prinzessin durchProcuratoren ibrem Oheime, dem Erzherzog Carl, als Stell-vertreter des kaiserlichen Bräutigams angetraut. Den 13. Märzging die junge Kaiserin der Franzosen aus Wien nach Frank-reich ab.

Die Jahre 1811 bis 1813 liefen ohne besondere Ereignissefür Wien ab, nur daß man fleißig an der Wiederherstellung derFestungswerke arbeitete. Als der Einfall in Rußland für dieFranzosen eine so ungünstige Wendung genommen hatte, alsauch Preußen gegen die Franzosen aufgestanden, nnd alsKaiser Franz, durch die fruchtlosen Unterbandlungen in Prag,sich überzeugt hatte, daß es zu keinem dauerhaften Friedenkomme, trat auch Oesterreich im August 1813 auf die Seiteder verbündeten Mächte und legte dadurch das entscheidendeUebergewicht in die Wagschale des Krieges. Die Franzosenwurden besiegt, und die Hauptstadt Paris den 12. März 1814von den alliirtcn Mächten besetzt. Kaiser Franz langte am14. Juni im kaiserlichen Lustschlosse Schönbrunn an, den 16.hielt er einen sehr brillanten Einzug in Wien; am Abenddesselben Tages wurden Stadt und Vorstädte mit einer Prachtund einem Aufwand? beleuchtet, welche man sobald nicht zumzweiten Male erblicken möchte. Im September desselben Jahreslangten der Kaiser Alerander von Rußland, König FriedrichWilhelm von Preußen, die Könige von Bayern und Würtem-berg und Dänemark und andere verbündete Souveräns inWien an, wo der große Friedenskongreß gehalten wurde, beiwelchem sich Feste an Feste drängten, eins das andere anPracht und Glanz überbietend. Nach der kurzen Zwischenzeitvon Napoleons Wiedererscheinen in Frankreich bis zu dessenendlicher Katastrophe wurde wieder thätig an der Wiederher-stellung der Festungswerke gearbeitet und mit der Courtine