1797 ein Freicorps, welches zumeist aus Einwohnern von Wienbestand und das Corps der Wiener Freiwilligen genannt wurde.Indessen hatte dasselbe Jahr der Krieg in Italien eine hockstungünstige Wendung genommen. Die Franzosen drangen un-aufhaltbar in die deutsch-österreichischen Staaten und mit An-fang April standen die Siegenden schon im Herzen von Steyer-mark. Nun bot die Stadt Wien alle Kräfte auf, um eineallgemeine Bewaffnung zu befördern. Die Bürger Wiens ver-banden sich zur Vertheidigung der Stadt, welche schnell mitPallisaden umgeben, mit Kanonen besetzt und mit Lebcnsmittclund Munition zu einer Belagerung versehen wurde. Selbstdie weitläufigen Linien um die Vorstädte wurden gegen einenersten Anfall in Vertheidigungsstand gebracht, als die zuLeobcn in Steyermark geschlossenen Friedenspräliminarien dieserLage der Dinge eine andere Wendung gaben und die Vcr-theidigungömaßregeln wieder eingestellt wurden. Den 13. April
1798 ließ der damalige Botschafter der französischen Republik,General Bernadolte, in seinem Gesandtschaftshotel in derWallnerstraße die dreifarbige Fabnc ausstccken, worüber einbedenklicher Auflauf des dadurch indignirten Volkes erfolgte.Man warf dem Gesandten die Fenster ein, die Fahne wurdegewaltsam herunter gerissen, durch mehrere Gassen geschlepptund endlich auf der Freiung bei einem offenen Feuer verbrannt.Obschon schnell alle polizeilichen Maßregeln genommen wurden,dauerte der Tumult doch bis nach Mitternacht, und GeneralBernadotte mußte des andern Tages früh unter einer starkenBedeckung von Cavallerie, um ihn vor dem aufgebrachtenVolke zu schützen, Wien verlassen. 1799 brach der Kriegzwischen Oesterreich und Frankreich aufs Neue aus und wurdeAnfangs von der vereinten österreichisch-russischen Armee mitsehr glücklichem Erfolge geführt, so daß ganz Italien von demFeinde befreit ward. Allein so glücklich er 1799 geführt wurde,so ungünstig fiel derselbe 1899 aus, und nach der Schlacht beiMarengo fiel ganz Italien wieder in die Gewalt der Franzosen.Durch die Schlacht bei Hohenlinden wurde dem Feinde aber-mals der Weg nach Oesterreich geöffnet, die Franzosen drangenschnell vorwärts, und die Hauptstadt kam im December desselbenJahres neuerdings in Gefahr. Während des angestrengtestenKampfes mit dem unwiderstehlich vordringenden Feinde undder eiligen Anstalten znr Rettung der Hauptstadt ward in-zwischen an Herstellung des Friedens gearbeitet, der endlichzu Luneville in Lothringen mit glücklichem Erfolge zu Standegebracht wurde.
1894 nahm Kaiser Franz den Titel eines Erbkaisers vonOesterreich an und hieß als solcher Franz I., da er auch späterdie römisch-deutsche Kaiserkrone niederlegte. Das erste wichtigeEreigniß wurde in Wien öffentlich bei Trompeten- und Pau-
kenschall verkündigt. Den 7. Juli 1895 entstand, wegen nich-tigen Streites eines Handwerksburschen in einem Bäckerladenauf der Mieden, ein bedeutender Auflauf, der sogenannteBäckcrtumult (austriaee Rummel genannt). Der Pöbel rottete sichzusammen, man schlug die Fenster des Hauses ein und fingsogar an, das Dach und die Mauern zu zerstören. Zuerstwurde versucht, die Meuterer durch Vorstellungen zu beschwich-tigen; da diese nichts halfen, wurde von den berbcigerücktcnTruppen blind auf den Haufen gefeuert. Der Pöbel, mehrdadurch aufgebracht, als eingeschüchtert, erwiederte das Feuer .mit einem Hagel von Stcinwürfen, wodurch mehrere Soldatenund Offiziere verwundet wurden. Das Militär feuerte jetztscharf auf den Haufen, wodurch einige der Ruhestörer getödtctund mehrere verwundet wurden; doch dauerte der Tumultnoch bis gegen 19 Uhr Nachts und wiederholte sich des fol-genden Tages in den Vorstädten Mariahilf, Neubau, St. Ul-rich und Josephstadt, wo allenthalben die Bäckerladen förmlichgeplündert wurden. Nur die energischsten Maßregeln, Drohungmit standrechtlicher Erecution :c. konnten endlich diesem Unfugeden darauf folgenden Tag ein Ende machen, bei welchemman aus einigen Umständen schließen konnte, daß fremdeHände unter den damaligen politischen Umständen mit imSpiele waren und der Brodmangel, hier wie anderwärts, nurder Vorwand zu beabsichtigten Unordnungen seyn sollte.
1895 wurden in Wien und in den österreichischen Ländernüberhaupt große Militäranstalten gemacht, welche einvcrständ-lich mit Rußland, eine bewaffnete Neutralität zum Grundehalten, und wegen Vereinigung der französischen Heere inItalien und an den österreichischen Gränzen für höchst noth-wendig erachtet wurden. Da nun der von Oesterreich vorge-schlagene VermittlnugSplan zu einem allgemeinen Frieden vondem Kaiser der Franzosen nicht angenommen wurde, so brachder Krieg wieder aufs Neue an?, der aber schon gleich An-fangs durch die Unfälle bei Ulm eine unglückliche Wendungnahm. Die große französische Armee drang unaufhaltsam durchSchwaben, Bayern und Oesterreich herab und näherte sichmit Riesenschritten der Stadt Wien. Den 13. November 1895rückte die erste Colonne des französischen Heeres, 15,999 Mannstark, von der Mariahilfer Linie mit geladenen Gewehren undKanonen, gezogenen Säbeln, fliegenden Fahnen und klingendemSpiele durch das Burgthor in die Stadt, über den Burgplatz,Kohlmarkt, Graben, Stockamcisen und Stephansplatz, durchdie Rothenthurmstraße in die Leopoldstadt und von da aufden Tabor. Abends wurde die von der Bürgergarde besetzteHauptwache in der Burg von den Franzosen abgelöst und vondiesen bis zu ihrem Abzüge besetzt gehalten. Die Hauptwacheam Hof und die übrigen Wachen in- und außerhalb der Stadt,