suchte dann die kaiserliche Familiengruft. Den 28. März, amGründonnerstage, theilte er dem Kaiser und dem HerzogMarmilian das heilige Abendmahl aus, verrichtete dann stattdes Kaisers iu der Burg die gewöhnliche Fußwaschung, besuchteam folgenden Tage in mehreren Kirchen das heilige Grab undKielt am Osterlage bei St. Stephan mit den in Rom üblichenCeremonien das Hochamt. Nach diesem fuhr der Papst aufden Hof, bestieg den dortigen an der Pfarrkirche befindlichenBalkon und tkeilte von demselben dem versammelten Volkeseinen Segen aus. Den 22. April, nachdem Pius alle Merk-würdigkeiten Wiens besehen hatte, reiste er, ohne indessenseinen eigentlichen Zweck erreicht zu haben, von dem Kaisereine Strecke begleitet, wieder nach Rom ab. Noch dasselbeJahr fing Kaiser Joseph an, viele entbehrliche Mönchs- undNonnenklöster aufzuheben, kleinere Kirchen und Kapellen zuschließen, und verwendete die aufgehobenen Klostergebäudegrößtcnthcils zum öffentlichen Staatsgcbrauchc. Darunter wa-ren: das Königskloster am Josephsplatze, an dessen Stelle nundas von dem Freiherr« von Sina erkaufte gräflich Fries'schePalais am Josephsplatze, dann die beiden evangelischen Vet-häuscr sich befinden; das Kloster und die Kirche zu St. Ni-kolaus in der Grünangergasse, statt welchen Privathäusererbaut wurden; das Nonnenkloster zu St. Joseph, auchbei den sieben Becher genannt, gegenwärtig Unlersuchungs-und Strafort für politische Vcrgehungen, allgemein das Po-lizeihaus genannt; Kirche und Kloster der Jakoberinncn, inwelch' letzterem sich nun die Aemter des k. k. Tabak- undStcmpelgefälls befindet; Kirche und Kloster der Laurenzerin-uen, an welche Stelle daö neue sogenannte Laurenzcrgebäudeerrichtet wurde, in welchem sich mehrere Aerarial-Aemter be-finden ; das Kloster der Miunoriten hinter dem Land-kause, jetzt Sitz der k. k. Landesregierung (die Kirche wurdeden Italienern als Nationalkirche überlassen); die Kircheund das Kloster zur Himmelspforte, an deren Stelle Privat-gebäude errichtet wurden; das Annaklostcr, in welchemsich gegenwärtig die Normalschule und die Akademie der bil-denden Künste befinden; das Dorothecnklostcr mit der schö-llen Kirche, wovon ersteres zu Privatgebäuden, letztere zumLocale des kaiserlichen Versatzamtes verwendet wurde; endlichdie kciligc Geistkirche am Vürgerspital, wodurch eine Vergröße-rung des letzteren entstand. 1783 fand auch eine neue zweck-mäßigere Eil theilung sämmtlicher Pfarrbezirke in der Stadtund den Vorstädten Statt, und die sogenannten geistlichen Bru-derschaften wurden aufgehoben, wofür das wohlthätige allge-meine Armen-Institut eingeführt ward. Dasselbe Jahr wurdedie seit 100 Jahren Statt gehabte feierliche Prozession zumAndenken der Befreiung Wiens von den Türken (1683) zum
letzten Male abgehalten; auch trat das Tolcranzedikt in Wirk-samkeit und es wurden den Protestanten eigene Bethäuser er-öffnet. 178-1 erfolgte die Anlegung neuer Leichcnböfe vor denLinien, mit dem Verbote, die Todten künftig inner den Linienzu begraben, weshalb auch alle Lcichenhöfe daselbst aufgehobenwurden. Dasselbe Jahr ward die neu erbaute medicinisch-chirurchische Josephsakademie in der Währingergasse feierlicheröffnet. Den 12. October 1789 waren große Festlichkeitenund allgemeine Beleuchtung iu Wien, wegen Laudon's Ein-nahme von Belgrad, von welchem Ereignisse man sich jedochgrößere Früchte erwartete, als in der That daraus entsprangen.Dasselbe Jahr wurden das bisher bestandene k. k. Oberstbof-gericht, das Stadt- und Landgericht, das Univcrsitäts- undConsistorialgericht sämmtlich aufgehoben, und übcrkaupt nurzwei Gerichtsstellen festgesetzt, für die Personen von Adel dasLandgericht, für die unadcligen der neu organisirte Stadt-magistrat. Im Anfange des Jabres 1790 wurde Kaiser Jo-seph II. neuerdings von einer gefährlichen Krankheit befallen,die ihn schon nach dem Feldzuge gegen die Türken auf dasKrankenbett gebracht hatte, und er verschied den 2t). Februardesselben Jahres, freilich viel zu früh für seine weitausseheudePlane, die zum größten Theile von rechter Humanität einge-geben und geleitet wurden; doch wirkt er für seine Staaten,wie die sinnige Inschrift auf seinem Denkmale besagt: ncm llm,seü totus.
Den 12. März 1789 kam Leopold, als Kaiser der II.,Josephs ältester Bruder, bisheriger Großhcrzog von Toskanain Wien an und übernahm die Regierung der Erbstaalen.Seine kurze Regierung fiel in eine viel zu sturmbewcgte Zeit,als daß der menschenfreundliche Fürst viel zur Verschönerungseiner Residenzstadt leisten konnte. Nach seinem Tode, den1. März 1792, trat dessen ältester Sohn, Erzherzog Franz,Liebling uud Zögling seines großen Oheims, der ihn schon einigeJahre vorher nach Wien berufen hatte, die Regierung der Erb-staateu an. Den 14. Juli desselben Jahres wurde er alsFranz II. in Frankfurt zum römischen Kaiser gekrönt. ZurFeier der Kaiserkrönung wurde die zur Errichtung der gewöhn-lichen Triumphpforle bestimmte Summe nach seinem Willendahin verwendet, daß die unansehnlichen Häuschen und Kauf-buden, welche die Ansicht des Stepkansdoms verstellten uuddie Straße beengten, abgebrochen wurden, wodurch der schöneStephansplatz entstand. Um diese Zeit, 1792, war auch dererste französische Ncvolutionskrieg ausgebrochen. Da sich dieGefahren des Krieges immer mehr den österreichischen Erblän-dcrn nahten, so faßten auch alle Einwohner Wiens den Ent-schluß, ihrem Landesherr» freiwillige 'Beiträge au Geld zuüberreichen. Die Stadt Wien errichtete in Folge dieser Kriege,