mehrt und zweckmäßig untergebracht (vorerst in der kaiserlichenStallburg), die prächtige Carlskirche, die sogenannte Reichs-kanzlei, einer der berrlichsten Paläste in Deutschland, dasjetzige Münzgebäude als Winterpalast, so wie das großartigeBelvedere als Sommerpalast des Herzogs Eugen, die kaiser-liche Wintcrreitschule, das majestätische Gebäude der kaiser-lichen Marställe, kurz Wiens herrlichste Zierden wurden zudieser Zeit durch den kunstreichen Fischer von Erlach, denEugen's Munificenz gewonnen hatte, erbaut, nebst mehrerenandern Palästen und Häusern von mebr und minderer Bedeu-tung, die jedoch noch heute der Stadt Wien zur Zierde ge-reichen. Auch das neue, wahrhaft kaiserliche Lustschloß Schön-brunn verdankt seine Entstehung diesem kunstsinnigen Monarchenund dem unsterblichen Architekten, und es ist hier an der Stelle,die in vielen neueren Werken unbegreiflicher Weise eingeschlicheneirrige Meinung zu berichtigen, als sei dieser herrliche Palastdurch Maria Tberesia erbaut worden.
1713 brach neuerdings eine verheerende Pestseuche in Wienund Oesterreich aus, welcher nur nach bedeutenden Verheerungenein Ziel gesetzt wurde. Der dieser Seuche zum Opfer Gefalle-nen zäblte man in der Stadt und den Vorstädten 8644. Dochzum Glücke war dieß die letzte Pest in Wien; die seit jenerZeit errichteten Cordons und Sanitätsanstaltcn an der türkischenGränze bewirkten, daß dieses furchtbare Uebel noch äußerstselten einige wenige Gränzorte ergriffen hat.
1717 stiftete Kaiser Josephs I. Wittwe, Amalie Wilhelmine,das Kloster der Salesiancrinnen am Rcnnweg; 1718 legte derKaiser die erste Ingenieurschule in Wien an; 1723 wurde aufdas Ansuchen des Kaisers das Visthum Wien von Papst Jn-noccnz XIII. zum Erzbisthume erhoben.
Nach Carl's VI. Tode (1740) war der habsburgisch-österreichische Mannsstamm erloschen und dessen Tochter, MariaTheresia, vermählt mit dem Herzoge Franz Stephan von Lo-thringen, trat in Folge der pragmatischen Sanction die Regie-rung der Erbländer an. Nach mehreren Kämpfen, die sichgegen ihre Rechte von mrbrcren Seiten erhoben hatte undworaus sie höchst ebrenvoll und siegreich hervortrat, wurdeTheresiens Gemahl, der inzwischen Lotbringen gegen Toskanavertauscht hatte, 1745 zu Frankfurt am Main als Franz I.zum römischen Kaiser gekrönt. Maria Theresia hatte ihn auchzum Mitregenten angenommen. Nach dessen Tode (1765)wurde Joseph II., sein ältester Sohn, deutscher Kaiser undMitrcgcnt in den Erbstaatcn. Unter der Regierung MariaTheresiens wurde sehr viel zur Verschönerung Wiens geleistet.Der freie Raum zwischen der Stadt und den Vorstädten, dassogenannte Glacis, war bis 1770 ein wüster, mit Steinen,Unrath und Schlamm bedeckter Platz, ohne Fahrwege und
Fußsteige, unbequem und unsicher zu durchwandeln. Nun ent-standen ringsum erhöhte Fahrstraßen; von jedem Stadtthor zumandern, so wie auch in allen Vorstädten wurden eigene Wegefür die Fußgänger angelegt, wodurch das ganze Glacis zueinem schönen Wiesengrunde umgeschaffen und die Verbindungzwischen der Stadt und den Vorstädten ungcmein erleichtertwurde. Für die Emporbringung der Schauspielkunst wirkteJoseph II. mit Lust und Eifer, besonders begünstigte er dasregelmäßige deutsche Schauspiel und schuf deshalb das Theaternächst der kaiserlichen Burg zur Nationalbühnc um.
Den 27. Februar 1768 wurde Wien durch ein heftigesErdbeben erschüttert, zugleich trat die Donau aus ihren Ufernund richtete durch (Überschwemmung bedeutenden Schaden an.
Die milde Regierung Maria Theresiens und die höchstmäßigen Preise der Lebensmittel zogen nun allmälig immermehr Menschen nach Wien, wodurch die Vorstädte durch neuenAnbau nicht nur vergrößert und verschönert, sondern auch inder Stadt selbst die Häuser hier und da vermehrt und ver-schönert wurden. Das Glacis rings um die Stadt, dann vorden Stadtthoren, die Fabrwege bis zum Eingange der Haupt-straßen in die Vorstädte, ferner die große, im Zirkel um dieStadt laufende Fahrstraße und sämmtliche von der Stadt indie Vorstädte führenden Fußwege wurden durchaus mit Laternenerleuchtet. 1749 wurde die Caserne auf dem Getreidcmarkt,1751 die große Infanterie - Caserne in der Alsergasse erbaut;dasselbe Jahr wurde in Wien die noch bestehende Zahlcnlotterieeingeführt; 1754 erfolgte die allgemeine Studienreform und derBau des neuen Universitätsgebäudes, an welcher 1753 dieSternwarte errichtet wurde. 1766 wurde dem Publikum derPratcr zum ersten Male und für immer eröffnet. 1768 — 1770fanden wichtige Verschönerungen der Stadt durch neue BautenStatt; so z. B. das Gebäude der geheimen Hof- und Staats-kanzlei, die Eröffnung des Josepbplatzcs. 1771 entstand diekleine Post; 1775 wurde der Augarten dem Publikum fürimmer geöffnet. 1778 hatte die Stiftung des Taubstummen-Instituts Statt.
Den 29. November 1780 starb Maria Theresia in einemAlter von 63 Jahren. Ihrer vicrzigjäbrigen weisen Staats-verwaltung war es zu verdanken, daß ihr unsterblicher Sohnund Nachfolger das Erbe seiner Väter, welches seiner Muttervon dem halben Europa streitig gemacht worden war, ruhigund geachtet antreten konnte. Seine gleich bei seinem Regie-rungsantritte unternommenen kirchlichen Reformen hatten zurFolge, daß den 22. März 1782 zum Erstaunen für ganz Eu-ropa Papst Pius VI. persönlich nach Wien kam, um sich mitdem Kaiser darüber zu besprechen. Den 15. März begab sich
der Papst in feierlichem Zuge in die Kapuzinerkirche und be-
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