Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Raketen auf dem Kahlenberge den Bedrängten die Ankunft dessehnlich erwarteten Entsatzes verkündete. Das Reichsheer unterHerzog Carl von Lothringen und das polnische unter KönigJohann griffen den 12. September frühmorgens die Türkenan und errangen nach langem wüthenden Kampfe einen sovollständigen Sieg, daß die in Unordnung fliehenden Feindedas ganze unermeßlich reiche Lager den Siegern überlassenmußten, wobei auch die grünseidene Fahne deS Propheten,sammt großen Schätzen und des Großvesirs Zelt denselben indie Hände fielen. Den 13. September hatte der festliche Ein-zug des Bes»ciungsheercö, die Fürsten an der Spitze, unterunermeßlichem Volksjubel Statt. Den 14. schon kam KaiserLeopold von Linz in Wien au und belohnte die VertheidigerWiens kaiserlich; so erhielt z. B. Stahremberg nebst andernGunstbezeigungen die Erlaubniß, den Stephansthurm in seinWappen aufzunehmen und von dem Magistrate die Befreiungseines Hauses auf der Wicden von aller bürgerlichen Abgabefür sich und seine Erben, weshalb es noch heut zu Tage purexeellenee das Frcihaus genannt wird. Der wackere GriecheKolsschitzki aber, welcher während der Belagerung die ersprieß-lichsten und gefährlichsten Dienste als Kundschafter geleistet undsich mehrmals in das türkische Lager gewagt halte, wurde mitder Befugniß belohnt, das erste Kaffeehaus in Wien (amStephansfricdhofe) zu errichten, wozu auch der in ungeheurerMenge im türkischen Lager vorgefundene Kaffee den Impulsgeben mochte.

Nach der für immer entfernten Türkengefahr, da balddarauf die kaiserlichen Heere in Ungarn immer neue Siegeerfochten und bereits 1618 Ofen wieder erobert wurde, trugman auf das Eifrigste Sorge, Wien und die umliegende Gegendvon dem Gräuel der Verwüstung zu reinigen und die zerstörtenFestungswerke und Gebäude der Stadt wieder herzustellen. Diein Schutt und Ruinen gelegenen Häuser in den Vorstädtenwurden größtentheils von den ehemaligen Bewohnern wiederaufgebaut, jedoch durfte, die Leopoldstadt ausgenommen, welcheohnedies durch den Donauarm von der Stadt getrennt ist,kein Vorstadthaus näher als 660 Schritte von den Pallisadender Festung entfernt, angelegt werden. 1686 wurde derStern mit dem Halbmonde, welcher seit 1591 auf der Spitzedes Stephanslhurmes zu sehen war, herabgenommcn und durchein spanisches Kreuz ersetzt. 1688 wurde durch die Vorsorgedes damaligen niederöstcrreichischcn Statthalters, Johann Quin-tin Grafen Jörgen von Tollet, die Stadt Wien zum erstenMal Nachts mit Laternen beleuchtet, durch denselben auch dieFeuerlöschordnung, Marktordnung und Rumorwache (späterPolizei) eingefübrt. 1693 begann der Bau eines großen Ar-menhauses in der Alservorstadt, wo sich jetzt das allgemeine

Krankenhaus befindet. 1697 wurde die steinerne Dreifaltigkeit-säute aufgerichtet, an deren Platze früher eine hölzerne stand.1698 kam der große Czar Peter I. nach Wien und hielt sichdaselbst an zwei Monate auf, während welcher ihm zu Ehrengroße Festlichkeiten gegeben wurden. Er wohnte im jetzigenFürstlich Esterhazy'schen Gebäude in Mariahilf. 1691 brachneuerdings eine pestartige Seuche in Wien aus, die jedochvon kurzer Dauer war. 1766 wurde der sogenannte Heil-thumstuhl, der in einem Bogengange die Stcphanskirche mitder Brandstätte verband und worin an hohen Festtagen die Re-liquien der Schatzkammer von St. Stephan ausgestellt wurden,abgebrochen; auch wurde in demselben Jahre die uralte Peters-kirche abgetragen und der Bau der jetzigen begonnen. 1764entstand die Wiener Bank, welche bei dem 1766 ausgebroche-nen (1717 durch den Ulrechter Frieden beendigten) spanischenErbfolgekriege bereits die wichtigsten Dienste leistete. DasselbeJahr brach in Ungarn neuerdings eine Empörung unter derAnführung des siebenbürgischen Fürsten Franz Rakoczy aus,dessen Anhänger bis gegen die Vorstädte von Wien streiftenund sie in Brand zu stecken drohten, auch auf dem flachenLande vieles Unheil anrichteten. Kaiser Leopold ließ daher dieVorstädte mit einem breiten tiefen Graben und einem ziemlichhohen Walle umfassen, (welcher jedoch erst 1736 mit Ziegelnausgemauert wurde) und die noch heut zu Tage unter demNamen: die Linie oder der Linienwall und Graben, bestehen.Nach Kaiser Leopold's Tode folgte ihm dessen ältester Sobn,Joseph I., auf dem Thron, einer der vortrefflichsten Fürsten,dem nur längeres Leben zu wünschen gewesen wäre, um aufdas wohlthätigste und ersprießlichste für Stadt und Land zuwirken. Leider starb er schon 1711 und ihm folgte sein BruderCarl, der eben damals in Spanien war, seine Ansprüche gegendie Bourbons zu behaupten. Er beschleunigte deshalb seineReise aus Spanien und kam in demselben Jahre nach Frank-furt am Main, wo er zum römischen Kaiser erwählt und unterdem Namen Carl VI. gekrönt wurde. Einer der eifrigsten Be-förderer der Künste und Wissenschaften, war dieser Monarchin den ruhigen Jahren seiner Regierung auf das Thätigste be-sorgt, den Flor seiner weitläufigen Staaten zu erheben, denKunstfleiß seiner Unterthanen zu beleben, und besonders verdanktihm die Stadt Wien große Verschönerungen durch mehrereder herrlichsten Gebäude. Ihm und seinem unsterblichen Zeit-genossen, dem großen Eugen, war es vorbehalten, in denBauten Pracht und Geschmack zu verschwistern, und durch beideentstanden in gemeinsamem Zusammenwirken so viel Herrlichesund Gutes, woran sich die spätesten Enkel noch mit heißemDank erinnern werden. Die kaiserliche Bibliothek und derenprachtvolles Gebäude entstand, die Bildergallerie wurde ver-