Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Torstenson drang auch wirklich bald in Oesterreich vor, ero-berte Krems, Stein, Dürrenstein und Korncuburg, verdrängtedie kaiserlichen Truppen aus der Wolfsbrückenschanze beimTabor, befestigte dieselbe noch mehr und bedrohte die StadtWien mit einer starken Belagerung. Der Hof und die ansebn-lichsten Einwohner flüchteten sich nach Grätz, indessen alle An-stalten zu einer tapferen Verteidigung gemacht wurden. Alleindie Schweden zogen sich bald unvermuthet und unverrichteterSache wieder zurück und ließen nur eine geringe Besatzung inder Wolfsschanze. Erzherzog Leopold Wilhelm, des Kaisersjüngerer Bruder, Stattbalter der Niederlande, der unsterblicheGründer der kaiserlichen Gemäldegallerie, welcher zur Verthei-digung der Stadt zurückgeblieben war, ließ nun diese Schanzestark, und nachdem dadurch eine ziemlich weite Bresche entstan-den war, durch 300 Mann bestürmen, worauf sich die schwe-dische Besatzung zu Kriegsgefangenen ergab, die Gefahr einerschwedischen Invasion für immer entfernt wurde, um so mcbr,da bald darauf der ersehnte westphälische Friede abgeschlossenwurde.

Unter der Regierung des Kaisers Ferdinand III. wurdendie Festungswerke in Wien immer mehr verbessert und dieBastionen, welche vormals nur aus Erde und Holz bestanden,mit Mauern eingefaßt- Er erbaute das Augustinerkloster aufder Landstraße, das noch bestehende Schengelthor, erneuertedas Schottenthor und machte sich durch mehrere andere Bautenund Verbesserungen höchst verdient um Wien, das endlich,nach langen sturmvollen Jabren aufs Neue begann, die süßenFrüchte des Friedens zu schmecken. Leopold I., von seinenZeitgenossen der Große genannt, der jüngste und einzig nochübrig gebliebene Sohn Kaiser Ferdinand's III., bestieg nachdem Tode seines Vaters, 1657, im 17. Jahre seines Alters,sowohl den österreichische», ungarischen und böhmischen, alsauch im folgenden Jahre den römischen Kaisertkron. Seinerstes Augenmerk war bei der immer drohender werdendenTürkengefahr die bessere Befestigung der Hauptstadt, er ließdeshalb unverzüglich die große Burgbastei mit Mauern um-geben und das Burg-, wie auch das Kärntbncrthor regelmäßi-ger herstellen. 1675 führte er die Ursulinernonnen aus Lüttichin Wien ein. 1676 erfolgte die gänzliche Vertreibung ausWien, die man des Einverständnisses mit den Türken ver-dächtigte; die bisherige Judenstadt im untern Wien erhielt denNamen Leopoldstadt und an der Stelle der Synagoge wurdedie dortige Pfarrkirche zum heiligen Leopold erbaut. 1679brach in Wien eine gräuliche Pestseuche aus, die große Ver-wirrung anrichtete, und in Zeit von 11 Monaten eine solcheMenge Menschen dahinraffte, daß bloß auf den Kirchhöfen inder Stadt und in den Vorstädten über 100,000 Menschen be-

erdigt wurden, ohne diejenigen zu rechnen, welche in Gärtenund andern Orten heimlich vergraben und in den eigens hierzugegrabenen großen Gruben am Glacis verscharrt wurden. ImDezember desselben Jahres hörte das Uebel endlich wieder auf,und nun fanden sich von allen Seiten wieder betriebsameMenschen in Wien ein, welche die Verstorbenen zu ersetzenbegannen. So wurden am Weihnachtsfcstc allein in derSt. Stephanskirche fünf und neunzig Brautleute getraut.

Mittlerweile hatte Emerich, Graf von Tökely in Ungarn,eine Empörung angesponnen, sich bedeutenden Anhang verschafftund bcrritö einen glvßen Theil des Landes unter seine Herr-schaft gebracht. Da sich jedoch nicht denken ließ, daß er seineUsurpation in der Folge wider die kaiserlichen Waffen behaup-ten könnte, begab er sich 1682 unter türkischen Schutz, hul-digte dem Sultan Mahomet IV. und versprach ihm, bei demschon lange vorbereiteten Eroberungszuge als Führer zu dienen.In Wien rüstete man sich auf das Sorgfältigste und Eifrigstebei erster Kunde dieses drohenden Einfalles. Mit Deutschland,Schweden und den Niederlanden schloß man Bündnisse, be-sonders aber versicherte man sich der Freundschaft und desBeistandes Polens, dessen König Johann III. (Sobicski) denTürken bereits furchtbar geworden war. Die Festungswerkeum die Stadt wurden ausgebessert und sämmtliche Landlenteder ganzen Umgebung aufgeboten, um Bäume zu Pallisadenzu fällen und an den Verschanzungen zu arbeiten. Zugleichwurde die Stadt auf Jahr und Tag verproviantirt. DieVertheidigung des Platzes wurde dem erprobten Kriegshelden,Ernst Rüdiger, Grafen zu Stahremberg, anvertraut. Die Be-satzung betrug mit der bewaffneten Bürgerschaft ungefähr22,000 Mann. Das türkische Heer rückte unter dem Befehledes Großvcsirs Leon Mustapha, über 200,000 Mann stark,über Ofen, wo sie sich noch mit 80,000 Manu Tartaren undmißvergnügten Ungarn vereinigten, mit Blitzesschnelle vor,schlug die kaiserliche Armee an der Gränze von Oesterreichund breitete sich bereits den 12. Juli 1683 vor Wien ans,wo die Feinde sofort ein mächtiges Lager absteckten und dieBelagerung begannen. Von diesem Tage bis 12. September,durch volle 61 Tage, währte die zweite Belagerung Wiens,während welcher Zeit fast ganz Unterösterreich verheert undverwüstet wurde. Viele Minen wurden gesprengt und mehrereHauplstürme versucht, die jedoch von der tapfern Besatzungund den Bürgern jedesmal abgeschlagen wurden. Judessen wardoch die geängstete Stadt schon zum Aeußersten gebracht, dieKraft, wenn auch nicht der Muth der Vertheidiger sank, cSbegann an Lebensmitteln zu mangeln und kaum noch glaubteman für einige Tage Widerstand leisten zu können, als aufeinmal, den 11. September Abends, das Steigen mehrerer