werke ward unermüdet fortgesetzt, bis durch die 1341 ausge-brochene Pest, welche fast den dritten Theil der Einwohner hin-wegraffte, die Arbeiten auf einige Zeit in Hemmung kamen.Allein, als dieses schreckliche Uebel wieder nachgelassen hatte,wurde die Befestigung der Stadt durch Anlegung regelmäßigerBasteien und andrer Außenwerke, dann durch eine bedeutendeErweiterung des Wallgrabens sogleich wieder fortgesetzt.
Die Stadt Wien nahm damals inner den Ringmauernschon denselben Umfang ein, den sie heute noch zu Tage zwi-schen den Festungswerken hat; nur waren einzelne Gegenständeanders gestaltet als jetzt und hatten auch andere Benennungen.Sämmtliche Ringmauern waren noch durchgehends mit Schieß-scharten versehen, wie aus alten Plänen und Ansichten nochersichtlich. Die Thürme am Kärnthncr- und Stubenthore wur-den schon 1547 abgebrochen. Die Umgebungen der Stadt,als die heutige Roßau im obern, die Leopoldstadt im unternWerd, die Jägerzeile, auch Venediger Aue genannt, waren zudieser Zeit größtentheils von Jägern und Fischern bewobnt,auch befanden sich daselbst viele Lusthäuser und Gärten derwohlhabenderen Einwohner von Wien. Die Gegend der heu-tigen Alser- und Währingervorstadt, dann der Josepbstadt be-stand damals bloß aus Wäldern und Weingärten. Die jetzigeVorstadt St. Ulrich war ein Dorf, welches Zaismannsbrunn,so wie Thury, Siechenals hieß. In der Gegend der heutigenLaimgrube und Windmühle befanden sich längs dem linkenUfer des Wienfluffes mehre Ziegelöfen, und über der Laim-grube Windmühlen. An der Stelle des Vorstadtgrundes Ma-riahilf lag das Dorf Schöff und nahe daran Gumpendorf.Die Weide welche damals bis nahe cm den Stadtgraben reichte,war zum großentheile von Weingeländen untertheilt. In derGegend von Nikolsdorf stand schon vor der ersten türkischenBelagerung das Dorf St. Bernhardsthal, die ganze übrigeGegend bestand aber aus Feldern und Weingärten, in derenMitte ein Schloß mit einer der heiligen Margaretha gewidme-ten Capelle stand, von welcher später die Vorstadt ihren Namenerhielt. Die heutige Landstraße hieß früher Nikolai-Vorstadtund war noch wenig und blos nur gegen die Stadt mit Wohn-häusern bebaut. Auch das Dorf Erdberg, als eines der äl-testen Orte in der Nähe von Wien, war damals schon bekannt.Zwischen der Stadt und dem Wienflusse lief ein Mühlbach,welcher damals viele Mühlen trieb. An seinem Ufer lagenvom Stubenthor bis zur Donau mehre Jägerhäuser, daher auchdiese Gegend unter den Jägern genannt wurde.
Die große Reformation durch Martin Luther verfehltenicht, auch in Oesterreich und Wien einzudringen. Schon Fer-dinand I. gestattete den Akatholischen in gewissen Häusern freieReligionsübungen und noch mehre Freiheiten erhielten sie durch
die Kaiser Maximilian II., Rudolph II. und Mattbias. Nachdes letzteren Tode gelangte 1619 dessen Neffe, Ferdinand II.zur Regierung sämmtlicher Länder, deren keines aber, durchReligionsspaltung zerrissen, ihn für den Landesherrn erkennenund sogar seine Wahl zum römische» Kaiser hintertreibenwollte. In Wien hatten Anfangs die Akatholischen entschiede-nes Uebergewicht. Die Rebellen traten unangemeldet zu Fer-dinand in das Zimmer und verlangten mit Ungestüm die Be-willigung ihrer ungerechten Forderungen. Allein in eben die-sem Augenblicke kamen unter Anführung des Obersten St. Hi-laire 560 Reiter des Euirassier-Regimentes Dampierre, welcheheimlich durch den ehmaligcn Donau-Canal in das Schiffsar-senal und von da in die Stadt drangen, zu des Kaisers Ret-tung auf dem Burgplatze an. Nun fiel den Rebellen der Muthsie erboten sich, ihre Beschwerden ordnungsmäßig vorzubringenund baten um Sicherheit - Begleitung zur Rückkehr in ihreWohnungen. Diesem Cuirassier-Regiment, jetzt Graf Hardegg,wurde zur Belohnung für immerwährende Zeiten die Freiheitertheilt, mit klingendem Spiel durch die Stadt zu marschiren,sich auf dem Burgplatz aufstellen und daselbst werben zu dür-fen. Sein Oberster hat stets freien Zutritt zum Kaiser, ohnesich melden lassen zu dürfen.
Nach der Schlacht am weißen Berge bei Prag, 1620,wurde, wie in den andern Ländern der Monarchie, auch inOesterreich und Wien die Religionsfreiheit der Protestantenwieder aufgehoben, zu welchem Ende man die diesen Glaubens-genossen bisher eingeräumte Kirche und das Kloster der Mi-noriten in der Stadt, sogleich diesen Mönchen wieder zurück-gab und die protestantischen Prediger gänzlich aus Wien ver-wies. Zugleich wurde allen noch übrigen protestantischen Ein-wohnern Wiens angedeutet, binnen 4 Monaten entweder zurkatholischen Lehre zurückzutreten oder nach Verlauf dieser FristStadt und Land zu räumen und zur bestimmten Zeit wurdedieser Befehl strenge vollzogen. 1625 übergab Ferdinand dasUniversitäts-Collegium den Jesuiten, 1630 ließ er die unbe-schuhten Augustiner von Prag nach Wien kommen, baute denDominikanern ihre Kirche neu, später stiftete er das Klosterder sogenannten Schwarzspanier und seine Gemahlin Eleonorezur selben Zeit das Nonnenkloster der Carmeliterinnen zu St.Joseph. Kaiser Ferdinand II. starb 1637 und ihm folgte seinältester Sohn Ferdinand III.
Im Verlaufe des unheilvollen dreißigjährigen Krieges zeigtesich 1648 die Gefahr einer schwedischen Invasion und Belage-rung von Wien. Es wurde daher schnell der Befehl gegeben,alle Häuser und Gärten der Vorstädte auf 300 Schritte vondem Wallgraben abzubrechen, die Keller zu verschütten unddie Anhöhen zu ebnen. Der berühmte schwedische General