ebenfalls unter Heinrich erbaute Kirche zu S. Stepban, un-gefähr halb so groß, wie heut zu Tage (nämlich vom Riesen-thore mit den beiden, so genannten Haidentbürmen, bis gegendas mit einem eisernen Gitter eingefaßte Chor); die Wollzeile,die von Leopold V., älteren Bruder Heinrichs erbaute Kirchezum heiligen Jakob in der beutigen Riemerstraße, das deutscheOrdenshaus, die St. Johanniscapelle der Johanniter-Ritterin der heutigen Kärnthnerstraße. Auf der entgegengesetztenSeite hinter der Wollzcile: das Tempclhaus, das Schottenstiftund das bekannte Jagdhaus Leopold des Heiligen. Am Salz-grics floß ein starker Donauarm, am Fuße des ob der heuti-gen Kohlmessergasse beginnenden, bis zum Arsenal und denSchotten hinziehenden erhöbten Ufers, wovon die Kirche zuMaria am Gestade die Benennung erbielt. Leopold VI., Hein-rich Jasomirgotl's Sobn und Nachfolger, der tapfren Streiterin Palästina, auch der Tugendhafte genannt, vergrößerte dieStadt an der Ostseite und umgab den neuen Zuwachs miteiner Ringmauer, welche bei dem sogenannten Dempfinger-Hofeihren Anfang nahm, sich in einem Halbzirkel über den altenFlcischmarkt neben dem Dominikanerkloster gegen das Stubcn-thor, über die Singerstraße und dem Stock in Eisen, dannvon da bis zum Freisingcrhofe hinzog, wo sie sich wieder andie alte Stadtmauer anschloß, folglich schon die Stephanskir-che in die innere Stadt zog.
Unter diesem Fürsten wurde König Richard I., Löwen-herz genannt, welcher Leopold in Palästina beleidigt hatte, inErdberg bei Wien auf seiner Jncognito-Durchreife gefangengenommen, auch gab Leopold'S Tapferkeit bei der Eroberungvon Ptolomais, wobei seine ganz mit Blut befleckte Kleidungnur unter dem breiten Gürtel die weiße Farbe beibebielt, zudem neuen Wappen, einem weißen Streifen im rothen Felde,wie zu den Landesfarben Oesterreichs, Anlaß. Nach Leopold'sTode (1194) übernahm sein ältester Sobn Friedrich I. dieRegierung von Oesterreich, dieser starb jedoch bald darauf(1198) in Palästina, nachdem er schon im Jahr vorher die-selbe an seinen Bruder Leopold VII. übertragen hatte. DieserFürst, mit vollem Rechte mit dem Beinamen „der Glorreiche"belegt, sammelte sich unsterbliche Verdienste um Wien und ar-beitete mit rastlosem Eifer an der Emporbringung seiner Re-sidenz. Durch ihn wurde sie zuerst zu einer Handelsstadt er-hoben und erhielt eine Art von Stapelgerechtigkeit, kraft wel-cher alle auf der Donau hcrabkommenden Schiffe ihre Waarennicht weiter als bis hierher führen durften. Er setzte auch eineArt Magistrat ein, welcher aus 24 Bürgern bestand, die „imKaufen und Verkaufen gute Ordnung anstellen, und in Allem,was zur Ehre und zum Nutzen der Stadt gereichen mag, flei-ßige Aufmerksamkeit haben sollten." llcbcrhaupt gab er der
Stadt mebre bürgerliche und polizeiliche Gesetze, welche zumZwecke hatten, die Bürger wohlhabend zu machen und sie vorden Uebervortheilnngen der Fremden zu sichern. Schon unterder rubmwürdigen und segensreichen Regierung dieses Herzo-gen gab Wien als Stapelplatz, als Markt und als MünzstätteGesetze im oberen Deutschland und schickte seine Handclsfactoremit jenen der Regensburger nach Kiew, nach Constantinopelund in das deutsche Kaufhaus nach Venedig. Die meiste Kun-de über Deutschlands Zwischencommerz über Rußland und überBytzanz schöpften die Geschichtschreiber seines Handels ausösterreichischen Quellen. Juden und Kowertschen (Cahorsiner,Wechsler, Geldmäkler) waren selbst schon zur Zeit der Mark-grafen ein Gegenstand kaiserlicher Satzungen und Privilegienund Kaiser Friedrich II. erließ 1213 eine höchst merkwürdigeOrdnung für die Wiener Juden.
Leopold VII. legte auch 1299 eine neue Burg auf dem-selben Platze an, wo noch die heutige kaiserliche Residenz stehtund baute 1221 in der Nähe derselben die Kirche zum heiligenMichael. Beide Gebäude lagen aber damals noch außer denRingmauern der Stadt. Auch vereinte dieser Herzog einenTheil der Vorstädte, welche unter seiner Regierung vollkommenausgebaut waren, mit der Stadt und umfaßte diese neuerdingsmit Mauern und Gräben, welche sich vom Stock im Eisendurch die ganze heutige Singerstraße, dann am Stubenthorevorüber bis zur jetzigen Biberbastei und von da wieder bis zumThore am ehemaligen Katzensteige zogen.
Zugleich wurden unter seiner Regierung auch die nochnicht zur Stadt gezogenen Vorstädte beträchtlich vergrößert.
Der glorreiche Leopold starb 1239. Dessen jüngster undletzter Sohn, Friedrich II., der Streitbare, folgte nun in derRegierung, der letzte aus dem herrlichen Stamme der Babcn-berger, im 29. Altersjahre. Er trat seine Regierung untervielen Widerwärtigkeiten an, welche ihn bis an sein Ende infortdauernde Kriege verwickelte, woher sein Beiname. 123.)entspann sich ein blutiger Krieg mit den Ungarn, nachdemFriedrich früher schon die aufrührerischen Kuenringer lange be-kämpft und endlich bezwungen hatte. In Wien hatte sich Frie-drich durch seine Prachtliebe und durch ein noch ziemlich imDunkel liegendes Abentheuer mit einer schönen und tugend-haften Wienerin, Namens Brunhild, nicht sehr beliebt gemacht,deshalb empörten sich seine eigenen Unterthanen gegen ibn undtrugen dem Kaiser Heinrich II. ihre Klagen vor. Der Kaisererklärte den Herzog in die Reichsacht, ließ seine Länder inBesitz nehmen uud kam bald darauf selbst nach Wien, welcheStadt er 1237 zu einer freien Reichsstadt erklärte, ihr ver-schiedene Privilegien verlieh und auch daselbst eine lateinischeSchule, welche als die Grundlage der jetzigen Universität an-