Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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diese Stämme wieder von den Hunnen und Avarcn. Zweifel-haft ist es übrigens, ob erstere unter dem mächtigen und furcht-baren Attila, der Geißel Gottes auf ibrem großen Zuge nachFrankreich und Italien auch großes Unheil in den Gauen Pan-noniens verübten, ja ob sie selbst Fabiana durchzogen. Ob-schon durch Jahrhunderte der Schrecken seines Namens so her-vorragend war, daß der Untergang aller oberpannonischcn, no-rischen oder rbätischen Städte, darunter auch Fabianas, Attilaund immer nur Attila zugeschrieben wird, so ist es doch mehrals zweifelhast, denn gerade in den zwei Jabrzcbnden nachseinem Tode, kommt es in St. Severins Legende häufig zumVorschein, obne daß irgend einer Zerstörung darin gedachtwäre.

Unter dem Drucke dieser mannigfachen Barbarcnstämmeblieb nun Fabiana bis zur Erscheinung des berübmten und ge-waltigen Hcidenbckebrers mit Feuer und Schwert, Kaiser Carlsdes Großen, welcher 791 gegen die Hunnen und Avaren zogund einen blutigen Vcrtilgungskrieg führte. Er schlug dieHunnen zurück bis in ibren Ring an der Theiß, setzte widerihre Einfälle eine eigene Mark, die Ostmark (pla^a orienw-li«), bevölkerte das Land durch slavische Colonien und durchDeportation der nach dreißigjährigem Kampfe endlich überwun-denen und getauften Sachsen, gründete Gotteshäuser und gabreiches Besitzthum dem bereits früker errichteten Bischofstublezu Passau, worunter auch zwei Kirchen in Fabiana (der Sagenach St. Peter und St. Ruprecht). Die Metropoliten desalten Bisthums Lorch, welches im Sturme der Zeiten zerstörtund dessen Ehren an Passau übertragen worden waren, grün-dete nun auch ein Bisthum zu Fabiana, wie zu Neutra, Al-tenburg und Wellebrad, zur Civilisirung und Christionisirungder Avaren und Marhanen. Kaiser Carl regelte in seinen Ca-pitularien den Waffenhandel der Kaufleute und führte vieleandere, zum Theil sehr zweckmäßige Einrichtungen und Ver-ordnungen ein. Zwischen der Ostmark und dem großen mäh-rischen Reiche unter dem mächtigen Könige Swatopluk bestandzu Kauf und Tausch eine große jährliche Messe. Die Ostmarkund damit auch Wien kam an das fränkische Reich und derKaiser, welcher seine Provinzen zur besseren Verwaltung undVertheidigung des Landes in mehre Bezirke eintheilte, (welcheGaue oder Grafschaften genannt wurden und denen ein Gau-graf vorstand, welcher die richterliche und militärische Gewaltausübte) erhob nun auch die hiesige Gegend zu einer Mark-grafschast (von Mark, Gränze) gegen das Land der Avarenund Hunnen, welche den Namen Ostirrichi (das gegen Ostenliegende Land), neudeutsch Oesterreich, erhielt. Guntram, Grafvon Erdungau war zuerst darüber gesetzt, nahm seine Residenzin Tuln und das verödete Land erhielt aus Franken, Baiern

und Sachsen viele Ansiedler. Kaum aber hatte sich das Landdurch einige Zeit der Ruhe und des Friedens erfreut, als eSdurch Kaiser Arnulphs unvorsichtigem Schritt, wider das groß-mährische Reich Swatopluks fremde Hilfe herbeizurufen, vonNeuem in Noth und Elend gestürzt wurde, lim das Jahr900 wälzten sich die furchtbaren Schwärme der Magyarenoder Ungarn, die sich kurz vorher, aus den Steppen Asienskommend, in Niederpannonien festgesetzt hatten, nach Oester-reich, gefielen sich in dessen fruchtbaren Gauen und verheertendurch Raub und Mord, und indem sie die Einwohner alsSclaven mit sich führten, bald ganz Deutschland, von wo siesich bis nach dem untersten Italien und Burgund verbreiteten.Fabiana ging noch einmal unter, die Enns wurde noch einmalGränzfluß, bis Kaiser Otto der Große (930 973) nachdemer Deutschland und Italien wieder vereinigt, dnrch die Schlachtwider die Ungarn auf dem Angsburger Lechfelde, deren wildemund verheerendem Vordringen für immer ein Ziel setzte.

Eine unmittelbare Folge dieses Sieges war, daß denMagyaren ein Theil der Landschaft unter der Enns bis in dieNähe von Melk wieder entrissen und an Deutschland zurück-gebracht ward, obgleich der übrige Theil, mit Wien, noch inden Händen der Ungarn blieb. In dem wieder eroberten Theileward ein neuer Markgraf, Burkard Pfalzgraf von Regensbnrgangestellt; auch ward der christliche Cultus erneuert und einebayerische Colonie dahin verpflanzt. Der Name Oesterreich(Ostirrichi) oder Ostland, welchen die hergestellte Markgraf-schaft nach ihrer politischen Stellung zum deutschen Reiche er-hielt, kommt zuerst im Jahre 990 in einer kaiserlichen Urkundevon Otto UI. vor. Markgraf Burkard aber begleitete nochden Kaiser Otto II. nach Italien und fiel daselbst 98S imKampfe gegen die Griechen und Araber. Ihm folgte in seinerWürde als Markgraf von Oesterreich Leopold, Graf von Ba-benberg, womit dieses edle und für Oesterreich rühm- und se-genbringende Geschlecht seine Herrschaft in den Gauen derOstmark begann. Das Geschlecht der Babcnberger war frän-kischen Ursprungs, sein Name wird durch glaubwürdige Schrift-steller von Baba, einer sächsischen Prinzessin, Gemahlin desfränkischen Grasen Heinrich, Urgroßvater des ersten Leopold,genannt der Erlauchte, hergeleitet. Der von einigen Schrift-stellern gebrauchte Name: Bamberg scheint demnach irrigund aus einer nahe liegenden Verwechselung entstanden zuseyn. Der von frühester Jugend an dem kaiserlichen Hofe le-bende Leopold rettete (nach Conrad von Witzenberg) dem Kai-ser Otto I. auf einer Jagd, durch Bekämpfung eines wüthen-den Ebers das Leben und erhielt darauf das Versprechen desersten erledigten Reichslehenö, welches ihm sodann von Otto II.zu Theil ward. Das alte, noch aus der Römer Zeiten (wo-