n. Chr.), dem eigentlichen Begründer Vinüobona's sich bereits,trotz dessen Triumphes über die Markomannen, das ganzeschauderhafte Geheimniß des entschiedenen Verfalles der Rö-merherrschaft ahnen ließ. Gewaltsam begannen die Geschickezu drängen. Rom, bei den meisten Völkern verhaßt und nurzu bald, der sich von Innen offenbarenden Schwäche wegen,verachtet, wurde verhältnißmäßig sehr schnell gestürzt. Daseinzige Mittel zur Erhaltung: Ewige Zwietracht unter seinenGegnern, welches der große Tacitus aussprach, fristete frei-lich voch durch ziemlich lange Zeit die römische Weltherr-schaft, doch endlich gebot die gemeinsame Noth gemeinsamesZusammenwirken und siehe, das gefürchtete Phantom stürzteund noch dazu nicht mit gewaltigem erschütterndem Falle, ohn-mächtig und leblos dabin. Eine ergreifende Lehre für Erobe-rer auch in neuerer Zeit, wären siegtrunkene Eroberer, durchdie glänzenden Erfolge des Augenblicks berauscht, irgend einerLehre durch warnendes Beispiel empfänglich. Wien aber sahsowohl Roms Größe, wie auch seinen Verfall und Sturz.Unter Gallienus begann die große Völkerwanderung und Wienwurde nach und nach zum Spielball verschiedener Volks-stämme. Die Markomannen, die sich durch die Zeit von ibrerNiederlage wieder erholt hatten, gingen 264 n. Cbr. über dieDonau und bemächtigten sich der Provinz Oberpannonicn mitVindvbona und Carnunt, welche ihnen von Gallienus in demdarauf geschlossenen Frieden auch überlassen wurde. KaiserProbus (27K — 282) verjagte jedoch diese Barbaren wiederaus Pannonien und machte sich für diese Provinz noch be-sonders dadurch merkwürdig, daß er die ersten Weinstöckeaus Griechenland hierher verpflanzte. In der Folge, als imrömischen Reiche selbst gewaltsame Spannungen und mehreKaiser und Gcgcnkaiser entstanden, ward auch Pannonien undmit diesem auch Vindobona bald diesem, bald jenem Herrscherzu Theil. Die christliche Religion scheint in diesen Gegendenbereits gegen Ende des fünften Jahrhunderts Eingang gefun-den zu haben, nachdem schon um die Mitte des dritten dasneue Licht Bekenner und Märtyrer zu Lorch ((.auroaeiim) inder Gegend des heutigen Enns gefunden hatte. Doch um 456erschien der heilige Severin, Oesterreichs Apostel, ein afrika-nischer Mönch und predigte zuerst mit Feuereifer die christlicheLehre in dem, den Grenzmarken Oberpannoniens und des llfer-norikums nahen Städtchen Asturist dann zu Comogene, end-lich in den gesunkenen Ucberresten Vindobonas, zu Fabiana.Er umgab sich bald mit einem Kranze frommer und wohlthä-tiger Männer, die seine Bekehrungs- und Liebeswerke fortsetzensollten, wenn er einst »immer wäre. Das erste und größteKloster baute er zu Fabiana, außer den Stadtmauern, daszweite in weiterer Entfernung von der Stadt gegen Nordwest.
Das erstere gilt insgemein für St. Johann am Alserbach, dasandere für das Dorf Heiligenstadt, das diesen Namen imMunde des Volkes von den vielen Heiligen, St. Severins Schü-lern, erhalten haben soll. Unweit davon hatte St. Severin,zwischen entlegenen Rebenhügeln, ein gar kleines, abgeschiede-nes Bethaus in einem obst-, wein- und steinreichen Gelände.Noch klingt uns sein Name dort mächtig an, in dem eineStunde von Wien entfernten Sicvering (Severing) und alsein Denkmal der ältesten Bauart scheint die ehrwürdige Stein-kirche daselbst dieser Annahme nicht zu widersprechen. Nichtnur die in der Nähe wohnenden Ansiedler erfreuten sich desSegens und der Vorsorge des frommen Apostels, auch von derFerne kamen Trost- und Rathsuchende oft zu ihm. So kam aucheinst ein Haufe kriegslustiger Heruler in Severins friedliche Clauscum seinen Segen, da sie eben auf gefahrvolle Abenteuer ge-gen Italien zogen. Einer aus ihnen, ein thatenlustigcr Jüng-ling, schlank wie die Ulme des Waldes, vernahm von demheiligen Greise die inhaltsschweren Worte: „Zieh hin in dei-nen armseligen Thierfellen; Italien tauscht dir sie für köstlichenSchmuck und Vielen magst du dann große Gabe spenden. DerJüngling war Odoacer, der seinen alten Herrn, Orest, er-morden ließ und den barbarischen Hilfsvölkern gab, was dieserihnen verweigert hatte, den dritten Theil der eroberten Grün-de. Odoacer wurde König Italiens, gewaltig von der Meer-enge Sicilicns, bis an die Donau und auch sein Name klingtuns in jenem des nicht ganz eine Stunde von Wien entferntenDorfes Oltakrin wieder, obschon derselbe sich auch wokl ausden mächtigen Böhmenkdnig Otlokar beziehen ließe. Den 8.Jänner 482, nachdem er beinahe durch drei Jahrzehnde demLande in den fürchterlichsten Nöthen ein rettender Gott erschie-nen, entschlief Severin sanft, unter Lobgesang der Seinigcnund noch zur Stunde wird in Oesterreich an diesem Monats-tage sein Fest gefeiert.
Ende des fünften und im sechsten Jahrhunderte bestürmtenneuerdings mehre barbarische Völker die Provinzen des nun indas morgen- und abendländische Kaiserthum getheilte römischenReiches und da die römischen Kaiser sich bald außer Standsahen, diese Provinzen länger zu schützen, machten sie mit denRügen einen fieundschastlichen Vertrag, durch welchen sie ihnenPannonien überließen, linker den Rügen wurde der NameVindobona ganz in Fabiana umgcschaffen. Ja diese classischeStätte wird noch Faviana genannt in einem Passauer Schenk-briefe Earls des Großen, der durch siegreiche Waffen, durchchristlichen Glauben und Sitte den Ort wieder hervortretenmachte, den beim allmälig rettungslosen Sinken der alten Göt-ter- und Waffenwelt der edle Marc Aurel gegründet. DieRügen aber wurden wieder von andern Gothen verdrängt, und