Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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TN l e n.

U'ien, die größte und volkreichste Stadt Deutschlands,die alt- und vielberühmte Haupt- und Residenzstadt der öster-reichischen Monarchie, schon zn der erlauchten Babenbergerruhmbekränzten Zeit Sitz der Landesfürsten von Oesterreich undseit Kaiser Mathias ausschließender Wohnsitz der römisch-deut-schen und österreichischen Kaiser, liegt an den südlichen Ufernder Donau in der östlichen Länge von Ferro 3 -t Grad, 8 Mi-nuten, 3V Secunden; die nördliche Breite beträgt 48 Grad,18 Minuten, 35 Secunden.

Wichtig und schwierig ist die Aufgabe, alles Merkwürdige,Große und Schöne dieser altehrwürdigen Metropole, der Wiegeund dem Sarge so vieler berühmten Fürstengeschlechtcr undausgezeichneter Personen jedes Faches, im Kriegsruhm, Kunstund Wissenschaft, genügend vorzuführen, alles Wichtige undDenkwürdige darzustellen, nicht oberflächlich, aber auch durch-aus nicht zu weitläufig zu werden und den ernsten und wür-digen Gegenstand ebenfalls mit Ernst und Würde aufzufassenund darzustellen. Mehrjährige Forschungen und Studien, sowie ein eigentliches Zuhanseseyn in der Geschichte der hehrenKaiserstadt möchten mich indeß, mit Bescheidenheit sei es ge-sagt, wohl befähigen, der Aufgabe zu genügen. Am schwie-rigsten ist es indessen, von dem Ursprung und der frühestenGeschichte Wiens zu sprechen, die so in unerleuchtbarcm Dun-kel liegt, wie jene der meisten deutschen Städte und von wel-cher die stimmfähigsten Schriftsteller dieses Faches älterer undneuerer Zeit, so z. B. Bonfinius, Acneas Sylvius, Laz, Kü-chelbecker, Leopold Fischer, Pater Fuhrmann, bis auf Weis-kern, Pezzl und Hormayr allesammt selbst nur in dunkeln Ver-muthungen und entstellten Traditionen sich erschöpfen, ohne ir-gendwie volles Licht in die Sache zu bringen. Selbst die Ge-schichte von dem Ursprünge des Namens der herrlichen Kaiser-

stadt ist so schwankend, unklar, unbefriedigend und widerspre-chend, daß es zum Theil ziemlich belustigend seyn dürfte, dieverschiedenen Hipothescn und mehr oder minder begünstigtenProbabilitäten die Musterung passiven zu lassen.

Daß die Urbewohner dieser Gegend Wenden (Winden)gewesen seyen, ist aus vielen Erhebungen und alten Urkundenznr höchsten Wahrscheinlichkeit, fast zur Gewißheit gediehen, obaber der uralte Name Vmäobona wirklich nach dem ziemlichmodernen Worte Winden-Wohnung, wie Einige wollen, lati-nisirt sei, müssen wir dahin gestellt seyn lassen, ebenso und nochmehr eine andere Hipothese, daß nämlich die Römer von demin dieser Gegend wachsenden guten Wein ihre neue PflanzstadtVmo Iwiw genannt, woraus in der Folge sich Vinäobviia ge-staltet.

Genug also dieses nutzlosen Forschens und Muthmaßcns;gewiß ist, daß die wettcrobernden Römer unter Kaiser Augustusauch hier sich festsetzten und Vinäoboiia, mochte es nun seinenNamen woher immer haben, wurde mit dem nahen Karmin-tum (bei Altenburg und Petronell) ein Hauptpunkt des großenrömischen Cordons an der Donau und ward ein Waffenplatzder eolwrs ?-Ma»a von der dreizehnten Legion, aus welch'letzterem Namen kabiana man ebenfalls durch die Stufenleitervon kabiana, kmna, Uiona, Viena endlich den Namen Wiendurch allmälige Corruption im Volksmunde herzuleiten glaubte.Zum Mindesten ist nicht viel Beglaubigtes dieser Muthmaßungentgegen zu setzen, somit mögen wir sie denn immer auf Treuund Glauben annehmen, was nicht viel Schaden, wenn auchkeinen Nutzen bringt.

Bis zur Zeit des Kaisers Gallienus (853 «. Chr.) bliebVinäobona in ziemlich ruhigem Zustande unter der Römerherr-schaft, wo hingegen schon unter dem weisen Marc-Aurel (161