Oberhalb desselben ist eine aus weißem Marmor halberhabengearbeitete Vorstellung des Heilands, welcher auf einem Thronesitzt und zu dessen Füßen der heil. Petrus mit emporgehaltcnemSchlüssel und der heil. Paulus mit erhobenem Schwerte kniet.Dieses Thor führt in die Vorhalle der Kirche, worauf dasMusikchor ruht und die durch ein sehr schönes, mit Gold ver-ziertes Gitter von dem Schiffe der Kirche getrennt ist. DasSchiff ist von ziemlicher Höhe und hat beiderseits niedrigeDurchgänge unter Gewölben, welche Oratorien tragen. Indiesen Seitengängen befinden sich fünf Kapellen mit Altärenund zur Linken die aneinander gereihten Beichtstühle. An denvorder» Pfeilern sind sechs Altäre angebracht. Hinter einemdieser Pfeiler zur Rechten ist das Grab des heiligen Ruperts,mit einem darüber erbauten Altare, der an der Stelle des Al-tartisches eine mit einem eisernen Gitter verschlossene Oeffnungin das Grab des Heiligen hat. Ueber acht steinerne Stufenkommt man nach dem Chöre, wo ein zierliches marmornesBrustgeländer angebracht ist und worüber eine sehr hohe miteiner Laterne versehene Kuppel sich wölbt. Der Chor-Altarfüllt die ganze Hälfte des vordern Gewölbes und hat beider-seits noch zwei große und zwei kleine Altäre. Alle Altäre,1l6 an der Zahl, sind von rothem Marmor und die meistenAltarblätter von Schmidt, dem sogenannten Kremserschmidt,gemalt. Am Mönchberge, auf der rechten Seite der Kirche,befindet sich der alte Lcichcnhof, der eine Menge sehr alter,über das 15. Jahrhundert hinausreichender Grabmäler enthält,von denen die merkwürdigsten mit Sorgfalt vor allen Beschä-digungen der Witterung bewahrt sind. In der Mitte des Fried-hofs steht die uralte St. Margarethenkirche mit einem sehrspitzig zulaufenden Ziegeldache, welche ursprünglich schon St.Rupert aufgeführt, jedoch 1485 wieder ganz neu aufgebautwurde. Es ist ein durchaus von Sandstein aufgeführtes Ge-bäude im mittelalterlichen Style mit einem spitzigen Thürm-chcn und drei unansehnlichen Altaren von Holz. Zunächst an derStiftskirche ist die vom Herzog Leopold VII. von Oesterreich -Babcuberg 1198 — 123(1 erbaute Mutter-Gottes-Kapelle mitdem weißmarmornen Grabmale des heil. Vitalis; auf der an-dern Seite die Kapelle zum heil. Veit mit den Grüften derKlosterbrüder. Dicht am Mönchberge ist die Kreuzkapelle, einealte Kapelle mit einem von dem Felsen aus herabgesenktenDache, einem hölzernen Thürmchen und einem sehr schmalenEingange. Hier war das erste Kloster zur Zeit des heil. Ru-pert. Durch diese Kapelle ist der Aufgang zu der kleinenAegidius-Kapelle am Mönchsbcrge, welche das Betzimmcr desheil. Rupert gewesen sein soll und deshalb auch in alten Ur-kunden St. Ruperts-Höhle genannt wird. Rückwärts an derKreuzkapelle sieht man in einer aus Stein gehauenen Nische
ein hohes Crucifir, wozu der Eingang mit einem hohen eisernenGitter verschlossen ist; hier ist seit dem Jahre 1769 ein Com-munbegräbniß für mehre Familien, welche sich und den Ihri-gen hier ein Ruhcplätzchcn erkaufen wollen. Zur Rechten desCrucifires führt eine schmale Stiege durch den Felsen in dieEinsiedelei des heil. Marimus. Man kommt da in eine ausStein gehauene Kapelle, welche schon der heil. Rupert geweihthaben soll.
Die alte Pfarr- oder Franciskanerkirche. DieseKirche hat eine sehr merkwürdige Bauart. Sie besteht nämlichaus zwei Abtheilungen: einem 92 Fuß hohen, im altgothischenGeschmacke erbauten Sechsecke, deren gothisch durchschnitteneDecke von fünf freistehenden, über 76 Fuß hohen Säulen getra-gen wird, und dann aus einem mehr als um die Hälfte nie-drigern Schiffe, das von einer neuen Bauart ist und beider-seits breite, nur 85 Fuß hohe Bogengänge hat, wodurch es in3 Abtheilungen getheilt wird. Dicht an diesem vieleckigen Ge-bäude steigt ein aus Sandstein sehr massiv erbauter hoher vier-eckiger Thurm empor, der gerade unter seiner mit weißem Blechbeschlagenen Kuppel ein Brustgeländer von weißem Marmormit vier kleinen Eckthürmchen hat. Der Hochaltar steht aneiner in der Mitte freistehenden Säule und zeigt eine Marien-statue von Holz. Ringsumher sind unter einem bogenförmighervorspringenden Gange neun Altäre in neun abgesondertenKapellen angebracht. Das Schiff der Kirche ist von sehr ein-facher Bauart. Im hintersten Theil desselben befindet sich derMusikchor und hinter demselben der größere Chor der Francis-kaner, wo sie ihren Chorgesang verrichten. Das daranstoßendeKloster ist ein im Viereck erbautes, drei Stockwerk hohes Ge-bäude, ohne sich besonders in architektonischer Hinsicht auszu-zeichnen.
Die Universität und Universitätskirche. Dasnoch immer sogenannte Universitätsgebäude, obwohl dasselbe inneuerer Zeit in ein Lyceum umgewandelt wurde, ist ein unre-gelmäßiges Fünfeck, dessen vordere Seite gegen 586 Fuß langist. Die Mitte ist mit einem etwas höher steigenden Mittelge-bäude geziert, welches auf beiden Seiten zwei zierliche Thoremit weißmarmornen Thürpfosten zeigt. In diesem Gebäude be-finden sich die Wohnungen der Lehrer, die Schulzimmer, derakademische Saal, das physikalische Armarium, die Bibliothek,die Kapelle des heil. Karl Borromäus, ein kleines Theater undim zweiten Stockwerke das Convict. Die Universität wurde1577 gestiftet; 1646 errichteten 46 Benedictincrklöster in Oester-reich, Baiern, Salzburg und Schwaben einen Bund unter sich,die Universität immer aufrecht zu erhalten, zu welch edlem Vor-haben Erzbischof Paris, Graf von Lodron ein Kapital von46,666 Gulden schenkte. Noch im Jahre 1863 errichtete der