Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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mern und Grotten und durch die abenteuerlichen Mährchen,die seil Jahrhunderten von ihm verbreitet und geglaubt wer-den, dem gemeinsten Landmann bekannt. Das sogenannteTauerngcbirge beginnt neben dem Dreiherrenspitz und zieht sich bisnach Steyermark. Von der wilden Gerlos bis zum Tbale vonKlcin-Arl sind die Tauern ein einziger ununterbrochener Hauptast,am Ursprung der Mur aber spaltet sich der Hauptstock in zweiTheile, wovon einer gerade nach Osten zieht, der andere mehrnach Sudost sich wendet. Viele Bergreihen und Thäler gehenvon diesen Tauern aus. Große, tiefe Schncefelder und mitEis umpanzerte Firste geben den benachbarten Ländern ihreGränzen und vielen Flüssen und Bächen ihre Quellen. Diegrößten Gruppen von Gletschern, die man in Salzburg Keesenennt, gewöhnlich 8 bis 10,000 Fuß hoch, liegen in dieserTauernkette, seit Jabrtauscnden von Winden umstürmt und zublaugrüncn Eisfeldern oder festem Schneeboden erstarrt. DerObersalzburger Venediger erhebt sich mit seinem spitzigen Gipfel,der einer dreischneidigen, steil emporragenden Eisnadel gleicht,bis zur Höhe von 11,27(1 Fuß über das mittelländische Meer;bisher wurde dessen Spitze noch nicht erstiegen.

Hinter Gastcin, dem berübmten Wildbade, erhebt sich derKönig der Tauern, der über 12,000 Fuß hohe Ankogel. Imbohen Sommer glüht noch um 10 Uhr Abends seine Spitzeim flammenden Abeudgolde der untergegangenen Sonne. SeinHaupt ist in ewiges Eis gehüllt und die Scharte zwischen derhöhern und niedrigern Kuppe mit Gletschereis ausgefüllt. DesAnkogelö südliche, östliche und nördliche Seite fällt beinahesenkrecht ab nnd an seinem Fuß zieht sich aus dem Anlaufthaleder Rodeckkesscl bin, ganz mit Trümmern eingestürzter Bergebedeckt. Die Aussicht voni Ankogel ist unermeßlich. Ungemein rei-zend sind die Thäler im Salzburger Kreise. Das Salzachthalist das größte und romantischste, von welchem viele Ncbcnlhcileauslaufen. Das wunderherrliche Pinzgau ist die obere Hälftedes Salzachthales. Es giebt in diesem Thale elysische Gegen-den und insbesondere gleicht die Gegend zwischen Salzburgund Hallein einem englischen Garten, nur Schade, daß die injedem Frühjahre durch das Schmelzen des Gletschereises ent-stehenden Gewässer so häufige Überschwemmungen veranlassen.Eine besondere Eigenthümlichkeit der Salzburger Gebirge sinddie darin vorkommenden häufigen Zerklüftungen und Hohlen.Die bedeutendste derselben ist die Felsenhöhle Schreckofcn imPfleggerichte Werfen, hoch oben auf dem scharfen Hagenge-birge, wo die Volkssage einen Berggeist mit feurigen Hundeneinen Schatz bewachen läßt. Der Eingang zu derselben ist un-gefähr 30 Fuß breit und 10 Fuß hoch, und im Hintergrundeführt ein enger Gang von Grotte zu Grotte 200 Klafter tiefin den Bauch des Gebirges hinein; noch tiefer trifft man einen

Saal und in demselben einen See, welcher 20 Fuß lang,12 Fuß breit und 5 Fuß tief ist. Die unterirdischen Gewölbesind voll Tropfsteine.

Reizend im hohen Grade, überreich gesegnet an Natur«schönhcitcn aller Art ist die Lage der Stadt Salzburg selbst.Eine Reihe der herrlichsten Bergkuppen und anmuthiger Thälervereinen sich hier, dieser Stadt ein pittoreskes Ansehen zu ge-ben, wie es wohl keine zweite in Deutschland haben möchte.Der Staufen, der UnterSberg, der hohe Göll, Tanncnberg undGeisberg nebst mehren andern bilden hier ein Amphitheatervon Hochalpen, welches immer den großartigen Hintergrundzu den Ansichten der Gegend bildet. Die Salzach selbst strömthier durch zwei isolirtc Hügel von Kalk--Breccie, den Mönchs-und Kapuzinerberg, an manchen Stellen nur wenig freiesUfcrland lassend. In diese Enge ist zum größten Theile dieStadt hineingebaut und die Gestätte so wie der Stein sindden senkrecht scarpirten Felsen abgezwungene Häuserreihen.Die berübmten Marmorbrüche des nahen Uutersberges lieferndas herrlichste Baumaterial in solchem Ueberflusse, daß selbstdie meisten Schwellen und Fensterstöcke der Privathäuser vonrotbem Marmor sind. Diese beengte Lage veranlaßte noch,die meisten Dächer flach zu bauen und so giebt Salzburg denüberraschenden Anblick einer italienischen Stadt mit allerPracht südlicher Bauart, inmitten beschneiter Alpen und jederSchritt gewäbrt ein neues interessantes Bild.

Salzburg liegt in einer Polhöhe von 30° 48^ 10" nörd-licher Breite, ist 1370 Pariser Fuß über die Mecresfläche er-haben und besteht aus der innern Stadt und den drei Vor-städten Müllen, Nonnthal und Stein. Es zählt im Ganzen860 meistens gut gebaute Häuser, hat an 12,000 Einwohnerund liegt an beiden Ufern der Salzach, die durch eine 370 Fußlange hölzerne Brücke mit einander verbunden sind. Die Vor-stadt Nonnthal liegt südlich unter dem Schloß - und Nonnberge,die Vorstadt Müllen, aus allen dreien die älteste, an derLand- und Poststraße in das flache Land gegen Baiern; dieVorstadt Stein, die kleinste unter den genannten, unmittelbarain Felsen des Kapuzincrberges an dem rechten Gestade derSalzach gegen Osten, und besteht nur aus zwei langen, sehrunsymmetrischen Reihen von Häusern, zwischen denen eineschmale Straße in verschiedenen Krümmungen durchgeht. DieStadt ist mit Mauern und Wällen umgeben und in sie ge-langt man durch acht Thore, wovon vier diesseits und vierjenseits der Brücke befindlich sind. Auf der Dom- oder linkenSeite sind: das Klausen- oder Liebfrauen-, eigentlich Schleu-ßenthor. Dasselbe bestand schon im 13. Jahrhundert, branntejedoch 1603 ab und wurde 1612 auf Kosten des Magistratsmit zwei über dem Thore angebrachten Wohnungen und einer