mehrmals vom Blitz getroffen worden, so wurde das ganzeGebäude 1789 mit einem Blitzableiter verseben.
Noch besitzt Ulm zwei andere Kirchen, die Dreifaltig-keits-Kirche, auch die Neue Mirche genannt, und dieSt. Michaelis-Kirche. Erstere, die zweite evangelischePfarrkirche, wurde von 1617 bis 1621 aus dem Platze desehemaligen Prediger- oder Dominikaner-Klosters gebaut; nurder Chor ist ein Ueberrest der alten Klosterkirche. Hinter demAltar befindet sich ein steinernes Denkmal von 1298, das demStifter des Klosters zu Ehren errichtet wurde. Letztere, ehe-mals Kirche des 1803 aufgelösten Weugenklosters, nun diekatholische Pfarrkirche, hat einen schönen Altar von JörgSürlen dem Jüngern, schätzbare Deckstücke von Kuen, einevortreffliche Orgel und einige Bildhauerarbeiten von Verselst.An dieselbe stößt das ehemalige Wengenklostcr an, das nun ineine Kaserne verwandelt ist.
Unter den übrigen merkwürdigen Gebäuden heben wir vorallem das Rath Haus hervor. Es ist ein zum Theil sehraltes Gebäude, das schon 1360 unter dem Namen Kaufhausvorkommt, 1370 und nachher aber vergrößert wurde. Aufder Morgcnseite befindet sich eine künstliche Uhr, welche außerden Stunden die Bewegungen der Erde und des Mondes zeigtund von dem Straßburgcr Uhrmacher Jsaak Habrecht 1580 ver-fertigt oder eigentlich wieder hergestellt wurde. In den ver-schiedenen Zimmern sind manche schätzbare Gemälde aufgehängt,darunter in dem Rathszimmer das Brustbild des Königs GustavAdolph von Schweden, und seit dem 7. April 1835 das lebens-große Bildniß Sr. Maj. des Königs Wilhelm, von Stirnbrandgemalt, welches die Offiziere des vormals hier in Garnisongelegenen 7. u. 8. Infanterie-Regiments der Stadt verehrten;in dem des Rathsschreibers eine Abbildung der Stadt mit ibrenBefestigungswerken, wie sie 1552 von Albrecht von Branden-burg belagert worden; in der ehemaligen Handwcrköstube dieStadt Geißlingen mit dem 1552 zerstörten Schlosse Helfen-stein zc. In dem Ralbszimmer wurden ehemals die Sitzungender Schwäbischen Kreisstände gehalten. Unter demselben be-findet sich in einem großen Gewölbe das städtische Archiv miteinem reichen Jnbalt von Doeumenten und mit vielen Rissenund Abbildungen der Stadt. In diesem Gewölbe steht auchKepplers metallener Kessel, der als Normalmaaß für Ulm1626 verfertigt, alle Arten von Maaßen in sich begreift. Merk-würdig sind die unterirdischen Gewölbe unter einem Nebenge-bäude des Ralhhauscs, die Beste genannt, deren schauerlicheEinrichtung viele Aehnlichkeit mit den Gewölben unter demSchlosse zu Baden-Baden hat und in älterer Zeit zu Gefäng-nissen dienten.
Nächst dem Rathhause bemerken wir das Museum oderdas Gebäude, worin sich die aus mehr als 300 Mitgliedernbestehende Lesegcsellschaft der Honoratioren Ulms seit 1817 be-findet. Es war dies ehedem, bis 1815, wo das Haus ver-kauft wurde, das Gesellschaftsgebäude der Patrizier, und hießdeßhalb (wie noch jetzt zuweilen) die „obere Stube", auch die„Bürgcrstube", weil die Patrizier ehemals vorzugsweise Bürgergenannt wurden. Im Gegensatze gegen die obere Stube gabes auch eine „untere Stube", welche das Gesellschaftshans der
gleichfalls vor andern Zünften bevorzugten Krämer- und Kauf-leute-Zunft war.
Von andern Gebäuden erwähnen wir noch: Das deut-sche Haus, jetzt Sitz der königl. Krcisregierung und Finanz-kammer, das regelmäßigste und schönste Gebäude der Stadt,welches 1712 bis 1718 von dem deutschen Orden, der hiereinen Commenthurei-Sitz hatte, an die Stelle eines ältern ge-baut wurde. Der Neue Ban, Sitz des königl. Eameral-amts, ein weitläufiges, massives Gebäude an der Blau, wel-ches schon 1366 unter dem Namen „Nybus" vorkommt. Essteht auf der Stelle der alten kaiserl. Pfalz und diente nachdieser zum Aufenthalt der Kaiser und Könige, weßwegen eslange der Kaiser- oder Königshof hieß. In der Nähe standauch die kaiserl. Kapelle zum beil. Kreuz. Vor Zeiten hielt imNeuen Bau der Magistrat während der Kreisversammlungen seineSitzungen; einige Zimmer dienten zu Staatsgefängnissen. DaSSteuerhaus, das seinen Namen von seiner frühern Bestimmunghat und 1491 erbaut wurde; jetzt dient es zu Sitzungen desOberamtsgerichts und zu andern Zwecken. Der Gerichtshof,vormals das Schwurhaus, worin sich, und zwar in einemgroßen offenen Saale des ersten Stocks, das Patriciat amSchwörtage versammelte und die jäbrlichen Huldigungsfeier-lichkcitcn vornahm, während die Bürgerschaft unten auf demWeinhofe den Huldigungscid ablegte. Das jetzige Gebäudewurde erst 1789 an die Stelle des 1785 abgebrannten älternSchwurhauses aufgeführt. Das Gymnasium, ein ehema-liges Franziskaner-Mönchskloster, das 1531 seine jetzige Be-stimmung erhielt; es ist ein weitläufiges Gebäude und fürsämmtliche lateinische und Realschulen, auch zur Wohnung desRectors eingerichtet. Das Herzogliche Palais, der Drei-faltigkeitskirche gegenüber, ein neues, schönes, großes Gebäude,welches jetzt Sr. Höh. dem Herzog Heinrich von Würtembcrgzur Wohnung dient. Das Spital (z. heil. Geist), unfernder Dreifaltigkeitskirche und des Gänsethors, ein altes, ausmehreren Theilen bestehendes weitläufiges Gebäude, worin ^ieHospitaliten (200 — 300) und die bei der Anstalt Angestellten,sowie die dazu gehörigen Hofbauer» wobnen. Die im Hofedes Spitals gestandene Heiliggeist- oder Spitalkirche, in welcherbis zum Jahr 1621, wo die Dreifaltigkeitskirche an ibre Stelletrat, Gottesdienst gehalten worden, wurde 1819 ganz abge-brochen.
Noch verdienen wegen ihrer eigenthümlichen niedlichenEinrichtung die sogenannten Grabenhäuslcin erwähnt zuwerden. Es sind dies 177 einstöckige Häuschen, welche zu-sammenhängend gebaut auf dem Graben stehen und Vz derStadt umgeben. Ihr Bau wurde 1666, nach einer andernAngabe aber schon 1608 angefangen und 1666 nur anderseingerichtet. Sie dienten bis zur Auflösung der reichsstädtischenVerfassung den Garnisonssoldatcn der Stadt zur freien Woh-nung. Unter Bayerischer Herrschaft wurden sie an Einwohnerder Stadt verkauft.
An dieselben stößt, auf der südwestlichen Seite der Stadt,die sogenannte Wilhelmshöhe, sonst „Lug ins Land" ge-nannt, ein sehr schön gelegener und neuerdings stark besuchter